HOME
Aus der Community

Selbstfindung: Du warst meine Droge: Ich will nicht mehr, dass die Liebe mich zu einer Abhängigen macht

Du warst meine Droge und ich war so high. Doch jetzt will ich mehr. Ich will keine zeitweiligen Trips. Ich will Zweisamkeit und etwas, das bleibt.

Von NEON-Community-Mitglied Johanna Nöllgen

Junge Frau schaut in die Ferne.

Manchmal muss man sich trennen, um Liebe zu finden - so geht es auch unserer Autorin. (Symbolbild)

Unsplash

Jeder von uns begegnet mindestens einmal in seinem Leben seinem persönlichen Kryptonitmenschen. Einem Menschen, den du, ganz egal was er auch tut, nicht mehr aus dem Kopf bekommst. Der dich immer wieder anzieht und bei dem du immer wieder landen wirst. Dieser Mensch kann dich kaputt machen, dich aufzehren, dir deine gesamte Energie und Freude rauben und trotzdem würdest du trotz aller Rationalität, gegen jeglichen Verstand, immer wieder zu diesem Menschen gehen. Dich verleiten lassen. Dich hinreißen lassen.

Du warst bei mir mein Kryptonitmensch. Vielleicht bist du es noch heute. Manchmal denke ich an dich, oft nicht. Trotzdem bist du irgendwie da. Hast dich irgendwie in mich gebrannt, wie ein Tattoo unter die Haut und wirst vielleicht nie wieder ganz weggehen. Verblassen wirst du, aber ein Stück von mir habe ich an dir, in dir verloren. Schlimm ist das nicht, denn ich bestehe aus so viel mehr Stücken als diesem einen. Du hast mir etwas genommen, doch gleichzeitig habe ich durch dich gelernt. Glaube ich zumindest. Du bist schließlich mein Kryptonitmensch. Vielleicht würde ich jeden einzelnen Fehler erneut begehen. Doch ich versuche mir einzureden, dass ich nun weiß, was ich will und was definitiv nicht. 

Du hast mich immer wieder fallen gelassen

Ich würde behaupten, dass ich all das, was mit dir verbunden war - eine Beziehung dieser Art, die gleichzeitig nie eine wirkliche Beziehung war - dass ich das auf diese Weise nie mehr ertragen möchte. Dass ich mir dafür zu schade bin, zu wertvoll. Gleichzeitig wollte ich dich so sehr. Ich wollte dich, obwohl du mich immer wieder hast fallen lassen. Das war so dein Schema, du hast mir in manchen Momenten das Gefühl gegeben alles zu sein, was du willst, wonach du dich sehnst. Dass das oft nur körperlich war, habe ich runtergeschluckt und irgendwie angenommen, ich bin voll und ganz drauf eingegangen. Ich wollte dich ja. So sehr.

In anderen Momenten, die mich hätten abschrecken sollen, hast du mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Du hast mich immer wieder auf Wolke 7 hochgetragen, um mich dann fallen zu lassen. Einfach so. Trotzdem habe ich die Wolken nie ganz verlassen. Jedes Mal, wenn ich dabei war über dich hinweg zu kommen, standest du auf einmal wieder da, wolltest mich. Das war doch das, worauf ich die ganze Zeit gewartet hatte. Wieso also hätte ich dir nicht noch eine Chance geben sollen? Und noch eine. Und noch eine. Ok, eine noch. Eine. 

Chancen sind dazu da, um sie zu nutzen. Getan hast du dies. Immer, hast dich voll ins Zeug gelegt. Für eine Weile zumindest. Dann verlor ich wieder den Boden unter den Füßen. Und nochmal. Irgendwann war da nicht mehr viel Boden, auf dem man hätte aufbauen können, doch ich fand immer einen Zentimeter, den ich ganz schnell zum Quadratmeter machte und in einem Quadratmeter findet sich doch zu zweit Platz, oder? Dass du dir nie wirklich einen Quadratmeter, nicht mal einen Quadratzentimeter mit mir teilen wolltest, habe ich nie gesehen, nie verstanden. Du wolltest mich, wenn dir danach war und das zu deinen Bedingungen. Ich könnte dich dafür anschreien und sagen warum hast du das mit mir gemacht? Aber viel mehr hätte ich jemand anderen anschreien sollen. Die Person im Spiegel, die versucht hat, für dich das beste Bild abzugeben.

Die Droge DU

Ich hätte auf die Freunde hören müssen, auf die Personen, denen wirklich immer etwas an mir und meinem Wohl lag, die mir gesagt haben, warum zur Hölle machst du das mit. Die versucht haben, mich wach zu rütteln, indem sie gesagt haben wenn du so weiter machst, verlierst du auf Dauer deine Freunde. Richtig wach geworden bin ich nie. Aber so halb aus meiner Trance erwacht, das bin ich. Habe die Droge DU kurz abgesetzt, um mal einen Blick in die Realität zu werfen um zu sehen, dass ich, wenn ich jetzt nicht gehe, mich selbst komplett verliere. Es tat weh. Es tat so weh zu gehen und von dir nicht einmal aufgehalten zu werden. Wie in dem herzzerreißendsten Drama des Jahrhunderts habe ich dir gesagt wenn du jetzt willst dass ich gehe, brauchst du nicht mehr anzukommen. Du hattest verstanden, ich ging.

Du kamst wieder an, als ich gerade dabei war, mich auf eine andere Person einzulassen. Als ich dachte, ich wäre runter von der Droge DU. So geigte ich dir richtig die Meinung. Mit bösen Worten. Du verstandest, du blockiertest mich. Herz blockiert übers Smartphone. Willkommen im 21. Jahrhundert. Doch ich war wieder angefixt, ich hatte kurz wieder von meiner Droge gekostet. Ich wollte wieder high sein. Ich war wieder völlig aus dem Konzept. So kam ich wieder bei dir an und verließ erneut mich. Ich klopfte bei dir an die Tür, doch du öffnetest nicht. Ich hatte dir schließlich gesagt, du solltest mich in Ruhe lassen. Ja. Ok. Doch jetzt doch nicht mehr. Ich wollte und brauchte meine Droge wieder. Bis auf ein paar kleine Ausnahmen, blieb es dann jedoch relativ ruhig um uns.

Ich will wieder Ich sein

Seit dem letzten Trip sind viele Monate vergangen. Und trotzdem bekommen meine Freunde, sobald ich sage ich muss euch etwas erzählen jedes Mal Panik, du könntest wieder da sein. Dass ich wieder drauf sein könnte. Weil sie wissen, dass du mein Kryptonitmensch bist. Dass das nicht auf ewig so sein wird, weiß ich. Hoffe ich. Vor dir gab es schon mal einen Kryptonitmenschen. Meine erste feste Beziehung, meine erste Liebe. Mensch, was könntest du dir alles darauf einbilden, dass du es geschafft hast, dieser Person die Kryptonitstellung zu nehmen. Viel hast du geschafft. Vor allem hast du mich so unglaublich unsicher gemacht. Ich könnte dich wegen vielen Dingen hassen, dir vieles an den Kopf werfen. Aber ich hasse mich selbst dafür, dass ich mir von dir diese Unsicherheit habe aufbinden lassen. Wenn ich einen neuen Menschen kennenlerne, habe ich stets die Angst zu viel sein zu können. Zu wenig sein zu können. Gar nicht sein zu können. Vielleicht auch nur ein Körper sein zu können. Doch das will ich nicht mehr.

Ich will jetzt endlich wieder ich sein. Für mich. Für meine Freunde. Vielleicht irgendwann für eine andere Person, mit der ich mehr als nur ein Bett teilen werde. Aber vor allem für mich. Ich will lieben und lachen und mir nicht ständig Gedanken machen. Ich will Halt wo keiner ist, ich will Unsicherheit, die ich eigentlich gar nicht vermisse. Ich will mich verlieren und gleichzeitig immer wieder neu (er)finden. Ich will mich binden und immer frei sein, zu zweit und immer allein sein. Ich will Stunden, die vergehen wie Sekunden, nach denen man strebt und die man so herbeisehnt. Ich möchte abends im Bett liegen, ein Daumenkino an Erinnerungen im Kopf, kein was wäre wenn sondern yeah, ich ergriff die Gelegenheit beim Schopf. Will versuchen, mich an jede einzelne Berührung, jedes Wort zu erinnern. Nicht nur bloßes Flimmern und Verführung. Ich will meine Arme und meinen Kopf öffnen für jemanden, der bleiben will. Der's nicht nur treiben will.

Ich will Rotwein und Bier und das nachts um vier, will mit dir schlafen bis um zehn, nur um mich mit dir im Arm wieder umzudrehen. Ich will ganz viel Leichtsinn und ein los jetzt!, auch wenn ich nicht weiß wohin. Auch wenn wir beide nicht wissen, wohin das führt. Ich will dich und deine Gedanken erkunden, nicht nur in den Stunden, in denen wir zu zweit und vereint sind. Ich möchte etwas mit dir unternehmen und dabei nur dich sehen. In einem Raum voller Menschen nur mit dir gehen. Ich erwarte nichts und gleichzeitig alles, will im Falle des Falles bereit sein. Bereit sein zu zweit zu sein. Bereit sein, endlich nicht mehr allein zu sein und mehr zu sein. Ich will lieben und lachen, mir nicht ständig Gedanken machen. Ich will sagen können: ich will dich und mich und mehr brauch ich nicht. 

Ihr wollt, dass euer Text auch bei NEON.de erscheint? Dann schickt ihn an community@neon.de oder postet ihn direkt in der NEON-Community. Wir freuen uns auf eure Beiträge!

Partnerschaft: 4 untrügliche Zeichen, dass deine Beziehung sich dem Ende nähert
Themen in diesem Artikel