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Neue Single "Mathematik": Rammstein meets Haftbefehl: Chabos wissen, dass Till Lindemann ein Babo-Provokateur ist

Völlig unerwartet hat Rammstein-Frontmann Till Lindemann am Mittwoch zusammen mit dem Rapper Haftbefehl den Song "Mathematik" veröffentlicht. Seine Fans sind empört – und das ist gut für den Musiker.

Rammstein meets Haftbefehl: Lindemann provoziert mit neuem Song

Am Mittwoch haben Rammstein-Frontmann Till Lindemann (l.) und Haftbefehl zusammen den Song "Mathematik" veröffentlicht

Picture Alliance

Till Lindemann, der Frontmann von Rammstein, lehnt rauchend an einer Laterne in einer kleinen ranzigen Nebenstraße. Er trägt ein blau-weißes Cheerleader-Ouftit mit rot lackierten Fingernägeln, als ein weißer Kombi mit Berliner Kennzeichen vorbeifährt, ruckartig bremst, zurücksetzt und das Fenster herunterkurbelt. Es dauert  einen kurzen Moment, bis man erkennen kann, wer hinterm Steuern sitzt. Es ist wieder Lindemann.

Dieses Mal trägt er eine schwarze Sonnenbrille und ein schwarze Adidas-Jacke mit weißen Streifen. Während er sein Crossdresser-Ich mit den Worten "Ja, hallo schönes Fräulein" begrüßt, setzt er seine Brille ab und betrachtet sich, wie ein notgeiler Mann, der eine attraktive Frau mit seinen Blicken ausziehen will. "Wie heißt du?", will er von sich wissen. "Algebra", antwortet der Lindemann im Cheerleader-Ouftit. Daraufhin fragt der Lindemann in der Adidas-Jacke: "Willst du nicht einsteigen? Ja, komm!" In diesem Moment setzt ein Beat ein und Lindemann schreit in die Kamera: "fick, fick, fick". Es ist der Anfang des neuen Videos "Mathematik" von Lindemanns Alternative-Metal-Projekt Lindemann.

Rammstein-Frontmann Lindemann und Haftbefehl hassen Mathe

Völlig überraschend veröffentlichte die deutsch-schwedische Zweimann-Band am Mittwoch den Song zusammen mit dem Rapper Haftbefehl. Wie der Titel schon verrät, geht es um Mathe – genauer gesagt: Es geht um ihre vermeintliche Nutzlosigkeit: " Fick, fick, fick Mathematik / Fick, fick, fick, fick sie richtig / Fick, fick, fick Mathematik / Algebra ist gar nicht wichtig", singt Lindemann im Refrain. Haftbefehl gibt dem Rammstein-Sänger Recht und meint: "Was für Algebra, Bitch? / Ich kenn' nur Straßen-Mathematik / Rechnen lernt' ich durch Hasch und Gras ticken / Ich leg's auf die Waage und du bezahlst mich".

In einer Bridge heißt dann noch: "Eins plus eins ist zwei, zwei plus zwei ist vier /Mehr muss ich nicht wissen, ja, das reicht mir". Und: " Und es gibt so viel Besserwisser, die alles besser wissen / Diese Besserwisser, die sollen sich verpissen." Wie soll man das verstehen? Glaubt Lindemann wirklich, dass Mathematik nutzlos ist? Und Leute, die Mathe können, Besserwisser sind? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Wahrscheinlich will er aber nur provozieren.

Kommt bald ein neues Lindemann-Album?

Schon seit September will die "Bild" wissen, dass im Frühjahr 2019 das zweite Lindemann-Album erscheinen soll. "Mathematik" wäre somit die erste Single daraus. Und natürlich ist es das Ziel eines jeden Künstlers, dass sich die Kunst auch verkauft. Wie sagte stern-Gründer Henri Nannen einst? "Du musst die Kirche voll haben, wenn du predigen willst." Genau das will Lindemann und er bedient sich dabei dem Stilmittel der Provokation.

 Etwa wenn er – wie am Ende des Videos – Sex mit sich selbst hat. Etwa wenn er einen Song mit Haftbefehl macht, den viele Rammstein-Hörer vermutlich nie hören oder sogar hassen. Etwa wenn er sagt, dass sich Besserwisser verpissen sollen. Etwa wenn sich halbnackte Männer, allesamt Marke Euro-Paletten, in neongrüne Latzhosen in einer Art Fightclub gegenüberstehen und am Ende aufeinander losgehen.

Wer die Kommentare in den sozialen Netzwerken und Kritiken der Medien sieht, erkennt schnell: Till Lindemanns Plan geht voll und ganz auf. Zwar sind viele Fans entsetzt. "Das ist der schlechteste Song von Herrn Lindemann, der jemals veröfftentlicht wurde", schreibt ein Nutzer bei Facebook. Trotzdem ist der Rammstein-Frontmann DAS Gesprächsthema  im Netz. Das Video ist bei Youtube seit Stunden weit vorne in den Trends – und wurde fast schon eine Million Mal in weniger als 24 Stunden aufgerufen. Deshalb lässt sich mit Haftbefehls Worten abschließend nur sagen: Chabos wissen, dass Till Lindemann ein Babo-Provokateur ist.

Alanis Morissette

Quellen: Bild / Genius / Youtube / Facebook

Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?