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Einer gegen alle

Comeback der Stadionpoprocker: Coldplay-Fan: Wenn du eine Band liebst, die deine Freunde nicht mögen

Coldplay haben eine neue Platte angekündigt. Das sorgt bei Instagram zwar für eine halbe Million Likes, trotzdem gilt die melodieselige Band schon seit Jahren als Inbegriff der Uncoolness. Unser Autor hält das für einen fatalen Fehler.

Coldplay

Chris Martin, Sänger von Coldplay, bei einem Konzert in Hamburg im Juli 2017

Picture Alliance

Kennt ihr diese Menschen, die andere Menschen ständig überzeugen müssen von Dingen, die sie gut finden? Solche Menschen werden häufig Politiker oder Autoren, da können sie ihren missionarischen Eifer noch einigermaßen unverdächtig ausleben.

Ich bin so ein Mensch. Und ihr habt keine Ahnung, wie anstrengend so eine Störung sein kann. Beispiel: Ich liebe Coldplay. Ich liebe ihre weltumarmenden Melodien, ihre Melancholie und ihren Optimismus, der den Nihilisten da draußen immer viel zu naiv vorkommt. Und ich bin mir sicher: Ein Konzertabend mit Coldplay versorgt dich in seiner konfettihaften Feierlichkeit mit einem Vorrat an Endorphinen, der für eine ganze dunkle Jahreszeit reicht.

500.000 Likes für eine Plattenankündigung

Nun bin ich mit meiner Liebe, rein statistisch gesehen, alles andere als allein: Die Band füllt Fußballstadien auf allen fünf Kontinenten und die vier Mitglieder sind zigfache Plattenmillionäre. Mit der schnöden Ankündigung, Ende November ein neues Album namens "Everyday Life" zu veröffentlichen, haben sie binnen kurzer Zeit über 500.000 Likes bei Instagram gesammelt.

Aber Statistiken spielen im Rock'n'Roll keine Rolle, und die gefühlte Wahrheit ist eben auch: Kaum eine Band wird so gerne gehasst. Und wenn jemand so stark über das Fühlen kommt wie Chris Martin und Kollegen, dann fühlt sich die gefühlte Wahrheit eben verdammt echt an. Coldplay gelten als zu weich und zu weinerlich, und wann immer ich ihren Namen in einer Aufzählung meiner Lieblingsmusiker droppe, ohne mir dabei verschämt kichernd die Hand vor den Mund zu halten, werde ich angeglotzt wie ein Typ mit perverser Neigung.

Seit knapp 20 Jahren muss ich diese Neigung nun schon gegen die Hasser verteidigen. Wobei das auch nicht ganz korrekt ist, denn in ihren Anfangstagen wurden Coldplay noch von allen gefeiert: von Indie-Nerds, von Metalheads, von Boygroup-Mädchen. "Leise ist das neue Laut" wurde damals allen Ernstes zum Pop-Motto erklärt, und die Plattenfirmen warfen mit Bands wie Travis, Starsailor oder Keane über einen Zeitraum von wenigen Jahren immer neue Breitband-Melancholiker auf den Markt.

Aber auf dieser Welt herrscht nun mal selten über einen längeren Zeitraum Frieden und Harmonie, weil der Mensch ganz offensichtlich nicht so gestrickt ist, und deshalb war es mit diesem Trend schnell wieder vorbei. Mitte der Nullerjahre blieben von all den weichspülenden Chartstürmern nur noch Coldplay übrig, und bei ihnen wurde alles immer größer: Ihr drittes Album "X & Y" war 2005 die meistverkaufte Platte des Jahres, Chris Martin war inzwischen mit Gwyneth Paltrow zusammen und befand sich mitten in seiner Metamorphose vom schüchternen Sängerjungen zur hibbeligen Rampensau – und Coldplay waren plötzlich Mitbewerber um den Posten der größten Band der Welt.

Seitdem steht es wie selbstverständlich im Hipster-Knigge geschrieben, dass diese Band aber mal so richtig schlimm zu finden ist. Die "New York Times" gab mit dem legendären Verriss "The Case Against Coldplay" die Richtung vor. Und weil heutzutage schon ein paar aneinandergereihte Kraftausdrücke reichen, um kräftig Klicks zu sammeln, wurde später sogar eine reichlich stumpfe Schmähkritik zum Album "Ghost Stories" rund um die Netzwelt übertrieben abgekultet.

"Schlechtestes Album, schlechteste Band"

Dabei ist die Wahrheit eine andere – und ich behaupte ohne falsche Bescheidenheit, dass ich sie vor den meisten meiner ignoranten Freunde und Bekannten herausgefunden habe: Am Ende kann keiner von uns der Coldplay'schen Schönheit widerstehen, denn sie ist einfach zu stark und wir sind auch nur Menschen.

Klar, Coldplay sind nicht besonders cool, waren sie noch nie, und Liam Gallagher hatte seinerzeit einen Punkt, als er meinte, dass Chris Martin aussehen würde wie ein Erdkundelehrer. Aber es gibt auch keine andere Band, die gegen die ganze Falschheit und Beschissenheit der Dinge so unverdrossen lebensbejahende Soundwände errichtet, keine andere Band, die selbst in ihren todtraurigsten Momenten noch einen Funken Euphorie zündet. Und wann, wenn nicht in diesen zynischen Zeiten, waren wir jemals dringender auf diese Gabe angewiesen?

Im Februar 2016 wurde der Band im Rahmen einer Preisverleihung der britischen Musikbibel "NME" in London der sogenannte "Godlike Genius Award" überreicht. Und selbst für eine Band, die in zwei Karrierejahrzehnten alles erlebt und erreicht hat, die in Glastonbury und beim Super Bowl spielen durfte, hätte kein Abend die Hassliebe der Menschen zu diesen vier Männern und ihrer Musik symbolträchtiger zusammenfassen können.

Denn für viele Fans und Kritiker war dieser Lebenswerk-Preis für – ausgerechnet! – Coldplay bloß der Beweis, dass die ewigen Musikmeinungsmacher des "NME" endgültig ihr Mojo verloren hatten. Chris Martin war sich dessen bewusst und zählte in seiner Dankesrede alle Preise auf, die er und seine Band im Laufe der Jahre jemals von dem Magazin überreicht bekommen hatten: "Bestes Album, beste Newcomer-Band, und dann, ab Mitte der 2000er: schlechtestes Album, schlechteste Band, Schurken des Jahres, Menschen mit den schlimmsten Frisuren in Großbritannien, Band, der du am liebsten eine reinhauen willst ... für uns ist das ein guter, alter Kreislauf." 

Bis dahin war es einer dieser typischen, so seelen- wie ereignislosen Award-Abende, an denen sich die Szene an sich selbst besäuft – aber dann, nachdem sie ihren Preis in Empfang genommen hatten, spielten Coldplay einfach Musik für die vollgepackte Brixton Academy, die fast ausschließlich aus übercoolen Musikerkollegen und nicht zu beeindruckenden Branchentypen bestand, und schon nach den ersten Klängen von "Viva La Vida" hatten sie alle den Arm um die Nebenfrau oder den Nebenmann gelegt und grölten mit, so laut, wie sie nur konnten. Sie wurden einfach überwältigt von dieser schlichten, aber nie dummen Catchiness, die nur Coldplay kann.

"Der hier heißt 'Fix you', er ist von Coldplay"

Coldplay spielten sechs hemmungslos-umjubelte Stücke an jenem Abend, und vor dem letzten sagte Chris Martin in seiner stets übertriebenen Höflichkeit: "Einen Song noch, dann lassen wir euch gehen." Aber gehen wollte in diesem Moment längst niemand mehr im Saal, und dann sagte Martin: "Der hier heißt 'Fix You', er ist von Coldplay."

Der ultimative Tränentreiber also, der fast sakral daherkommt und in den damals elf Jahren seiner Existenz schon unzählige Male in Krankenhaus-Serien als Soundtrack für den dramatischen Moment kurz vor Ende der Episode missbraucht worden war, ein Hit, wie er totgedudelter und abgedroschener eigentlich nicht sein könnte – eben dieser Song wurde von all den heftigen Bescheidwissern im Publikum gefeiert, als hätten sie ihn gerade zum ersten Mal in ihrem Leben gehört, mit dem Unterschied, dass sie natürlich Wort für Wort mitsingen konnten.

Kein Moment könnte Triumph und Tragödie dieser unterschätzen Band besser beschreiben. Wenn alle Hoffnung verloren scheint, "when you try your best but you don't succeed": Am Ende gewinnt immer die Musik. Am Ende gewinnen immer Coldplay.

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Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.