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Überraschungs-Album: "Kamikaze": Der alte Eminem ist zurück – und zwar mit erhobenem Mittelfinger

Kein Jahr nach seinem stark kritisierten Album "Revival" droppte Eminem am Freitag überraschend eine neue LP. Und die ist eine Abrechnung mit allen, die sich gegen ihn stellten. Irgendwie geil.

Von Jule Schule

Eminem

Kein Jahr nach seinem letzten Album hat Eminem überraschend ein neues gedroppt

Picture Alliance

Erst im Dezember 2017 hatte Marshall Mathers, besser bekannt als Eminem, sein letztes Album veröffentlicht: "Revival". Lobworte für sein neuntes Studioalbum hielten sich bei sowohl Kritikern als auch Fans in Grenzen. Man habe genug von Selbstzweifeln, hieß es. Irgendwann müsse er doch mal ein neues Thema finden können als die zerbrochene Ehe mit seiner Ex-Frau. Und auch die sehr poppigen Einschläge durch Gaststars wie Beyoncé und Ed Sheeran nahmen ihm Fans übel. Dabei war das Album in erster Linie eine Abrechnung mit US-Präsident Trump gewesen – die durch viele Features eine breitere Masse erreichen sollte.

Trotz Trump-Mittelfinger hagelte es schlechte Kritiken. Das wollte einer der legendärsten Rapper unserer Zeit ganz offensichtlich nicht auf sich sitzen lassen und droppte am Freitag überraschend ein neues Album. "Kamikaze" heißt das gute Stück und erinnert weniger an den "Revival"-Eminem und eher an den aus "Encore"- und "The Eminem Show"-Zeiten. Eminem ist wütend und hat absolut kein Problem damit, das auch lautstark mitzuteilen. Und ganz ehrlich? Die "Süddeutsche Zeitung" mag es einen "strunzdummen Schwanzvergleich" nennen, aber tatsächlich ist ein wütender Eminem ein Eminem wie wir ihn kennen und lieben.

Eminem ist wütend – aber irgendwie war er das doch schon immer

Rennt er gefühlt ein bisschen kopflos und mit zwei erhobenen  durch die Gegend und beleidigt jeden, der bei seinem Anblick nicht in Glückstränen ausbricht? Ja, schon ein bisschen. Aber erstens hat er das doch irgendwie noch nie anders gemacht. Und zweitens tut er das immer noch immer mit einer Präzision, von der sich alle anderen Rapper eine Scheibe abschneiden können. Den kontrollierten Offbeat Rhyme wird ihm so schnell keiner nachmachen.

"Kamikaze" ist trotzig. Ja, es geht größtenteils bis ausschließlich darum, denjenigen, die "Revival" nicht gut fanden, mal gehörig die Meinung zu geigen. Aber hey, immerhin hat er ganz offensichtlich sein Selbstbewusstsein zurück und außerdem noch ein neues Arsenal an Themen aufgetan. Wolltet ihr das nicht?

In "Lucky You" heißt es: They're askin' me, "What the fuck happened to hip-hop?"/I said, "I don't have any answers."/'Cause I took an L when I dropped my last album/It hurt me like hell but I'm back on these rappers". Hip-Hop hat sich verändert. Marshall Mathers wird nicht jünger und hatte für einen kurzen Moment Angst, dass es in dieser neuen Rap-Welt keinen Platz mehr für ihn gibt. Und dann hat er drauf geschissen und teilt euch das jetzt mit. Und über fünf Millionen Hörer in 24 Stunden sprechen doch eigentlich für sich.

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