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"Nehmt euch ein Zimmer!": Lasst sie knutschen! Warum uns turtelnde Pärchen nicht so aggressiv machen sollten

Turtelnde Pärchen haben die Gabe, sich aneinander zu berauschen und ihre Umgebung komplett auszublenden. Aber warum werden sie vom Rest der Welt so leidenschaftlich gehasst? Ein Plädoyer für die öffentliche Zurschaustellung von Zuneigung.

Tauben turteln

Beim unbeteiligten Zuschauer verursacht die öffentliche Zurschaustellung von Zuneigung akuten Würgreiz

Sie knutschen im Bus, sie halten Händchen auf der Rolltreppe, sie haben Trockensex auf der Tanzfläche im Club: Turtelnde Pärchen haben die Gabe, sich aneinander zu berauschen und ihre Umgebung komplett auszublenden. Sie begegnen uns überall. Und so hemmungslos sie einander in ihrem pheromonisierten Paralleluniversum zugewandt sind, so leidenschaftlich werden sie vom Rest der Welt gehasst.

Bei unbeteiligten Zuschauern verursacht ihr Verhalten häufig akuten Würgreiz. "Nehmt euch ein Zimmer!", murmeln die Menschen und wenden sich mit Kopfschütteln ab. Ich habe Freunde, die weder verklemmt noch frustriert sind und ein gesundes Verhältnis zu jeglicher Sexualität pflegen. Trotzdem reagieren sie auf das Kuscheln der anderen so pikiert wie Kirchengänger am Sonntagmorgen. Viele von ihnen macht die öffentliche Zurschaustellung von Zuneigung regelrecht aggressiv.

Die Fähigkeit, sich gemeinsam völlig zu vergessen

Warum nur? Es klingt wahnsinnig naiv, aber: Wir leben in unsicheren Zeiten, in sozialen Netzwerken werden wir ständig mit Hasskommentaren konfrontiert, die Angst vor Anschlägen oder gar Krieg war seit Generationen nicht mehr so groß - sollte der Anblick zweier Menschen, die sich allzu offensichtlich mögen, uns da nicht eher ein beruhigendes Gefühl vermitteln? Ein Gefühl, das die Welt doch nicht verloren ist?

Ich bewundere die Turteltauben für ihre Fähigkeit, sich gemeinsam völlig zu vergessen. Und irgendwie kann ich sie sogar verstehen. Ich liebe meine Freundin über alles und kenne das Gefühl, es am liebsten der ganzen Welt zu erzählen, wie großartig sie ist. Aber das öffentliche Rumschäkern gehört einfach nicht zu meinen Vorlieben. Umso mehr gönne ich es aber jedem, der dazu in der Lage ist.

Es gibt Schlimmeres als Turteltauben

Alle Hasser sollten sich vielleicht einfach daran erinnern, wie gut es ihnen in allen anderen Alltagssituationen gelingt, ihre Umgebung zu ignorieren. Den Meisten reicht doch der Blick aufs Smartphone, um gar nichts mehr zu merken. Also checkt euren Insta-Feed und macht euch locker! Es gibt Schlimmeres als Turteltauben. Genau genommen gibt es doch eigentlich nur wenig, was schöner ist.

Zwei besoffene Typen, die sich in der Kneipe prügeln - darüber könnte ich mich aufregen. Aber über das Pärchen, das zur gleichen Zeit am Tresen knutscht? Wirklich nicht.

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