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Abtreibungsdebatte: Gucci setzt Pro-Choice-Statement mit neuer Kollektion

Ein Uterus auf einem Gucci-Kleid: Ein Luxus-Designer setzt ein Zeichen für die Selbstbestimmung der Frau. Und sorgt auch mit der Location für Aufsehen.

"My Body My Choice", der ikonische Slogan aus den 70ern, steht in goldenen, großen Lettern auf einem schicken lila Blazer. Aber das ist kein selbstgebasteltes Outfit einer Anti-Abtreibungs-Aktivistin, nein, was wir hier sehen ist die Cruise Collection von Gucci. 

"Dieses Stück spiegelt die andauernde Vision des Creative Directors von Freiheit, Gleichheit und Selbstdarstellung wider. Seit der Gründung von 'Chime For Change' im Jahr 2013 - der globalen Kampagne, die sich für die Gleichstellung der Geschlechter einsetzt - engagiert sich Gucci seit langem für Frauen und Mädchen, indem Projekte auf der ganzen Welt finanziert werden, die sexuelle und reproduktive Rechte, die Gesundheit von Müttern und Wahlfreiheit fördern", steht unter dem Post geschrieben.

Viva la Vulva

Tatsächlich setzt sich Designer Alessandro Michele schon lange für Gleichberechtigung ein und prägte den Begriff "unisex" auf Designerebene neu. Männer in Hotpants und femininen Blusen – darin sieht der Luxusmodemacher kein Problem. Doch so politisch hat sich Gucci noch nie geäußert.

Auf einem anderen Teil steht, etwas subtiler, nur ein Datum: 22.05.1978, der Tag, an dem Abtreibung in Italien legalisiert wurde. Einer der Höhepunkte war aber ein goldenes Abendkleid, bestickt mit glitzernden Pailletten in Form eines Uterus samt Eierstöcken – wunderschön. Angeblich sei dieses Stück erst kurz vor der Show entstanden, "in Anbetracht kürzlich geschehener Ereignisse", sagte Designer Alessandro Michele in der Pressekonferenz nach der Show. Damit meint er wohl das kürzlich beschlossene Abtreibungsverbot in Alabama.  

Das vielleicht Aufsehenerregendste der Show war jedoch die Location: Der Vatikan – und das, obwohl der Papst erst letzte Woche sagte: "Abtreibung ist nie die Antwort". Da hat jemand ganz schön Eier(stöcke) in der Hose.

Stand in Deutschland

Ob Paragraph 219a oder die neusten Entwicklungen zu Abtreibungsgesetzen in den USA: Immer wieder kocht das Thema rund um Schwangerschaftsabbrüche hoch. Wir sind noch weit entfernt von der sexuellen Selbstbestimmung der Frau. Auch in Deutschland ist eine Abtreibung generell verboten, es sei denn diese drei Voraussetzungen sind erfüllt:

  • Drei Tage vor dem Schwangerschaftsabbruch war die Schwangere bei einer staatlich anerkannten Beratungsstelle
  • Die Abtreibung wird von einem Arzt durchgeführt, dieser darf die vorherige Beratung nicht durchgeführt haben
  • Die 12. Schwangerschaftswoche ist noch nicht beendet

Wenn sogar große Luxusmodelabels sich dem Thema widmen, ist wohl die Zeit vorbei, in der Marken sich nicht politisch positionieren.

ivy