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Experte klärt auf Winterzeit: Wieso wir jetzt so häufig verschlafen – und was wir dagegen tun können

Frau mit Wecker
Morgens aufzustehen fällt vielen von uns ohnehin schon schwer – und im Winter wird es keineswegs einfacher
© SrdjanPav / Getty Images
Vielleicht kennt ja noch jemand dieses Problem: Wenn die Tage kürzer werden, kommt unsere Autorin morgens kaum noch aus dem Bett. Da Winterschlaf leider keine Option ist, haben wir mit einem Experten gesprochen, der weiß, wie wir auch im Winter rechtzeitig zur Arbeit kommen.

Es ist morgens. Der Wecker, den ich extra ein paar Meter entfernt vom Bett in meinen Schrank gestellt habe, klingelt. Draußen ist es noch dunkel. Ich stehe auf (GUT!), trotte zum Schrank (SEHR GUT! Bewegung!) und drücke auf den Aus-Knopf – dann lege ich mich wieder ins Bett (Nicht so gut…). Ist schon in Ordnung, in zehn Minuten wird mein Notwecker auf dem Handy klingeln. Als ich wieder aufwache, sind 40 Minuten vergangen und ich bin massiv zu spät dran für die Arbeit.

Irgendetwas hat es mit der kalten Jahreszeit auf sich – sobald die Tage kürzer werden, schlafe ich nicht nur länger, sondern habe richtiggehende Schwierigkeiten, aus dem Bett zu kommen. Dabei bin ich die Sorte Mensch, die am allerliebsten gar nicht schlafen würde. Man stelle sich vor, wir könnten die acht extra Stunden nutzen, um zu lesen, spazieren zu gehen, unsere zwischenmenschlichen Beziehungen zu pflegen – und wären am Ende genau so erholt, als hätten wir geschlafen... Aber dem ist nun einmal nicht so.

Winterschlaf: Das rät der Schlafexperte

Was ist es also, das uns, sobald es kälter wird, das Gefühl gibt, als würde uns irgendjemand kurz bevor der Wecker klingelt nochmal ordentlich einen mit der Bratpfanne überziehen, obwohl wir nicht später ins Bett gegangen sind? "Wir schlafen sogar fast 30 Minuten länger", sagt Ingo Fietze, einer der führenden deutschen Mediziner im Bereich Schlafforschung, "aber es fehlt das Licht als effektiver Weckreiz." Aber kann das so viel ausmachen? Laut Fietze ja: "Das Zentralnervensystem – das Gehirn – braucht circa 30 Minuten, um wach zu werden. In Dunkelheit noch länger." Das dürfte zumindest erklären, wieso das Gefühl der nahenden Apokalypse innerhalb der ersten Minuten im hell erleuchteten Badezimmer zumindest ein kleines bisschen abschwächt.

Doch was können wir tun, um uns aus unserem Winterschlaf-Modus zu wecken? Denn auch, wenn das natürlich nett wäre, "Tageslichtmangel" wird auf die Dauer keinen Arbeitgeber davon zu überzeugen, morgendliche Meetings erst eine halbe Stunde später zu beginnen. Fietzes Antwort ist so simpel wie frustrierend: "Ausreichend zeitig ins Bett gehen." Aber auch bequemer Schlafkomfort in einem "nicht zu warm oder zu kalten" Schlafzimmer könne einiges bewirken – und: "morgens nach dem Wecker helles Licht anmachen, also 100 Watt und mehr, beziehungsweise 1000 Lux mit LEDs."

Während man ja ab und zu munkelt, dass die Zeitumstellung etwas mit unserem veränderten Schlafrhythmus im Winter zu tun haben könnte – quasi wie ein monatelanger Jetlag –, hält Fietze, der seit mehr als zehn Jahren das Schlafmedizinische Zentrum der Berliner Charité führt, das für Humbug. Seiner Meinung nach spielt der Einfluss von Temperatur, langen und dunklen Nächten und der Ernährung die größte Rolle. Mag sein, schließlich ist man nach einer großen Portion Rotkohl mit Kartoffeln irgendwie immer geräderter als nach einem erfrischenden Wassermelonensalat. Zusätzlich gebe es einen "jahreszeitabhängigen Schlafrhythmus, der wesentlich für die bereits erwähnten 30 Minuten Mehrschlaf verantwortlich sein könnte." Winterschlaf, anyone?

Fazit: Ja, es ist völlig normal, dass ich mich seit ein paar Wochen fühle, als hätte sich in den frühen Morgenstunden die ganze Welt gegen mich verschworen. Nein, ein richtiges Allheilmittel gegen die Wintermüdigkeit gibt es nicht. Aber ein bisschen weniger Glühwein, eine halbe Stunde mehr Schlaf und vielleicht die Anschaffung eines Tageslichtweckers könnten schon mal einen ordentlichen Unterschied machen. Ist ja zum Glück bald Weihnachten.


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