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Jugendsünden: Fünf Menschen erzählen, wie sie nach zehn Jahren zu ihrem ersten Tattoo stehen

Das häufigste Argument gegen ein Tattoo lautet: "Das bleibt dann aber doch für immer!" Zumindest war das früher so. Heutzutage lässt sich das gut wieder entfernen. Aber damit verblasst auch die, meist spannende, Entstehungsgeschichte des Tattoos.

Von Refinery29-Autorin Amelia Abraham

Billie

Billie: "Ich wollte quasi schon mein ganzes Leben lang ein Tattoo haben. Meine ältere Schwester und ich tauschten immer Ideen dazu aus. Ungefähr ein Jahr lang sprachen meine Freunde und ich darüber, dass wir eines machen lassen wollen und irgendwann fiel mir dann eine Kirsche als Motiv ein. Sie ist auf der Seite meines Knöchels. Genau an derselben Stelle, wo meine Schwester ihr erstes Tattoo bekam. Ich wollte es irgendwo haben, wo es nicht so offensichtlich ist, sodass man es nicht ständig sieht. Und auch, damit meine Eltern es nicht sehen können, um ganz ehrlich zu sein. Ich wollte "Cherry-Blossom" genannt werden. Das war der schlichte Gedanke dabei. Ich mag nun mal Kirschen, Würfel und all diese kitschigen Tattoos, wenn sie nur gut gemacht sind. Ich habe es mir selbst mit Nadel und Farbe gestochen!

Ich bereue es nicht unbedingt, aber es ist ziemlich schlecht gemacht und verblasst, deshalb zeige ich es nicht überall herum. Ich werde es nachstechen lassen, sobald ich besser bezahlt werde. Viele sagen, dass es ziemlich gut geworden ist, wenn man bedenkt, dass ich es selbst gemacht habe. Ich würde es nicht weghaben wollen und es hat mich definitiv nicht von weiteren Tattoos abgehalten. Wenn überhaupt wollte ich danach noch mehr, weil mir dadurch klar wurde, dass sie nicht so eine große Veränderung bedeuten, wie ich dachte. Natürlich bleiben sie für immer da, aber das ist nichts, über das ich ständig nachdenke."

Es gibt verschiedene Arten von -Reue. Ich weiß das sehr genau. Das Herz-Tattoo hinter meinem Ohr bereue ich nur ein bisschen. Den Heißluftballon unter meiner rechten Brust etwas mehr. Und das Satanssymbol auf meinem Hinterkopf sehr. Aber ich hasse keines von ihnen genug, um es entfernen zu lassen. Ich habe mich an sie gewöhnt und obwohl ich mich heute vielleicht gegen sie entscheiden würde, stören sie mich nicht sonderlich.

Jedes Tattoo hat eine Geschichte zu erzählen. Etwa über spontane Verantwortungslosigkeit, Freundschaft oder auch eine Reise ins Ausland. Über Freunde, die ihre Tattookünste ausprobieren wollten oder einen vermeintlichen Tattookünstler, der seinen Mangel an Talent verewigte. Tattoos erzählen immer etwas über die Person, ob gewollt oder nicht.

Wir zeigen anhand von Porträts der Londoner Fotografin Matilda Hill-Jenkins fünf Menschen und ihre Sicht auf die eigenen Tattoos. Was ist ihre Story? Bereuen sie ihre Entscheidungen? Würden sie es gar wieder tun?

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