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Ehe für alle?: Schatz, sollten wir eigentlich heiraten? Wann der richtige Zeitpunkt ist

Ist die Ehe heute noch zeitgemäß? Brauchen wir einen Trauschein zum Glücklichsein? Unsere Autorin hat sich ein paar Gedanken über das Hoch auf die Liebe gemacht, damit ihr über das Für und Wider nochmal grübeln könnt.

Irgendwann kommt die Frage alle Fragen: Schatz, sollen wir heiraten? Über das Für und Wider der Ehe.

Irgendwann kommt die Frage alle Fragen: Schatz, sollen wir heiraten? Über das Für und Wider der Ehe.

Geht es euch auch so, dass in den ersten Jahren einer Beziehung gefühlt alles geklärt werden muss? Von "Wie magst du eigentlich deinen Kaffee?" über "Hast du irgendwelche Unverträglichkeiten?" bis hin zu "Welchen Ballast bringst du so aus vergangenen Beziehungen mit?" Wenn ihr all das in langen Gesprächen ausgetauscht habt und es dann immer noch passt, dann, ja dann ist sie irgendwann da, die große Frage: "Sag mal, willst du eigentlich heiraten?" Was antwortet man denn dann? Möglichst abgeklärt mit "Ja, eigentlich schon, aber es eilt jetzt auch nicht?", obwohl das vielleicht doch ein klitzekleines bisschen untertrieben ist?

Oder ganz begeistert à la: "Hast du mir gerade einen Antrag gemacht? Ich sage ja, ja, ja!" Wirkt direkt ein wenig verzweifelt, oder? Was ist, wenn ihr eigentlich gar nicht heiraten wollt? Oder ihr einfach total unsicher seid was die Zukunft so bringt. Ist es okay zu Hochzeiten keine formvollendete Meinung zu haben?

Ein bisschen schön darf es schon sein

Immerhin: Mit Mitte, Ende zwanzig häufen sich ja irgendwie die Hochzeitseinladungen. Spätestens ab Mitte Oktober geht es los, das große Einladen für den Wonnemonat Mai und die angrenzenden Tage. Nils heiratet, Nicky auch, und guck mal an, sogar die Isabell hat jemanden gefunden. Na, sticht es da ein wenig, bei jeder neuen Einladung? Oder überwiegt der Gedanke an: Juchhe, ein guter Grund für ein neues Kleid und ne fette Party im Vorfeld? Das ist ja schon ein kleiner Hinweis auf die eigene Haltung zu Hochzeiten.

Überhaupt, die Hochzeitsfeier. Da ist von romantisch-verkitscht bis schnarchig-langweilig ja alles dabei. Denn während Isa zur Strandhochzeit auf Ibiza einlädt (was das bitte kostet!), mieten Jens und Nicole die Turnhalle um die Ecke. Nein, man soll Hochzeiten nicht vergleichen und ja, am Ende zählt die Liebe, aber ein bisschen schön darf es schon sein, oder?

Hochzeitstanz nach Genickbruch


Sehen wir das Ganze positiv: Je mehr Einladungen ankommen, desto eher wisst ihr auch, was ihr (nicht) wollt. Ein Hochzeitskleid aus Tüll und Spitze, indem Alexandra wie ein Sahne-Baiser aussieht, ist vielleicht nicht so richtig für dich gemacht. Aber die Tischdeko bei Paul und Joris, diese kleinen Wiesensträuße mit dem Band aus Gräsern, die kommt auf die heimliche Hochzeitsliste. Und so kommt ihr mit jeder Hochzeitsfeier eurer eigenen Traumhochzeit vielleicht ein Stückchen näher. Also, was die Ausstattung angeht. Ob ihr das große Ding Hochzeit wirklich durchziehen wollt, steht vielleicht dann immer noch in den Sternen. 

Die Hassfrage: "Wann heiraten ihr endlich?"

Zur Hochzeitsfeier sein "Plus Eins", also den möglichen Ehepartner oder aktuellen Lebensabschnittsgefährten mitzubringen, kann auch fatal sein. Lässt man an diesem Abend die große Liebe raushängen - vielleicht auch ein bisschen befeuert durch das Honigkuchenpferdegrinselächeln des Brautpaares - kommt garantiert die Hassfrage Nummer eins: "Und, wann ist es bei euch soweit?" Was genau ist da die richtige Antwort? "Morgen!" oder "Nie!" oder "Geht dich gar nichts an"? Das wirkt schnell schroff. Aber es stimmt doch auch, es geht einfach niemanden was an, weder die frisch Vermählten noch die verschwippschwägerte Tante, die das nach dem dritten Hugo augenzwinkernd fragt. Und wenn ihr eh noch nicht so richtig wisst, ob ihr denn jetzt heiraten wollt, dann nervt diese Frage gewaltig.

Machen wir es doch ganz einfach, Pro-/Contralisten sind doch sowieso schwer angesagt. Was spricht denn eigentlich für das Heiraten, also abgesehen von der großen romantischen Geste, die aller Welt zeigt: Wir gehören zusammen! Heutzutage könnt ihr verheiratet sein und getrennt leben, einen gemeinsamen Namen tragen oder jeder behält seinen. Es gilt irgendwie das Prinzip "alles kann, nichts muss". Das bietet wahnsinnig viel Freiraum, eine Ehe und die Hochzeit so zu gestalten, wie es zu einem passt. Klingt doch gar nicht so schlecht oder? Aber irgendwie frage ich mich: Ist die große Geste noch nötig, wenn sie eigentlich genau dazu verkommt: zur Geste, zum reinen Symbol?

Heiraten: Perfektes Alter


Wer irgendwann eine Familie gründen will, erlebt in der Hochzeit eine echte Erleichterung. Statt sich mit Vaterschaftsanerkennungsformularen rumschlagen zu müssen, wird der Ehemann automatisch als Vater eingetragen. Nun ja, sagt ihr jetzt, aber ist das ein Vorteil, wenn man gar keine Kinder will? Auch noch so eine Entscheidung, die vielleicht auf einen anderen Tag verschoben werden sollte. 

Ehegattensplitting - das klingt furchtbar unsexy

Aber zurück zur Hochzeit. Macht ihr das jetzt oder nicht? Eheliche Absicherung wirkt auch irgendwie rückschrittig in Zeiten, in denen wir Frauen sehr gut für uns selbst sorgen können. Ehegattensplitting, noch so ein unsexy Wort, verhilft zu Steuererleichterungen. Aber uff, dafür extra heiraten?

Einen Punkt will ich gelten lassen, weil er viel Gewicht hat. Wer geheiratet hat, genießt fortan auch das eheliche Auskunftsrecht. Das bedeutet im Klartext für euch: Wenn eurem Partner etwas zustößt, seid ihr nicht auf den Goodwill der Familie angewiesen, sondern bekommt alle Auskünfte aus erster Hand. Das ist verbrieftes Recht und das haben wir alle doch schon hundertmal in irgendwelchen Arztserien gesehen.


Bleibt noch die Kostenfrage: So eine Trauung kann ganz schön ins Geld gehen. Die durchschnittliche Hochzeit kostet 6500 Euro. Für einen Tag! Wahnsinn! Wenn es doch nur um ein Fest für die Liebe geht, ohne Trauschein, ohne Kleid und Anzug, ohne Ringe, dann könntet ihr ja auch einfach so feiern. Im Sommer, jeder Gast steuert etwas zum Buffet bei und ihr genießt den Tag. Kann natürlich trotzdem mit der Frage enden: "Und, wann heiratet ihr endlich?"

Feiert eure Liebe - mit oder ohne Hochzeit

Was macht ihr dann? Nägeln mit Köpfen, eine Ehe mit Brief und Siegel? Immerhin klingt es irgendwie schöner zu sagen "mein Mann/meine Frau" anstatt "Freund/Freundin". Und auch gefühlsmäßig ändert sich ja eine Menge durch so eine Hochzeit.

Der Hochzeitstag ist ein Tag der Liebe, eine Feier aufs Leben und das Festhalten von flirrenden Gefühlen. Vielleicht sollten wir alle mutig sein und genau dazu "ja" sagen. Jeden Tag, ob mit Trauschein oder ohne. Hauptsache eure Liebe wird ein Fest!

Dana Wolley Zayat: Die Anfertigung dieses Brautkleides dauerte mehr als ein Jahr


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