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NEON-Kummerkasten

Verlustangst: "Er antwortet mir nicht mehr – was soll ich tun?"

Hast du Sorgen oder Kummer? Wähle einfach diese … Nein, Moment. Das war was anderes. Das hier ist der NEON-Kummerkasten. Echte Fragen, echte Antworten. Weil man manchmal einfach nicht mehr weiter weiß und ein bisschen Hilfe braucht. Können wir voll verstehen.

NEON-Kummerkasten

Liebes vermeintliches emotionales Wrack,

zunächst möchte ich dich bitten, dir deinen eigenen Brief noch einmal durchzulesen. Denn tust du das, wirst du auf etwas Überraschendes stoßen – nämlich die Antwort auf deine Frage. 

Du machst dir Sorgen, dass du etwas gemacht haben könntest, um deinen Freund in die Flucht zu schlagen. Du hast Angst, dass seine Schweigsamkeit deine "Schuld" sein könnte. Dabei hat er dir doch gesagt, was bei ihm los ist. Er hat Prüfungsstress, er steht unter Druck, er braucht ein bisschen Zeit für sich. Das kennen wir alle, oder? Das heißt nicht, dass er dich nicht mehr mag. Oder dass er nichts mehr mit dir zu tun haben will.

Ich glaube, dass wir uns eigentlich um etwas ganz anderes sorgen sollten: deine Angst. Deine Unsicherheit. Die Verantwortung, die du dir selbst auflastest, indem du dich schuldig für die Gefühle und Handlungsentscheidungen deines Freundes fühlst. Ich kenne das nur zu gut. Wie häufig habe ich mir schon den Kopf darüber zerbrochen, über welche skurrilen Umwege es jetzt meine Schuld sein könnte, dass diese eine Person, die ich noch nicht mal besonders gut kenne, meinetwegen wütend ist. Oder traurig. Dabei ist das so müßig – und macht eigentlich nur paranoid.

Ist er das Problem? Oder nur ein Symptom?

Geh mal tief in dich. Besteht die Möglichkeit, dass er nicht das eigentliche Problem ist? Sondern nur ein Symptom? Dass du dich selbst und deine Entscheidungen zur Zeit in Frage stellst? Dich unter Druck setzt und irgendein Ventil brauchst, um deine Trauer und deine Angst zu verstehen? Denn wenn man den Finger auf ein Problem legen kann, fühlt es sich doch gleich weniger gruselig an – oder? Wenn es einen Grund für die eigenen Stimmungsschwankungen gibt, fühlen sie sich doch gleich ein bisschen erträglicher an. Ja, du bist traurig, wenn er nicht antwortet – aber wenn das Handy dann aufleuchtet, werden auch wieder Endorphine ausgeschüttet. Deine Tagesstimmung liegt in seiner Hand und wird somit logisch, greifbar – anstatt nur eine Ansammlung scheinbar zufälliger Gefühlsausbrüche zu sein.

Das kann beinahe beruhigend wirken – ist aber gleichzeitig auch wahnsinnig aufreibend und ungesund. Es ist wichtig, dass du dich mit deinen eigenen Gefühlen auseinandersetzt. Dass du lernst, was du brauchst und was dir gut tut. Denn in dem Moment, in dem du mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehst, kann dich so leicht nichts mehr aus der Bahn werfen. Kannst du im Zweifel auch den Mut sammeln, ihn gerade heraus zu fragen, was das zwischen euch ist. Wenn ihm ernsthaft etwas an dir liegt und er wirklich einfach ein bisschen Zeit für sich braucht, kann das deine Gedanken beruhigen und den Ängsten einen Maulkorb verpassen. Wenn nicht, dann ist es ohnehin besser, wenn du das weißt. Denn was dich momentan so runterzieht, ist doch die Ungewissheit.

Sei es dir wert!

Und die hättest du im Zweifelsfall auch, wenn er um die Ecke wohnen würde. Weil du wieder lernen musst, dich selbst wertzuschätzen. Das hast du verdient. Du bist toll und genau so richtig, wie du bist. Und wer das nicht sieht, der sollte dir keine schlaflosen Nächte bescheren. 

Deswegen: Mach ein bisschen mehr von dem, was dich glücklich macht. Lass das mal zu Hause liegen und triff dich mit Freundinnen. Ich verspreche dir, ein bisschen Zeit, in der du nicht immer wieder verstohlen auf dein Handy linst, um zu sehen, ob er nicht vielleicht doch geschrieben hat, wird wahre Wunder wirken. 

Ich glaub an dich – das solltest du auch,

Dein Kummerkasten

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