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Chemie in Textilien: Warum schwarze Kleidung die giftigste von allen ist

In den 80er Jahren strich ein nachhaltiger Textilkonzern die Farbe Schwarz aus seiner Produktion. Schon damals galt sie als giftigste Textilfarbe mit immensen Auswirkungen auf unsere Umwelt – und das ist sie bis heute. Umso erstaunlicher, dass immer noch niemand davon weiß.

Chemie in Textilien: Warum schwarze Kleidung die giftigste von allen ist

Schwarze Kleidung ist kühl, zeitlos, souverän - und extrem umweltschädlich

Getty Images

Es war eine konsequente und mutige Entscheidung, als der Textilhersteller Hess Natur in den 80er Jahren beschloss, schwarze Textilien zumindest für eine Zeit aus seinen Kollektionen zu verbannen. Damit reagierten die hessischen Unternehmer auf die für sie unvertretbare Menge giftiger Farbstoffe, die beim "Schwarzfärben" der Textilien genutzt wurden und im Verdacht standen, Krebs zu fördern.

Erst vor vier Jahren entdeckten Greenpeace-Forscher im Meer vor der Ostküste Chinas ein riesiges schwarzes Areal, so groß wie fünfzig olympische Schwimmbecken. Als Ursache machten sie bald ein Industriegebiet in der Nähe der chinesischen Stadt Shishi aus, in dem seit Jahren giftige Abwasser aus der dort ansässigen Textilproduktion ins Meer geleitet werden. Obwohl seit den 80er Jahren viele neue, ungiftige Farbstoffe entwickelt wurden, bleibt ein grundlegendes Problem bestehen. Die Kleidung, die in Asien günstig produziert und in Europa massenhaft konsumiert wird, verschmutzt unsere Meere und unseren Organismen - allen voran die dunkelste von ihnen. 

Wie kommt das schwarz in unsere Kleidung?

Baumwoll- oder Synthetikfasern sind im unbehandelten Zustand hellgrau und nehmen nur wenig Farbe auf. Um die für schwarz nötige Farbtiefe zu erreichen, werden verschiedene Farbpigmente wie Blau, Gelb und Orange miteinander vermischt. Dabei werden deutlich mehr gefährliche Chemikalien nötig, als bei helleren Textilien. Hinzu kommt, dass der Stoff diese Farbmischung erst einmal aufnehmen muss, was Baumwoll- und Synthetikfasern nicht ohne weiteres können. Dafür werden Halogenverbindungen oder Schwermetalle wie Blei hinzugefügt, die Farbpigmente in den Fasern binden. Grundlegend werden also auch bei anderen Farben Chemikalien verwendet, nur in deutlich geringeren Mengen. 

Wenn wir schwitzen oder Kleidung auf der Haut reibt, lösen sich Schadstoffe und können zu Hautreizungen führen, in einigen Fällen reichern sie sich sogar im Körper an. Wie Greenpeace berichtet, sind derlei Giftstoffe immer häufiger in Tieren und Menschen nachgewiesen worden. Was sie langfristig in unserem Körper anrichten, wird man erst in einigen Jahren abschätzen können. Was man allerdings heute schon sagen kann: Ihr Schaden auf die Umwelt ist beträchtlich. Die laschen Gesetze und Kontrollen in Asien machen es den Textilfabriken leicht, ihre Abwässer ungeklärt in die Flüsse und schließlich ins Meer zu leiten. Von 435 registrierten Abfluss-Stationen in China hielten sich 2012 zwei Drittel nicht an Umweltstandards, schreiben Greenpeace-Aktivisten. Über zwei Drittel der chinesischen Flüsse und Seen gelten als verschmutzt, 320 Millionen Menschen haben alleine in China keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. In Indonesien wurden kürzlich gefährliche und hormonell wirksame Chemikalien in der örtlichen Wasserversorgung nachgewiesen.

Wie kann ich es besser machen?

90 Prozent der Kleidung die wir tragen, wird in Asien produziert, insbesondere in China, Bangladesh und Indien. Dabei profitiert die Textilindustrie von den mangelhaften Umweltschutzauflagen ihrer Produktionsländer und kann unsere Shirts, Hosen und Co. für wenig Geld in den Verkauf bringen. Wir sind Teil einer den Globus umspannenden Verschmutzungskette, die uns am Ende selbst zum Verhängnis wird. Aber es gibt auch Lösungen.

Schwarz als Textilfarbe herzustellen, muss keinen riesigen ökologischen Fußabdruck hinterlassen. Die gängigen Öko-Mode-Zertifizierungen (Öko-Tex Standard 100, GOTS, IVN, Bluesign) garantieren, dass möglichst wenige bedenkliche Chemikalien eingesetzt werden, achten auf eine möglichst umweltfreundliche Produktion und stellen zudem sicher, dass soziale Mindeststandards eingehalten werden. Eine gute Idee ist es auch, auf Second Hand Kleidung zurück zu greifen, bei der sich bedenkliche Stoffe meist schon ausgewaschen haben. Das ist nicht nur für unseren Körper besser, sondern schont auch unser Grundwasser, das sonst durch Chemikalien belastet wird, die sich beim Waschen freisetzen. 

Quellen: Greenpeace (Deutschland), Greenpeace (Ost Asien), Umweltbundesamt

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