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#Susamam: "Die Leute haben die Schnauze voll": Rap-Video sorgt in der Türkei für Aufsehen

18 Musiker haben sich zusammengeschlossen, um in einem Song Kritik an Missständen in der Türkei zu üben. Vielen Türken spricht der Text aus der Seele.

Ein Rap-Video mit dem Titel "Ich kann nicht schweigen" hat in der Türkei für großes Aufsehen gesorgt. Rund 17 Millionen Nutzer riefen den Song innerhalb von fünf Tagen auf der Plattform Youtube auf. "Das ganze Projekt hat sich zu einem Sprachrohr für die Menschen im Land entwickelt. Die Leute haben die Schnauze voll", sagte der in Berlin geborene Rapper Fuat Ergin, 46, – der an dem Projekt beteiligt war – der Deutschen Presse-Agentur. Regierungsnahe Medien kritisierten das Video scharf. 

Der 15-minütige Song "Susamam" war erstmals vergangene Woche veröffentlicht worden. 18 Musiker um den Rapper Saniser singen über verschiedene Themen. Es geht um Morde an Frauen, Umweltzerstörung, aber auch um Missstände in der Politik.

Türkei: 18 Musiker üben in einem Song Kritik

Das Video wurde zur Sensation, denn in der türkischen Gesellschaft trauen sich aus Angst vor Strafverfolgung nur noch wenige, Missstände anzuprangern. Zeilen wie: "Wenn sie dich eines Nachts zu Unrecht holen, dann kannst du noch nicht mal einen Journalisten finden, der darüber schreibt. Sie sitzen alle im Knast!", wurden in den sozialen Medien vielfach geteilt. Die Musiker sehen aber auch die Türken selbst in der Verantwortung. Saniser rappt an einer Stelle: "Du hast deine Stimme nicht erhoben, also bist du schuld!"

Direkten Bezug auf die Regierung nehmen die Musiker nicht. Die regierungsnahe Zeitung "Yeni Safak" griff sie am Wochenende dennoch an und bezeichnete das Video der "sogenannten Künstler" als "Gemeinschaftsproduktion" der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und der Gülen-Bewegung, die beide als Terrororganisation eingestuft sind. 

Ziel sei nicht gewesen, die Regierung zu kritisieren, sondern vielmehr das Bewusstsein für "Brennpunkte" in der türkischen Gesellschaft und auf der Welt zu schärfen, sagte Fuat Ergin. "Die Themen, die wir angesprochen haben, sind global." Die Menschen in der Türkei hätten lange geschwiegen.

epp / DPA