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Kolumne

Die NEON-Singles – Gemeinsam einsam: Den perfekten Partner gibt es nicht – lebt damit!

In der Kolumne "Gemeinsam einsam" schreiben NEON-Singles über Tücken, die das ledige Leben mit sich bringt. Heute beschäftigt sich unser Autor mit den Ansprüchen, die er und andere an potenzielle Partner stellen. 

Frau mit Sonnenbrille

Traumfrau? Irgendwo hat jeder seine Macken.

Pexels

Manchmal ist Small Talk eine ermüdende Verlegenheitslösung, manchmal ehrliches Interesse, und manchmal ein locker gespieltes Abchecken der Eckdaten des anderen, das in seinem Kern doch zutiefst verkrampft ist. Vor allem beim ersten Date, wenn die Fragen "Woher kommst du?" und "Was machst du so?" oberflächlich gesehen dazu dienen, die Konversation am Laufen zu halten, unterschwellig aber auch schon zeigen sollen, ob sich schon hier erste No-Gos zeigen. In dem Fall müsste man den anderen ja gar nicht weiter kennenlernen.

Und so saßen wir dann vor zwei riesigen Pizzen und tauschten uns über unsere Berufe, unsere Wohnungen und unsere Heimatstädte aus. Alles gut, alles nett, alles interessant, aber normal. Keine No-Gos. Das Gespräch kam auf Hobbys. Ich erzählte, dass ich gerne auf Konzerte gehe, vorzugsweise auf Rockkonzerte. Vielleicht bilde ich mir ein, dass sich ihre Gesichtszüge in dem Moment ein wenig versteinerten. "Ich hasse Rockmusik", sagte sie.

In meinem Kopf sangen die Ärzte "Baby ich kann dich gut leiden / Es ist wirklich wahr / Doch das wird nie was mit uns beiden eines ist mir klar (so klar) / Du bist unrockbar". Und ich machte innerlich einen Haken an diese Bekanntschaft, die im weiteren Verlauf des Gesprächs noch sehr wohlwollend über Ed Sheeran und Helene Fischer redete.

Oft sind die Ansprüche unerreichbar hoch

Als ich später mit einer guten Freundin über diese Szene sprach, entgegnete sie: "Vielleicht liegt es doch an dir, dass du immer noch Single bist." Der Satz hat mich tief getroffen – und ich habe lange darüber nachgedacht. Deutlich formulierte Ansprüche an eine potenzielle Partnerin hatte ich eigentlich kaum gehabt. Und doch wurde mir klar, dass ich oft Brücken schnell abriss (oder gar nicht erst aufzubauen begann), wenn etwas nicht meinen Vorstellungen entsprach.

Zum Beispiel wenn die Person nicht im gleichen Verkehrsverbund wohnte wie ich. Wenn sie sich erst vor Kurzem getrennt hatte. Wenn ihr Aussehen mich nicht auf Anhieb umhaute. Wenn ich eine Freundschaft nicht aufs Spiel setzen wollte. Oder wenn sie mit Dingen, die mir wichtig sind, nichts anfangen konnte – wie eben mit meiner Lieblingsmusik. Anscheinend geht das vielen Singles so. Allem, was irgendwann auf unnötige Komplikationen hinauslaufen könnte, gehen wir lieber gleich aus dem Weg. 

Partnersuche ist meistens Mängelmanagement

Dummerweise erhöht das die Wahrscheinlichkeit, allein leben und sterben zu müssen, enorm. Der Spruch "Nobody is perfect" entfaltet bei der Partnersuche nämlich eine besondere Relevanz. Kein Single hört das gern, aber möglicherweise ist es wirklich so, dass viele bis auf Weiteres allein bleiben, weil sie ihre Messlatte zu hoch legen. Den perfekten Partner aber gibt es nicht – findet euch damit ab!

Eigentlich ist es auch gar nicht so schwer, darauf zu kommen, dass Partnersuche und Beziehung ein ständiges Mängelmanagement sind. Denn wie gesagt: Einen Freund oder eine Freundin, wie man sie sich backen würde, gibt es unter den sieben Milliarden Menschen auf der Welt wahrscheinlich gar nicht. Doch selbst wenn dieser perfekte Mensch irgendwo existieren sollte – warum sollte er gerade mit dir zusammen sein wollen? Mit jemandem mit deinen Fehlern, deinem Aussehen und deinen Spleens, die du hoffentlich selbst am besten kennst? Der perfekte Partner wäre wohl der einzige, der wirklich hohe Ansprüche an sein Gegenüber stellen kann – und du und ich würden sie mit Sicherheit nicht erfüllen.

Lasst doch mal die Checklisten weg!

Aber warum sollte man so jemanden überhaupt wollen? Perfektion ist etwas auf Dauer ungeheuer Langweiliges. Der Mensch ist da genauso wie das Leben selbst – die kleinen Unebenheiten machen ihn erst spannend. Ebenso öde wäre es wahrscheinlich, länger mit jemandem zusammen zu sein, der alle Ansichten und Interessen teilt. Man würde nichts Neues kennenlernen, man würde sich nicht gegenseitig ergänzen. Also legt die Checklisten beiseite.

Nicht umsonst definieren manche Menschen wahre Liebe so: Zwei Menschen senken ihre Ansprüche auf das gleiche Niveau. Klingt jetzt so semi-romantisch, aber irgendwie auch machbar. Und wer weiß, vielleicht erlebt man auf diese Weise auch eine wunderbare, positive Überraschung.

Ich habe mich zumindest entschlossen, dem unrockbaren Mädel noch eine Chance zu geben (und sie mir). Und siehe da: Sie ist tatsächlich sehr nett. Ganz habe ich die Hoffnung aber doch noch nicht aufgegeben, dass es auch bei ihr läuft wie in dem Ärzte-Song – und sie "bald kapiert, dass der Rock die Welt regiert".

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