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Interview

Nachhaltige Mode: Geht Fair Fashion auch mit wenig Geld?

Nachhaltig produzierte Mode ist immer mehr auf dem Vormarsch. Wir haben Modedesignerin Magdalena Schafferin gefragt, ob wir uns die Kleidung dann überhaupt noch leisten können. Ihre Antwort: "Ja, wenn man Lieblingsteile kauft."

Von Lesley Sevriens

Kleider an Kleiderstange in Wald

Immer mehr Firmen setzten auf Nachhaltigkeit in der Mode – aber können wir uns unsere Kleidung dann noch leisten? (Symbolbild)

Getty Images

Magdalena Schafferin ist Modedesignerin, Gründerin der grünen Luxusmodemesse Greenshowroom und Creative Director der Ethical Fashion Show Berlin. Zudem ist sie Koautorin des Buches "Fashion Made Fair". Hier im Interview erklärt sie uns, was es mit Fair Fashion auf sich hat und wie wir auch mit wenig Geld nachhaltige Mode tragen können.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Upcycling, Slow, Fair und Eco Fashion?

Mit Eco, Fair und Slow Fashion ist grundsätzlich Mode gemeint, die unter ethischen Gesichtspunkten hergestellt wurde. Slow Fashion richtet sich gegen den Trend zu immer schneller wechselnden Kollektionen und unserer Wegwerfkultur. Fair Fashion zielt auf die fairen Arbeits- und Produktionsbedingungen ab. Das beinhaltet auch die Rohstoffe und die ganze Herstellungskette. Bei Eco Fashion liegt der Fokus auf umweltfreundlicher Produktion. Upcycling Fashion wiederum bezeichnet ganz konkret Mode, die aus Materialien hergestellt wird, die normalerweise im Müll landen würden.

Inzwischen gibt es so viele Siegel und Zertifikate, dass sie eher verunsichern als eine Orientierung bieten. Wo kann man sich am besten über faire Mode informieren?

Die Seiten label-online.de, getchanged.de und gruenemode.de sind super Plattformen, auf denen man Listen von vertrauenswürdigen grünen Shops und Labels findet.

Ist der Großteil der Konsumenten in den vergangen zehn Jahren eher Konsumbewusster oder geringer geworden?

Wir sind viel gieriger geworden. Leider. Das belegen zahlreiche Studien und vor allem die Umsatzzahlen in der Textilbranche, die in den vergangenen Jahren massiv gestiegen sind. Wir kaufen deutlich mehr als noch vor zehn Jahren und tragen die Kleidung weniger lang. Das ist natürlich genau die falsche Entwicklung.

Ist nachhaltige Mode immer viel teurer als herkömmliche?

Vom Prinzip her muss sie natürlich teurer sein, da entlang der Lieferkette faire Löhne gezahlt werden. Ökologische Mode muss aber nicht extrem teurer sein.

Was kann ich tun, wenn ich wenig Geld habe, aber Wert auf nachhaltige Textilien lege?

Weniger und dafür besser konsumieren. Lieblingsteile kaufen und für diese mehr Geld ausgeben, dafür hat man dann auch länger was davon. Die Kleidung besser pflegen. Und natürlich auch Secondhand kaufen oder Kleidung mit Freunden tauschen eine günstige Alternative zu Neukäufen.

Ist es gut oder schlecht, wenn große Konzerne nachhaltige Kollektionen rausbringen?

Ich finde ja: Jeder Schritt in die richtige Richtung ist ein guter Schritt. Wenn ein großer Konzern wie H&M Produkte aus Biobaumwolle ins Sortiment nimmt, dann hat das einen viel größeren Einfluß auf viel mehr Biobaumwollbauern in Indien oder in der Türkei, als wenn das ein kleines Label tut. Insofern ist es wichtig, die Großen mitzunehmen, damit man eben auch die Masse erreicht.

Dieser Artikel ist erstmals in der NEON Ausgabe 02/2017 erschienen.

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