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Kolumne

Die NEON-Singles - Gemeinsam einsam: Die Liebe ist tot - oder? Wann ist der richtige Zeitpunkt, nach einer Trennung wieder zu daten?

In unserer Kolumne "Gemeinsam einsam" schreiben die NEON-Singles über alle Tücken, die das ledige Leben mit sich bringt. Heute fragt sich unsere frisch getrennte Autorin: Bin ich eigentlich irgendwann wieder bereit, auf Dates zu gehen?

Frau mit Blumen auf Date

Daten nach einer Trennung – wie soll das gehen? Und vor allem: Wann?

Unsplash

"Ja, die Liebe ist tot!", hätte ich am Liebsten aus meinem Fenster gebrüllt und es damit allen verkündet, ob sie es hören wollen oder nicht: Liebe ist tot, Romantik ist tot und obwohl ich mir im Klaren darüber war, dass ich damit im Grunde nur meine Liebe und mein romantisches Leben meinte, war das eben eine Zeit, in der der Zynismus überwog. Zynismus nach einer Trennung ist okay. Der gehört quasi zu den Phasen der Trauer.

Sogar, wenn man sich für immer einigeln, die Couch als neuen Lebensraum festlegen und im Selbstmitleid zerfließen will, ist das völlig in Ordnung. Denn egal, wie sehr es schmerzt: Die Hoffnung auf etwas Neues, auf Ablenkung, vielleicht sogar etwas Zweisamkeit (Gott bewahre) schleicht sich trotz allem eh nach ein paar Wochen Dauer-Herzschmerzes zurück – auch in mein verkümmertes Herz.

Zu allem Überfluss meldete sich meine Libido zu Wort

Auf der einen Seite war da also diese Resignation: Ich fügte mich in das unabänderlich scheinende Faktum, dass es keine romantische Liebe für mich geben würde. Und auf der anderen Seite war da dieser Wunsch, diese Hoffnung, dass irgendwann etwas Neues kommen würde. Wie auch immer das aussehen sollte… (In meiner Vorstellung natürlich extrem rosa und verliebt, Heirat-Familie-Kinder, inklusive Glückseligkeit bis ans Lebensende – utopisch eben.) 

Zu dieser vagen Hoffnung kam erschwerend hinzu, dass sich auch meine Libido allmählich wieder zum Dienst meldete. Und auch aus diesem Umstand ergab sich sogleich ein Schwall an Fragen: Wie sollte ich diese lebensfrohe Libido mit meinem resignierten Inneren verbinden? Was soll ich tun, nun, da ich auf den Single-Markt zurückgeschleudert wurde, als wäre ich ein ungeliebtes Weihnachtsgeschenk? Daten? Aber wen? Wie? Und vor allem: Wie nur könnte ich überhaupt daten in dem Wissen, dass Liebe nun mal tot war? Es war also kompliziert.

Mein Kumpel meinte, das wäre ein gutes Zeichen. Also, das mit der Libido und mit der Lust auf Ablenkung. Er hatte von meiner Trennung gehört und war – treue Seele, die er ist – direkt zu mir geflogen. Wir hatten sehr viel Astra, sehr lange Nächte und ein Gespräch, in dem er mir seine Theorie zur Strategie des Datens mit gebrochenem Herzen darlegte. Ich nenne sie: Die Kater-Metapher.

Konter-Bier gibt's nur in Maßen

"Du musst beim Daten so vorgehen wie beim Konter-trinken", erklärte er mir also. Damit gemeint ist: Nur so viel gegen den Kater (aka den Herzschmerz) antrinken (aka daten), dass man sich gerade noch leicht beschwingt fühlt und die dröhnenden Kopfschmerzen und die Übelkeit zumindest für eine kurze Zeit verschwinden. Doch auch eine eindringliche Warnung folgte sofort: "Übertreib es nicht mit den Konter-Drinks!" Wenige Drinks sind die absolute Grundvoraussetzung. Denn trinke man zu viel auf einmal, würde der neue Kater (aka ein erneut gebrochenes Herz) doppelt so schlimm einschlagen, wie der, den man gerade zu bekämpfen versucht.

Mein Kopf drehte sich. Trotzdem ergab das Ganze in meinem leichten Rausch wahnsinnig viel Sinn. Es ging darum, sich nur in geringem Maße mit Dates abzulenken. Und sein Herz keinesfalls zu früh wieder zu verschenken. Eine unbestechliche Logik. Knapp zwei Monate waren seit der Trennung vergangen, als ich dieses Gespräch führte.

Ich nahm mir also vor: Daten, ja. "Romantisches Daten", nein – also: jemanden kennenlernen, in den man sich verliebt und mit dem man infolgedessen abhängt, bis man irgendwann tot umfällt. Darauf hatte ich allerdings, wenn ich auf mein Bauchgefühl hörte, ohnehin wirklich noch keine Lust.

Alte Wunden müssen erst verheilen, der vorangegangene Herzschmerz und die Trennung (die ja Schuld daran war, dass man sich überhaupt erst wieder mit dem Konzept des Datens auseinandersetzen musste) sollten erst verarbeitet werden. Und ich glaube, das geht tatsächlich schneller, in dem man sich auch ablenkt. Von daher: Volle Kraft voraus!

Date-Versuch Nummer 1

Ich trat mir also sanft in den Hintern, meldete mich bei dem süßen Ginger, den ich bei einer Wohnungsbesichtigung kennengelernt hatte und der mir in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen Nachrichten schrieb. Wir gingen Essen. Danach etwas Trinken. Und, schwupps, waren drei Stunden meines Lebens vorbei, in denen ich mir allerhand uninteressante Geschichten zu Problemen mit seiner Ex-Freundin, dem wahnsinnig tollen Essen in Kiew und unterschiedlichen Kameramodellen anhörte. Ja, na gut, er war irgendwie nett, aber irgendwie passierte so gar nichts zwischen uns, weil so gar nichts zwischen uns passte.

Danach fühlte ich mich also weder gut abgelenkt, noch dazu bereit, wieder so ganz ins Dating-Business einzusteigen.

Versuch Nummer 2: Vom Traumdate zum Horrordate in unter vier Stunden

Also ab, feiern mit meiner Freundin auf dem Kiez. Anscheinend umgab mich an diesem Abend eine Single-Aura wie eine etwas zu aufdringliche Parfümwolke: Ein Typ gab mir am Tresen einen Mexikaner aus, erfragte meine Nummer, grinste süß und ging weg. Feiern als Single. Interessant, dachte ich. So macht man das wohl. Als der Tresen-Mann am nächsten Tag anrief (wie oldschool! I like it!) verabredeten wir uns. Wieso auch nicht? Gebe ich dem Ganzen Dating-Gedöns eben noch eine Chance.

Und da war es: Mein Traumdate! Ganz ehrlich. Wir unterhielten uns gut, gegen die Nervosität stürzte ich einige Cocktails und nach zwei Stunden saßen wir ziemlich lauschig in einem Strandkorb, schauten auf die Lichter im Hafen und sprachen über diese etwas egalen nostalgischen Themen, über die man halt so spricht, wenn man sich verlegen und angetrunken kennenlernt. Dating – geht doch! Das dachte ich noch, als der Abend mit einem Mal eine 180 Grad-Wendung hinlegte.

Als wir weiterzogen, küssten wir uns kurz und ungestüm auf der Straße. Der Kuss schlug bei ihm anders ein als erwartet – und es wurde deutlich, dass nicht nur ich ein paar Cocktails intus hatte: Der Tresen-Mann hatte tatsächlich einen Filmriss. Vom einen Moment auf den anderen wirkte er verwirrt, stellte zusammenhangslose Fragen, wurde übertrieben emotional. Ich bekam es etwas mit der Angst zu tun und als er ein bisschen zu wütend, ein bisschen zu aufdringlich wurde, floh ich mit einem Taxi. Ich schaute nicht zurück. Tiefpunkt.

Und doch ging mir die Kater-Metapher nicht so richtig aus dem Kopf und nächtelang allein auf der Couch versacken, wollte ich irgendwie auch nicht.

In der Nacht des Horror-Dates rief ich noch einen guten Freund an, den ich erst im Sommer kennengelernt hatte. Nach meinen enttäuschenden Dating-Erfahrungen sollte er in der nächsten Zeit der einzige sein, mit dem ich weiter ausging. Er hatte eine Freundin, war also angenehm "off Limits" und schon bald verbrachte ich mit niemandem lieber Zeit als mit ihm. Wir gingen ständig Abendessen. Danach oft etwas trinken. Ab und zu feierten wir bis in die Morgenstunden, gingen ins Kino, telefonierten, gingen shoppen, aßen Pizza und saßen am Wasser.

Ihr wisst, was jetzt kommt.

Die Erkenntnis, dass wir die ganze Zeit Dates hatten, schlug erschreckend spät bei mir ein. Meine Freunde waren da schon länger auf dem richtigen Trichter gewesen. Bei mir klingelte es erst, als er mir erzählte, dass er sich von seiner Freundin trennen würde. Mein Herz machte einen Satz, ich erschreckte mich und mit einem mal, hielt die Erkenntnis Einzug: Oh je, ich date meinen Kumpel! Ohne es wirklich gemerkt zu haben, war ich also längst "back in the game". Und hatte mich selbst ziemlich angelogen, denn wenn man es nicht "Dating" nennt, ist es gar nicht mehr so furchteinflößend, selbst wenn man genau das tut.

Um die Original-Fragenstellung zu beantworten: Ich glaube inzwischen nicht mehr, dass es einen richtigen Zeitpunkt dafür gibt, sich wieder aus der Wohnung zu trauen und Leute kennenzulernen. Man kann sich Zeit nehmen, traurig sein, sich ablenken, was auch immer. Man darf nur die Hoffnung nicht ganz aufgeben. You got hurt, babe. That doesn't mean you give up.

Ich selbst habe den "richtigen Zeitpunkt" gar nicht bemerkt. Vielleicht auch, weil am Ende gar nicht so entscheidend ist, wann man wieder datet, sondern wen man datet. Hört, hört. So romantisch.

In meinem Fall stellt mich das aber jetzt natürlich vor ganz neue Probleme: Denn ich treffe diesen Freund noch immer. Er ist jetzt single und ich finde ihn sogar richtig gut. Und das ist zu jedem Zeitpunkt und immer und zu 100 Prozent furchteinflößend as fuck. Mal sehen, wie heftig der Kater wird.

Ein Mann und eine Frau liegen unter einer weißen Bettdecke und küssen sich innig
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