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Kolumne

Die NEON-Singles – Gemeinsam einsam: Wie ich krampfhaft einen Partner gesucht habe – und scheiterte

In der Kolumne "Gemeinsam einsam" schreiben NEON-Singles über Tücken, die das ledige Leben mit sich bringt. Heute erzählt unsere Autorin, wie sie unbedingt in einer Beziehung sein wollte und alles dafür getan hat – und wann sie gemerkt hat, dass es so auf keinen Fall funktionieren wird. 

Junge Frau ist glücklich und lacht in die Kamera

Unsere Autorin hat erst nach einem Weckruf gemerkt, dass sie keinen Partner braucht, um glücklich zu sein

Unsplash

Ich war sieben Jahre mit meinem Ex-Freund zusammen, trotzdem haben wir beide das Beziehungsende relativ gut weggesteckt. Ich freute mich sogar ein bisschen darauf, das erste Mal in meinem Erwachsenen-Leben Single zu sein. Dieses Gefühl der neu gewonnen Freiheit blieb eine ganze Weile, bis ich irgendwann an den Punkt kam, an dem ich wieder Lust auf eine Beziehung hatte. Ich hatte mein Single-Leben genossen und war bereit, mich wieder auf etwas Ernstes mit jemandem einzulassen. Einziger Haken: Es gab niemanden, auf den ich mich hätte einlassen können.

Hinter jeder Ecke hoffte ich auf die große Liebe

Und so fing ich an, mit offeneren Augen durch die Welt zu laufen. Was zu Beginn noch relativ harmlos und entspannt war, wurde nach einigen Monaten zu einer krampfhaften Suche nach einem Partner. Hinter jeder Ecke hoffte ich, die große Liebe zu finden: Als ich mit meinem Studium begann, war ich enttäuscht, dass ich keinen meiner Kommilitonen attraktiv fand. Wenn ich feiern war und um 3 Uhr morgens eigentlich müde war, entschied ich mich trotzdem dazu, weiter zu ziehen – es könnte ja sein, dass ich noch jemanden kennen lerne. Wenn ich mich zum Kaffee trinken verabredete, dann immer in den coolen und hippen Cafés, wo ja möglicherweise ein ebenso cooler und hipper Single-Mann nur noch darauf wartete, dass ich endlich in seinem Leben auftauche. Und ganz nebenbei investierte ich so viel Zeit, Energie und Smalltalk in Tinder, dass ich dafür eigentlich einen Preis verdient hätte.

Warum eine fremde Frau meine Rettung war

Irgendwann, als meine verzweifelte Suche schon Außenstehenden auffiel, sagte eine Freundin: "Dann, wenn du es am wenigsten erwartest, lernst du jemanden kennen“. Und so passierte es, dass ich irgendwo am Ende der Welt am Flughafen saß, darüber nachdachte, dass ich es hier und jetzt auf keinen Fall erwarte, und sich ja gerade deshalb wahrscheinlich gleich der Mann meiner Träume neben mich setzt, wir uns angeregt den ganzen Flug über unterhalten, anschließend unsere Nummern austauschen und in ein paar Jahren unseren zuckersüßen Kindern von unserer verrückten Kennenlern-Geschichte erzählen. Als sich im Flugzeug eine alte Frau neben mich setzte, zerbrach mein filmreifer Traum in tausend Teile und ich wurde sehr abrupt auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Diese fremde Frau war meine Rettung. Was war bloß los mit mir? Hatte ich mich zu Beginn meiner Single-Zeit noch über Freundinnen aufgeregt, die immer und überall auf der Suche nach potenziellen Partnern waren, war ich selbst zu so einer Person geworden.

 "Ich bin ziemlich glücklich mit mir selbst"

Der Weckruf dieser Frau war längst überfällig und anscheinend so deutlich, dass sich in meinem Kopf ein Schalter umlegte. Ich löschte nicht nur Tinder, sondern gefühlt auch all meine krampfhaften Gedanken rund um die Partnersuche – von jetzt auf gleich. Und mir wurde bewusst, was ich vorher erfolgreich ignoriert hatte: Ich bin ziemlich glücklich mit mir selbst, liebe meine Freunde, meine Familie, meine Wohnung, mein Studium, meinen Job und die Stadt, in der ich lebe. Ich reise viel, lerne ständig neue Menschen kennen, erlebe unvergessliche Momente, habe Hobbies, die mich erfüllen und wachse jeden Tag ein bisschen weiter. Und wenn da irgendwann ein Partner dazukommt, ist das zwar sehr schön – er ist allerdings nicht mehr dafür verantwortlich, dass ich glücklich bin.  

Seitdem ich aufgehört habe, mir in den unmöglichsten Momenten eine romantische Begegnung mit meinem Zukünftigen vorzustellen, bin ich wieder so richtig gelassen: Als ich meinen neuen Job begonnen habe, habe ich nicht als erstes nach gutaussehenden Männern Ausschau gehalten. Wenn ich um 3 Uhr morgens müde bin, gehe ich einfach nach Hause. Und meine Cafés suche ich nicht mehr nach Coolness der Kunden aus, sondern danach, wo es guten Kaffee und noch besseren Kuchen gibt.

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