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Kolumne

Die NEON-Singles – Gemeinsam einsam: Knutschen die wirklich nervig viel – oder bin ich einfach nur Single?

In der Kolumne "Gemeinsam einsam" schreiben NEON-Singles über Tücken, die das ledige Leben mit sich bringt. Diesmal fragt sich unsere Autorin, wieso manche Menschen so wahnsinnig versessen darauf sind, ihre Liebe immer und überall zur Schau zu tragen.

Knutschen in der Öffentlichkeit

Knutschen in der Öffentlichkeit kann ganz schön nerven. Oder sehe das nur ich so?

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Ich bin eigentlich kein prüder Mensch. Ich finde, wer Bock auf Sex-Parties hat, soll in einem dunklen Berliner Keller vögeln, was das Zeug hält, wer gerne in voller Lederkutte an der Leine durch den Supermarkt gezogen werden will, tue sich keinen Zwang an. Und doch gibt es eine Sache, die mir immer wieder wirklich und ehrlich tierisch auf den Senkel geht: öffentliches Rumgeknutsche.

Auf Konzerten, im Kino, in der U-Bahn oder bei Stand-Up-Comedy-Shows – immer wieder finde ich mich mit einem Mal hinter Menschen wieder, die es für die allerbeste Idee halten, sich ausgerechnet jetzt wild die Zunge in wahlweise Mund oder auch Ohr zu stecken, dabei laut schmatzende Geräusche zu machen und damit allen, aber auch wirklich ALLEN zu zeigen, dass sie zusammen hier und SCHWER ineinander verschossen sind. 

Und während ich mir irgendwie gerne einreden würde, dass das tatsächlich komisch ist und man wirklich bessere Orte finden könnte, sich permanent zu betatschen, als im Theater, scheine ich auch irgendwie die einzige zu sein, der das auffällt. Mache ich mein Umfeld dann darauf aufmerksam, bekomme ich Blicke zugeworfen, die sagen wollen: "Ja, die knutschen. Na und?"

Hat das Ganze womöglich mit meinem eigenen Beziehungsstatus zu tun?

Die Tatsache, dass das meist ebenfalls vergebene Menschen in glücklichen Beziehungen sind, lässt irgendwie darauf schließen, dass meine Abneigung gegenüber PDA (Public Displays of Affection) womöglich mit meinem eigenen Beziehungsstatus zu tun hat. Ist es Eifersucht? Bin ich neidisch, weil ich auch gern in aller Öffentlichkeit eine Zunge ins Ohr gesteckt kriegen würde? Weil ich auch gern in der U-Bahn so doll rumknutschen will, dass neben meinem Partner auch noch der Rest des Waggons eine eindringliche Studie meiner Mandeln vornehmen kann? Finde ich irgendwie schwer vorstellbar.

Und tatsächlich bin ich auch in Beziehungen nicht der Mensch, der mit dem Partner im Supermarkt steht und für ein paar Sekunden einfach alles um sich herum vergessen kann. Ich weiß, dass Rüdiger von der Fleischtheke rübergrinst und die Dame vorne bei den Keksen gerade ganz doll die Augen verdreht hat. Dazu sollte man vielleicht sagen, dass ich mit offenen Augen knutsche. Kann man komisch finden – ich finde es seltsam, beim leisesten Anflug eines Kusses direkt die Augen zuzupressen, als wäre das gerade bereits der Gipfel des Genusses. Auf jeden Fall führt es dazu, dass ich eben nicht einfach alles ausblenden kann. 

Und, ganz ehrlich, wieso sollte ich? Das ist ein privater Moment zwischen mir und meinem Freund – wieso sollen alle zugucken? Die Argumentation hat in der Vergangenheit übrigens schon zu ordentlich Diskussionen geführt. Ob ich ihm peinlich sei? Ob ich nicht mit ihm gesehen werden wolle? Äh, stehe ich nicht mit dir zusammen hier am Bahnsteig? Halte im Zweifel sogar noch deine Hand? Nee, klar, ist mir total peinlich. Das ist doch albern. Ich habe einfach nicht das Bedürfnis, meine Zusammengehörigkeit mit einer anderen Person permanent unter Beweis zu stellen. Ich weiß, dass du mich magst, du weißt, dass ich dich mag, wir wissen beide, dass wir zusammen nach Hause gehen – das wird nicht wahrer dadurch, dass wir uns pausenlos anfassen.

Es bestehen also zwei Antwortmöglichkeiten auf die Frage "Ist das nervig, oder bin ich einfach Single?": Entweder, öffentliche Zungengymnastik ist tatsächlich ganz klassisch Geschmacksfrage und ich bin ein bisschen prüder, als ich ursprünglich gedacht hatte – oder ich war noch nie so doll verliebt, dass mir alles andere einfach völlig wurst ist.

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