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Burn-out: Ich wusste, dass ich krank war – und richtete mich trotzdem weiter zugrunde

Sie war 27, erfolgreich und liebte ihr Leben. Und dann saß sie plötzlich in der Psychiatrie. Für NEON schreibt unsere Autorin offen über ihr Burn-out. Heute berichtet sie vom langen Weg zu der Erkenntnis, dass sie wirklich krank war.

Von Sophie Blau

Eine Frau sitzt im Dunkeln vor einem Fenster

Burnout? Viele Menschen versuchen lange Zeit, die bröckelnde Fassade aufrechtzuerhalten. Auch Sophie. (Symbolbild)

Getty Images

Irgendetwas ist anders. Irgendeine Spirale dreht sich rasend schnell. Und ich kann sie nicht mehr stoppen. Was zum Teufel passiert mit mir?

Wochenlang zermarterte ich mir den Kopf, ohne eine Antwort auf diese Frage zu finden. Seit Monaten nun ging das schon so: Mein Körper tat komische Dinge. War ständig krank, zum Beispiel. Ich erkältete mich plötzlich mit nassen Haaren. Früher war ich selbst im Winter ohne zu föhnen vom Schwimmbad nach Hause gefahren. Ohne Konsequenzen. Meine alte, immer überwiegend gute Laune war Stück für Stück verschwunden. So richtig fröhlich – das war schon lange her.  Meine Energie, früher hatte ich davon ausreichend für drei Menschen gehabt, war verpufft. Zack. Weg. Nichts mehr da. Dabei hatte ich noch gar nicht angefangen.

Kein tiefer Schlaf, sondern furchtbare Albträume

Und auch mein tiefer, fester Schlaf ließ mich irgendwann im Stich. Stattdessen übernahmen furchtbare Albträume die Traumregie.

Auf die Idee, es könnte am Stress liegen, kam ich nicht. Monatelang hatte ich diesem Syndrom so erst die Gelegenheit gegeben, sich in meinem Körper auszubreiten. Monatelang habe ich meinen Körper und meine Seele Stück für Stück zugrunde gerichtet, und hörte nicht auf, obwohl ich deutlich merkte, dass es mit mir immer schneller bergab ging.

Warum? Die Antwort ist ziemlich simpel: Ich und Burn-out, diese Kombination existierte nicht in meinem Kopf. Das konnte nicht sein. Ich war doch nicht psychisch krank, nicht irre, nicht eine von denen.

Verglichen mit anderen psychischen Störungen kommt das Burn-out-Syndrom, das laut ICD-10, dem internationalen Klassifikationssystem von Krankheiten, nicht einmal eine "richtige Krankheit" ist, ohnehin noch gut weg. Immerhin hat niemand Angst vor Burn-out-Patienten. Trotzdem: Ein Burn-out kriegen die, die nichts aushalten, die Schwächlinge. Und für so jemanden ist in unserer Leistungsgesellschaft kein Platz mehr.

Ja, heute klingen für mich meine Gedanken von einst dumm, naiv, albern. Aber ich hatte dieses Denken und diese Vorurteile so sehr verinnerlicht, dass in meinem Kopf die Möglichkeit, dass ich, die große, starke Sophie, diese Krankheit haben könnte, schlichtweg nicht existierte.

Es durfte einfach nicht sein. Also ignorierte ich alles.

Außerdem war da noch ein ganz anderes Problem: Ich wollte den Job wechseln. Das konnte ich allerdings vergessen, wenn ich krankgeschrieben wurde. Wer würde mich denn mit einem Burn-out noch einstellen? Es durfte einfach nicht sein. Also ignorierte ich alles. Vielleicht konnte ich es ja wegignorieren. Und ich versuchte weiter, Tag für Tag und Woche für Woche, die bröckelnde Fassade aufrechtzuerhalten.

Irgendwann versuchte ich es mit meiner alten Methode für schlimme Zeiten: Lesen. Egal wie aufgewühlt oder verletzt oder traurig ich war, das Lesen half immer. Verlässlich hatten mir Bücher die Flucht in eine andere Welt ermöglicht. Aber diesmal nicht. Ich war nicht mehr in der Lage zu lesen. Mein Kopf machte nicht einmal da mehr mit. Das war der Moment, in dem ich endlich realisierte, dass ich das alleine nicht schaffen würde, dass ich Hilfe brauchte.

Manchmal frage ich mich heute, wie ich reagiert hätte, wenn mich jemand auf meine Probleme aufmerksam gemacht hätte, als ich sie selbst noch nicht erkennen wollte. Vielleicht hätte ich ein paar Tage früher realisiert, was mit mir los war und hätte mir ein paar Tage oder Wochen der Qual erspart. Ich weiß es nicht.

In einem bin ich mir aber sicher: Je früher ich mich behandeln hätte lassen, desto weniger schlimm wäre das alles geworden.

Lesen Sie hier den ersten Text von Sophie für NEON: Mein Leben lag in Scherben – dennoch war das Burn-out das Beste, was mir je passiert ist.

Depressionen

Themen in diesem Artikel
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(