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Die NEON-Singles – Gemeinsam einsam Danke, aber nein, danke: Wieso ich mir keine Getränke mehr ausgeben lasse

Mann und Frau an einer Bar
Drinks ausgeben? Bitte nur, wenn man(n) sich davon keine Garantie erwartet!
© Gregory Hayes / Unsplash
In der Kolumne "Gemeinsam einsam" schreiben NEON-Singles über Tücken, die das ledige Leben mit sich bringt. Heute findet unsere Autorin: Wer sich Sex erkaufen will, sollte das in einem Bordell machen, nicht an einer Bar.

Kennt ihr diese Situation, wenn man in einem Club oder einer Bar am Tresen steht und mit einem freundlichen jungen Mann ins Gespräch kommt? Die Bar ist überfüllt, der nette Mensch auf der anderen Seite mixt und zapft sich einen Wolf, kommt aber irgendwie nicht hinterher und so plaudert ihr und plaudert und als ihr es endlich schafft, den Blick des Barkeepers aufzufangen, fragt der sehr nette, aber dir fremde Mann, ob er dir einen Drink ausgeben kann.

Deine Gedanken beginnen zu kreisen. Eigentlich ist es ja nett. Und die Drinks hier gar nicht mal so günstig. Und die Wahrscheinlichkeit, dass der Barkeeper, nachdem er ihn bedient hat, nochmal in eure Ecke kommt, eher gering. Aber eigentlich wolltest du auch demnächst mal zu deinen Freundinnen zurück und will er dir den Drink jetzt ausgeben, weil man das manchmal für Menschen macht, die man spontan nett findet, oder glaubt er, dass ihm das irgendein Anrecht auf deine Gesellschaft gibt? Und während du noch sinnierst, leert sich die Bar so langsam, der Typ ist seit zwei Stunden weg und schließlich weckt dich die Putzkolonne aus deinen Gedanken. Am Wochenende teilte eine junge Frau aus Großbritannien ein Erlebnis auf Twitter, das die Situation recht gut zusammenfasst. 

"Da wir nicht zusammen nach Hause gegangen sind, hat es sich für mich nicht wirklich gelohnt" 

Sie habe in einer Bar einen jungen Mann kennengelernt, schreibt sie, der ihr einen Drink ausgegeben habe. Schließlich habe sie ihm ihre Nummer gegeben. Es folgt ein Screenshot der SMS-Unterhaltung am nächsten Morgen: 

Er: "Hey, wessen Nummer ist das?"

Sie: "Haha, wir haben uns gestern im Atik kennengelernt."

Er: "Oh, ja, Jeans-Kleid?"

Sie: "Genau"

Er: "Cool! Könntest du mir das Geld für die Drinks überweisen, die ich dir gestern spendiert habe? Da wir nicht zusammen nach Hause gegangen sind, hat es sich für mich nicht wirklich gelohnt LOL"

Darunter tummeln sich tausende Kommentare. Während einige Leute schreiben, sie würden schwer hoffen, dass sie das Geld nicht überwiesen hat ("Natürlich nicht, ich bin völlig pleite!"), gibt es auch User, die der Meinung zu sein scheinen, dass die junge Frau die Drinks hätte ablehnen sollen.

Hoffen und erwarten sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe

Sind wir uns nicht alle einig, dass jemand, der das Bedürfnis hat, sich Sex zu erkaufen, dies bitte in einem offiziell angemeldeten Bordell mit guten Hygienestandards und fairer Bezahlung tun möge? Es ist völlig in Ordnung, sich zu erhoffen, dass ein spendierter Gin Tonic zu einem verlängerten Gespräch und vielleicht sogar einer gemeinsamen Nacht oder einem Wiedersehen führen könnte – aber es zu erwarten ist etwas völlig Anderes. Niemand hat das Anrecht auf eine andere Person. Wer ein Geschenk macht, sollte das aus freien Stücken tun und nicht, weil er oder sie eine Gegenleistung erwartet.

Und obwohl ich mir darüber voll und ganz im Klaren bin, habe ich schon vor Jahren aufgehört, mich einladen zu lassen. Selbst auf Dates habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, abwechselnd Runden zu bestellen, damit niemand jemals das Gefühl hat, meine Gesellschaft jetzt rechtmäßig erworben zu haben. Weil ich keine Lust auf vorwurfsvolle Blicke habe, wenn ich mich nach ein paar Stunden mäßig interessantem Gespräch und zwei Weinschorlen tatenlos aus dem Staub mache. Und auch, weil ich absolut kein Problem damit habe, einer anderen Person ein Geschenk zu machen – und zwar völlig ohne Hintergedanken.

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