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Ziemlich Banane: Zensur im Museum: Darum protestieren viele Menschen in Polen lasziv für die Kunstfreiheit

Im Warschauer Nationalmuseum ließ der Direktor Werke feministischer Künstlerinnen entfernen. Doch im Netz formiert sich erfolgreich Widerstand unter dem Hashtag #bananagate.

Polen Banane Kunst

Die Bilderserie "Consumer Art" der polnischen Konzeptkünstlerin Natalia LL wurde aus dem Nationalmuseum in Warschau entfernt, weil die Bilder angeblich zu obszön seien. Das empfinden viele Polen als Zensur.

Picture Alliance

Eine Frau isst genussvoll eine Banane. Sie ist augenscheinlich nackt – zumindest kann man das vermuten, auch wenn der Bildausschnitt nur bis zu ihrem Dekolleté reicht. Und auch, wenn nur das simple Essen einer Frucht dargestellt wird, erzeugt das Bild bei manchem Betrachter sicher die ein oder andere erotische Assoziation. Die meisten von uns werden im Internet oder sogar in der Werbung schon deutlich anstößigere Sachen gesehen haben. In Polen sehen einige Betrachter die Sache anders: die entsprechende Bilder wurden aus Nationalmuseum entfernt.

Das Kunstwerk könne "jungen Menschen schaden", begründete Jerzy Miziolek, Direktor des polnischen Nationalmuseums, seine Entscheidung, die Bilder abzunehmen.

Das Kulturministerium habe gefordert, die Ausstellung von den "skandalösen Arbeiten" zu befreien. Die Fotoserie zeigt Ausschnitte aus einem Video, bei dem sich die bekannte polnische Konzeptkünsterlin Natalia LL beim Essen besagter Banane gefilmt hatte. Das Kunstwerk mit dem Titel "Consumer Art" stammt von 1973 und war seit sechs Jahren im Nationalmuseum zu sehen. Auch die Videoinstallation einer weiteren Künstlerin wurde aus der Ausstellung entfernt: Unter dem Titel "Die Erscheinung von Lou Salomé" hatte Katarzyna Kozyras Schaupieler in Masken des deutschen Lyrikers Rainer Maria Rilke und des Philosophen Friedrich Wilhelm Nietzsche gezeigt, die an einer Leine geführt werden.

Banane essen gegen Zensur

Viele Menschen verstehen die Entscheidung des Museums, die Kunstwerke zu entfernen, als Zensur. Oppositionelle in Polen beklagen immer wieder, dass die aktuell regierende PiS-Partei die demokratischen Rechte der Bürger einschränkt. Auf Twitter, Instagram und Facebook formierte sich daher rasch Protest: Unter #bananagate posten Künstler, Schauspieler und viele Polen Bilder von sich und einer Banane.

Am vergangenen Montag versammelten sich zudem zahlreiche Protestler vor dem polnischen Nationalmuseum in Warschau und aßen demonstrativ eine Banane. Und der Protest zeigt Wirkung: Museumsdirektor Miziolek kündigte an, dass die Kunstwerke beider Künstlerinnen zurück ins Museum gebracht werden. Allerdings nur bis zum sechsten Mai, wenn die Galerie für moderne Kunst umgebaut werden soll.

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lau
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