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Kopf vs. Herz: Unglücklich verliebt und trotzdem Freunde bleiben – kann das gutgehen?

Eric liebt Maria. Maria liebt Eric nicht. Nun steckt Eric in der Zwickmühle: Können sie Freunde bleiben? Oder muss er Abstand halten, um sich selbst zu schützen? Über einen Kopf, der das Richtige weiß, und ein Herz, das sich dafür nicht interessiert.

Frau wendet sich von Mann ab

Lässt sich die Freundschaft retten, wenn einer mehr will?

Wenn Eric über Maria spricht, kommt er so ins Schwärmen, dass es ihm fast peinlich ist: "Es ist schwer, etwas über sie zu sagen, was nicht kitschig klingt." Deshalb versucht er es gar nicht erst. "Wir verstehen uns super, wir können zusammen lachen, wir haben die gleiche Sicht aufs Leben. Bei ihr fühle ich mich wohl, ich bin nicht verkrampft." Eric ist verliebt, mit allem Drum und Dran: Kribbeln im Bauch, schlaflose Nächte, Träumereien. Und für Eric ist klar: Maria und er gehören zusammen. 

Maria sieht das leider anders. Eric ist für sie nur ein "guter Kumpel" – das hat er Schwarz auf Weiß oder wie auch immer man das im -Zeitalter nennt. Tatsächlich würde sie wohl fast alles, was Eric über sie sagt, auch zurückgeben. Nur eben auf einer anderen Ebene, in der klassischen "Friendzone". So nennt man den gefürchteten Bereich, in dem sich jemand wiederfindet, der mehr als nur Freundschaft will und dann enttäuscht wird.

"Es ist schön, aber es tut jedes Mal weh"

Denn Freunde, das sind Eric und Maria ja. Beide sind sie Anfang 30, beide aus , einer Stadt, in der es wahrscheinlich hunderte Fälle gibt wie diesen. Sie kennen sich seit einigen Jahren und freuen sich immer, wenn sie sich sehen. Sie unternehmen gern Dinge zusammen, tauschen sich aus und haben Spaß. Und hier beginnt Erics Problem: Kann er diese Freundschaft erhalten? Will er es überhaupt? Oder sollte er vielmehr auf Abstand gehen, wenn klar ist, dass nicht mehr geht? In Erics Worten: "Es ist schön, aber es tut jedes Mal weh." 

Einer liebt immer mehr, und der muss am Ende leiden. So läuft das Spiel. Über platonische Freundschaften und darüber, ob es sie wirklich geben kann, wird viel diskutiert. Die einen sind klar dafür, die anderen meinen, dass irgendwann doch einer immer mehr will. Das "mehr" passiert meistens einfach. Der Weg zum "weniger", zurück in eine ganz normale Freundschaft auf beiden Seiten, ist sehr schwer. Manchmal gibt es ihn gar nicht – dann ist die Freundschaft vorbei.

Ein Nein ist ein Nein

Eine rationale Hoffnung auf "mehr" hat Eric schon lange nicht mehr. Er weiß, wann ein Nein ein Nein ist. Aber er genießt jede Minute mit Maria, es fühlt sich so einfach an, so richtig, so einfach richtig. Auch wenn er weiß, dass er nie das bekommen wird, was er sich eigentlich wünscht.

Sie treffen sich zum Kochen in seiner Wohnung, gehen gemeinsam auf Konzerte, ziehen durch die Bars in ihrem Kiez. Passiert ist nie irgendwas. Neulich saßen sie irgendwo und im Hintergrund spielte Udo Lindenbergs "Cello": "Und manchmal sahst du mich an und ich dachte 'Mann oh Mann' und dann war ich wieder völlig fertig." Und Eric dachte: Ja, Mann. Und tat so, als wenn nichts wäre. Brachte Maria zu ihrer Haustür und fuhr nach Hause. Danach konnte er dann wieder stundenlang nicht schlafen und dachte zwei Tage lang nur an sie.

Kopf gegen Herz

Weitermachen oder Abstand? Die Freundschaft erhalten oder einen Neuanfang wagen? Die Wahrheit auf den Tisch oder weiter schauspielern? Eine wirkliche Lösung dafür hat er nicht. Eric sagt oft "Ich muss": "Ich muss sie vergessen", "Ich muss mehr Abstand haben", "Ich muss weiterkommen". Da spricht dann sein Kopf.

Fast genauso oft sagt er "Ich will": "Sie ist genau die, die ich will", "Ich will die Freundschaft nicht verlieren", "Ich will nicht, dass es komisch wird". Das sagt das Herz. Der eine interessiert sich nicht wirklich dafür, was der andere sagt – fertig ist das große Dilemma.

Eric weiß, dass es auch "andere schöne Frauen gibt", wie ihm ständig alle versichern. Natürlich findet er auch mal jemand anderen interessant, aber "eigentlich weiß ich ja ganz genau, wen ich wirklich will. Doch so hindere ich mich selbst daran, etwas Neues zu beginnen. Ich jage ein Phantom." Dann schaut er lange in sein leeres Bierglas, als wäre dort die Antwort versteckt.

Er weiß ebenso, dass er sich selbst – vor allem sein Herz – schützen muss. Nur umsetzen kann er es nicht. "Es hat was von einer Droge", sagt Eric, der schon immer einen Hang zur Dramatik hatte. "Wenn sie da ist, fühlt es sich zwei Stunden lang super an. Danach geht es mir zwei Tage dreckig. Aber das nehme ich in Kauf."

Manchmal nimmt er sich vor, jetzt endlich einen Schnitt zu machen. Keine Initiative mehr von ihm, keine Treffen mehr, nicht mehr schreiben, nicht mehr als nötig sagen. Sich einfach unauffällig zurückziehen. "Aber eigentlich weiß ich jedes Mal, dass ich mich früher oder später doch bei ihr melde", meint er. "Ich kann nicht mit ihr, aber ich will auch nicht ohne sie." Noch so ein Satz wie aus einem Max-Giesinger-Song. Wahr ist er trotzdem.


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