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"Beauty-ICE": Die Bahn kooperiert mit Douglas – und will jetzt Menschen in Zügen schminken

Zwei Konzerne mit angekratztem Image tun sich für eine glamouröse PR-Aktion zusammen. Dass das Projekt "Beauty-ICE" mehr als ein Werbe-Gag ist, ist zu bezweifeln. Und dass diese Idee den Kunden bisher gefehlt hat, auch.

Eine Frau lässt sich im ICE von einer Douglas-Kosmetikerin schminken

"Ein bisschen Rouge ist okay, aber die Augen darf ich Ihnen nicht schminken." So soll es im Beauty-ICE ablaufen.

Wer nach einer langen Fahrt im ICE direkt zu einem wichtigen Termin muss, hat in der Tat ein Problem. Nicht nur, dass man vielleicht etwas verschwitzt und zerrupft aussieht, weil man mit dem schweren Koffer in der Hand die letzten Meter übers Gleis sprinten musste und das schwere Ding irgendwie in die zu kleine Gepäckablage wuchten durfte. Das lässt sich ja beheben. Nein, das echte Problem ist der Zug-Mief.

Dieser Mix aus Leberwurstbrot und kaltem Kaffee, aus Axe-Deo und leisen Fürzen, aus menschlichen Ausdünstungen und weggeatmeter Luft. Der bleibt haften und geht erst nach einer Dusche und einem kompletten Klamottenwechsel weg. Das einzige, was noch schlimmer riecht, ist womöglich eine Douglas-Filiale. Logisch also, dass die Deutsche Bahn und die Parfümerie-Kette jetzt mit einer tolle Idee zusammenfanden.

Eigentlich ist die Kooperation total logisch

"Beauty-ICE" heißt das bahnbrechende (haha) neue Projekt. Und es ist genau das, wonach es klingt: In einem Bereich des Zuges können sich Passagiere demnächst Schönheitsbehandlungen unterziehen. Bisher nur auf wenigen, ausgesuchten Strecken und kostenlos. Was nett, aber unsinnig klingt ist nett, aber unsinnig. Was sofort jedem klar werden sollte, wenn man hört, dass die Douglas-Mitarbeiter im Beauty-Express niemandem die Augen schminken dürfen. Wegen der Verletzungsgefahr beim Rumpeln, Holpern und plötzlichen Bremsen des Zugs.

„Entspannt reisen und schöner ankommen", werben die Bahn und der Kosmetikkonzern. Schön, okay – mit Foundation, Lipgloss und Bronzer on fleek, aber Wimperntusche und Kajal muss man sich wie gewohnt auf der schwankenden, uringetränkten Zugtoilette selber nachziehen.

Das Projekt ist für beide Konzerne der Versuch, das angekratzte Image zu polieren. Die Bahn bekommt es bekanntlich seit Jahren trotz der stets wiedergekäuten deutschen Tugenden – Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, hochwertige Technik, bla – nicht hin, pünktlich und zuverlässig zu sein oder hochwertige Technik zum Einsatz zu bringen. Von Service oder brauchbarem W-Lan ganz zu schweigen.

Und Douglas hat das Kunststück fertig gebracht, trotz des seit Jahren anhaltenden Beauty-Booms und einer jungen Generation, die sich voller Enthusiasmus stundenlang Schminkvideos auf Youtube zu Gemüte führt, kein Kapital aus dieser Entwicklung zu schlagen. Weil sie mindestens fünf Jahre zu lange die Rufe der Menschen, die wahlweise deutlich hellere oder deutlich dunklere Foundations forderten, ignorierten und stattdessen allen ein sattes Terracotta verordneten. Damit wir alle "gesund und sonnengeküsst" aussehen, ne.

Beide Konzerne haben die Zeit verpennt

Dass die Aktion "Beauty-ICE" länger halten wird als die paar bisher geplanten Testläufe (putzigerweise vor allem in den Zügen zu und von Musikfestivals ...) wagen wir zu bezweifeln. Wie soll das auch im real life funktionieren?

Stelle man sich den üblichen, vollgestopften Durchschnitts-ICE vor. Wir haben mit Mühe noch eine Reservierung für einen Gangplatz im Großraumabteil erwischt und nach dem Einsteigen trotz der spontan umgekehrten Wagenreihung sogar gefunden. In den Bereichen zwischen den Waggons stapeln sich Menschen und deren Gepäck. Und jetzt denken wir uns: Geil, gehe ich mal ins Schmink-Abteil, damit mich jemand orange einpudert – und lasse dafür mein Gepäck unbeaufsichtigt zurück und gebe meinen Platz, auf dem ich eigentlich später noch drei bis fünf Stunden sitzen möchte, frei?

Nein, liebe Bahn. Einfach nur nein.

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Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
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