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"Wonder Woman" geht voran Hollywood stellt neue Regeln gegen sexuelle Belästigung auf - doch die Sache hat einen Haken

Gal Gadot am Set von "Wonder Woman" - dem ersten Film in Hollywood, der die neuen Richtlinien annimmt
Gal Gadot am Set von "Wonder Woman" - dem ersten Film in Hollywood, der die neuen Richtlinien annimmt
© Clay Enos/ / Picture Alliance
Hollywood reagiert auf Weinstein und #metoo: Ab sofort gelten neue Richtlinien zum Schutz vor Übergriffen und Belästigungen. Die Macher von "Wonder Woman 2" kündigen bereits an, sie umzusetzen. Bei der ganzen Sache gibt es nur ein entscheidendes Problem.

Klingt doch eigentlich ganz gut: In Hollywood soll ab sofort nach neuen Regeln gedreht werden. Im Zuge der #metoo-Debatte und den zahlreichen öffentlich gewordenen Fällen von sexueller Belästigung in der Filmbranche hat die "Producers Guild of America", eine Vereinigung von mehr als 7.500 amerikanischen Filmproduzenten, Richtlinien zur Prävention von Belästigung am Filmset veröffentlicht. Die Regeln sollen Filmproduzenten als Leitfaden dienen, um sexuelle Übergriffe beim Dreh zu verhindern.

Vor Beginn jeder Dreharbeiten sollen Schulungen gegen sexuelle Belästigung für Schauspieler und Crewmitglieder angeboten werden. Außerdem sollen pro Produktion zwei Vertrauenspersonen abgestellt werden, an die sich Betroffene wenden können. Opfern von Übergriffen wird empfohlen, ausführliche Notizen zu den Vorfällen zu machen und sie außerhalb des Arbeitsplatzes aufzubewahren.

Hollywood: "Wonder Woman" folgt neuen Regeln

Diese Maßnahmen sollen den Weinsteins dieser Welt Einhalt gebieten, wenigstens in Hollywood. Als erster Blockbuster soll die Fortsetzung des Superheldenfilms "Wonder Woman" nach den neuen Richtlinien gedreht werden. Das passt ganz gut, schließlich wird die Geschichte um Kampf-Amazone Diana von Patty Jenkins als Regisseurin realisiert, die Hauptrolle spielt Gal Gadot - und dass Frauen für einen Actionfilm hauptverantwortlich zeichnen, gilt in Hollywood immer noch als quasi revolutionär.

Es ist traurig, dass die Richtlinien überhaupt nötig sind, aber: Ein gutes Zeichen sind sie allemal. Das Problem ist ein anderes: Sie sind nicht verpflichtend. Keine Produktion muss nach diesen Vorschriften drehen. Diese "freiwillige Selbstkontrolle" lässt die vermeintlich fortschrittlichen Maßnahmen reichlich redundant erscheinen. Mal ganz abgesehen davon, wie man sich die angebotenen Schulungen für Mitarbeiter überhaupt vorzustellen hat, oder ob gut gemeinte Ratschläge an Opfer in der Praxis tatsächlich umgesetzt werden.

Viel heiße Luft unter der Oberfläche

Eigentlich bleibt also alles wie immer in der Traumfabrik: Die Geste ist groß, sie enthält theoretisch jede Menge Symbolkraft - aber unter der Oberfläche tut sich viel heiße Luft auf. Mit der Alles-kann-nix-muss-Klausel kommen Hollywoods neue Regeln gar nicht mehr so revolutionär daher, wie sich die Verantwortlichen das vorstellen. Sondern sie sind vor allem eines: ziemlich scheinheilig.


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