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"Villa Peng" in Brandenburg: Großstadtleben oder Landidylle? Diese Mode-Bloggerin hat den Neustart gewagt

Hecken schneiden statt Lidschatten testen: Die Berliner Bloggerin und Autorin Alexa von Heyden ist mit ihrer Familie von Berlin nach Brandenburg gezogen. Mit NEON sprach sie über den Kulturschock und die Renovierung ihrer Traumvilla am See.

Renovierung der "Villa Peng": So sah es auf der Baustelle aus

Alexa von Heyden hatte in Berlin alles: die hippe Wohnung, den Mann fürs Leben, gleich mehrere Traumjobs. Und trotzdem fehlte ihr etwas. Etwas, das es in der Großstadt einfach nicht gab. "Wir hatten jedes Wochenende diese diffuse Sehnsucht, rauszugehen. Nach Natur und Erholung. Aber nach zwei Runden Spaziergang im Kiez waren wir immer schnell frustriert", erzählt Alexa im Gespräch mit NEON. Als dann die gemeinsame Tochter unterwegs war, die im Mai 2017 geboren wurde, stand der Entschluss fest: Alexa und ihr Mann Florian wollen aufs Land ziehen.

Jetzt lackiert die Mode-Bloggerin und Schrifstellerin Haustüren und Dielenböden statt Fingernägel - denn das mit dem Landleben hat schneller geklappt als gedacht. "Es war absoluter Zufall, wir haben nicht monatelang gesucht, wie es sonst üblich ist. Dieses Haus kam einfach zum richtigen Zeitpunkt zu uns", sagt die 39-Jährige über ihren Glücksgriff. Im Heimatort ihres Mannes entdeckten die Schwiegereltern eine verwunschene Villa aus dem Jahr 1910, die zum Verkauf stand. Und ja, das Prachtstück ist so toll, wie es sich anhört: 250 Quadratmeter auf zwei Etagen mit großem Garten und mit Blick auf den See in Wusterwitz in Brandenburg. Das Interesse war groß, doch leicht war es nicht: Nach mehreren Castings mit den Besitzern, einem geplatzten Kredit und viel Hin- und Her ergatterten Alexa und Florian das Haus schließlich doch für 250.000 Euro.


"Ich war am Anfang der Depp auf der Baustelle"

"Villa Peng" nennt Alexa das neue Zuhause liebevoll in Anlehnung an ihren Modeblog "Alexa Peng". Seit August 2017 entkernen und renovieren die "Pengs" jetzt das alte Gebäude - meist in Eigenregie. "Alles, wofür man keinen Bagger und keinen Kran braucht, versuchen wir selber zu machen", erzählt Alexa, die einen Elektriker zum Schwiegervater hat. "Ohne den Vater würde es nicht funktionieren. Das ist ein riesiges Glück, dadurch haben wir zehntausende Euro gespart." Seit Oktober haben sie fast jedes Wochenende auf der Baustelle verbracht, sind dort auf Knien durch Schutt gerobbt, um ihren Traum vom Landleben zu verwirklichen. "Ich war am Anfang der Depp der Baustelle - jetzt kann ich jede Maschine bedienen, die du im Baumarkt siehst", erzählt Alexa stolz.

Im Video seht ihr, wie die Renovierung lief:

Renovierung der "Villa Peng": So sah es auf der Baustelle aus


Vermisst sie die Großstadt und ihr hippes Umfeld von früher gar nicht? "Ich dachte vorher: Scheiße, hier gibt’s nichts, ich kann nie wieder Sushi essen oder Yoga machen! Aber ich vermisse nichts, das sind Dinge, an die ich mich gewöhnt hatte, die ich aber nicht brauche." Tatsächlich läuft es auf dem Land bisher genau so idyllisch, wie man sich das vorstellt. "In Berlin geht man aneinander vorbei und hier wollen die Leute auf der Straße wissen, wo wir herkommen,und erzählen von ihrem Tag. Das inspiriert mich. Ich komme nach Hause und bin total selig, weil ich mit jemandem gesprochen und nicht nur ein Herzchen bei Instagram hinterlassen habe", beschreibt Alexa ihren neuen Alltag. Dinge wie Hecken schneiden, die früher in ihrem Leben überhaupt nicht stattfanden, seien wie eine Art Therapie für sie.

"Ich wäre nicht einfach irgendwo in ein Neubaugebiet am Arsch der Heide gezogen"

Und Alexa hat es so geschafft, sich von der Oberflächlichkeit, die ihr in Berlin oft begegnet ist, freizumachen. "Man kommt hier von dieser Konsumgeilheit runter, die man in der Stadt braucht, um mitzuschwimmen. Hier geht es um reellere Themen. Ich will zwar auch nicht nur über Johannisbeermarmelade und die Vögel im Garten sprechen, aber ich werde hier toleranter und komme von meiner Arroganz weg, Leute wegen ihres Looks gleich auszusortieren. Das tut mir richtig gut," sagt sie.

Viele Freunde, die anfangs total entsetzt waren, seien jetzt begeistert. Schließlich ist Wusterwitz auch nur eine Stunde Zugfahrt von Berlin entfernt. "Ich wäre nicht irgendwo in ein Neubaugebiet am Arsch der Heide gezogen, nur, um auf dem Land zu leben", sagt Alexa. Ihr Mann kann so entspannt zur Arbeit in die Stadt pendeln, der Familienanschluss sei auch wichtig. Und schon jetzt kann sich Alexa eine Rückkehr nicht mehr vorstellen. "Hier ist es einfach so schön, jetzt wird es Frühling und ich guck morgens raus auf den See mit dem Sonnenaufgang, im Garten fangen die Bäume an zu blühen. Mir geht es hier viel, viel besser als in der Stadt."

Alexa von Heyden

Alexa, Florian und Tochter Pauline im Garten ihrer Villa in Wusterwitz