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"Supplies": Mit diesem Video macht sich Justin Timberlake komplett lächerlich

In seinem neuen Musikvideo tanzt Popstar Justin Timberlake gegen das Böse dieser Welt an. Der Clip ist so verstörend schlecht geraten, dass er schon wieder unterhaltsam ist. Als Parodie wäre er ein Geniestreich. Es steht aber zu befürchten, dass JT es ernst meint.

Justin Timberlake

Muss Hohn und Spott ertragen für sein neues Musikvideo: US-Popstar Justin Timberlake 

"Justin Timberlake ist jetzt offiziell uncool", überschrieb "Noisey" vor wenigen Wochen einen Artikel, der den Abstieg des Popstars anhand seiner frischen Single "Filthy" nachzeichnete. Wie der Musik-Kanal des Magazins "Vice" den Weg des früheren Boygroup-Stars "in die Wackness" erklärte, darüber ließ sich noch streiten. Doch beim Anblick seines neuen Musikvideos zum Song "Supplies" gehen auch den größten Fans langsam die Argumente aus: Der Clip ist irrwitzig. Irrwitzig schlecht.

Schon der Song an sich ist lauwarmer Trap-Pop ohne Seele, den man sofort wieder vergisst, aber erst das Video macht das künstlerische Desaster perfekt: Am Anfang sehen wir Timberlake, wie er benommen vor einer Wand voller Bildschirme sitzt, auf der ihm offenbar sämtliche bösen Nachrichten dieser Welt gezeigt werden. Im Verlauf des Clips werden dann mit bizarrer Symbolik allerlei Themen von aktueller Brisanz in einen Topf geworfen: Trump, Weinstein, #MeToo, Rassismus - der Zeigefinger wird ausdauernd erhoben, allein eine Haltung ist nicht erkennbar. Bildgewaltig stellt Timberlake tausend Fragen, auf die er keine Antwort weiß.

Justin Timberlake: Vielleicht soll alles nur ein Witz sein

Stattdessen tanzt er durch den visuellen Wahnwitz: Mal verirrt er sich zwischen protestierende Frauen, dann setzt er plötzlich eine Pyramide in Brand, schließlich macht er im computergenerierten Feuer mit einer Dame rum und singt ihr dabei vor, welche Vorzüge ihn zu einem großzügigen Liebhaber machen. Kurz gesagt: Um hier zwischen einzelnen Szenen einen Zusammenhang herzustellen, bräuchte es schon einen Raketenwissenschaftler. Mindestens.

Am Ende seines Feldzuges steht Timberlake reichlich ramponiert zwischen ein paar Kids in einer post-apokalyptischen Wüste, als sich eines der Kinder der Kamera nähert und ruft: "Verschwinde einfach! Stirb endlich! Du schläfst immer noch! Wach auf!" Es ist der letzte What-the-fuck-Moment von vielen. "Supplies" ist ein Spektakel des Trash, das mit Worten nicht hinreichend zu beschreiben ist.

Es ist kaum zu fassen, wie verstörend schlecht der Clip geraten ist - so schlecht, dass er schon wieder unterhaltsam ist. Schließlich zeichnet mit Regisseur Dave Meyers ein Meister seines Fachs verantwortlich, der jüngst mit dem Kurzfilm zu Kendrick Lamars "Humble" brillieren konnte. Andererseits: Auch Justin Timberlake ist eigentlich ein Meister seines Fachs. Bloß scheint er neuerdings sein ästhetisches Empfinden komplett eingebüßt zu haben.

So wird "Supplies" zum guilty pleasure, zum Fremdschämvergnügen des schlechten Geschmacks, einer musikalischen Alternative zu "Bachelor" oder "Dschungelcamp". Immer wieder überkommt den Zuschauer beim Betrachten der scheinbar willkürlich aneinandergereihten Bilder des Clips der Gedanke: Vielleicht soll das alles nur ein Witz sein. Als Parodie wäre das Video ein Geniestreich. Allerdings erhalten wir in mehr als vier Minuten keinen einzigen Hinweis auf humoristische Absicht. Es steht also zu befürchten, dass JT es ernst meint.

"Sieht aus und klingt wie ein verdammter Trottel"

In den Untiefen des Internets wird er dafür mit Hohn und Spott überschüttet. Der britische "Independent" bezeichnet den trivialen Protest des Videos als ähnlich unverantwortlich wie die peinliche Pepsi-Werbung mit Kendall Jenner aus dem vergangenen Jahr. Bei Youtube zeigen sich Timberlakes Fans fassungslos, was aus ihrem Helden geworden ist. Unter dem Clip sammeln sich Kommentare wie "Die Musik ist purer Müll" oder "Fühlt sich an, als würde ich wahllos zwischen 30 verschiedenen Musikvideos hin- und herschalten". Ein User schreibt: "Jemand sollte JT einen Spiegel besorgen - er sieht aus und er klingt wie ein verdammter Trottel."

Die Veröffentlichung von Timberlakes neuem Album "Man of the Woods" steht unmittelbar bevor. Den bisherigen Vorboten nach zu urteilen, könnte die Platte zum Karriereknick werden. Zwar wird sich Timberlake musikalisch kaum so komplett lächerlich machen wie mit seinem neuen Video. Aber von dem Imageschaden, den er mit "Supplies" erleidet, muss er sich erst einmal erholen.

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