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Der NEON-Dreier: Wenn mein Escortjob zur Therapie-Stunde wird

Dilara wurde als Kind sexuell missbraucht und hat noch nie einen Orgasmus gelebt. Hilfe sucht sie sich bei einem professionellen Sex-Arbeiter.

Von Pascal Schaefers

Zu Beginn küssten wir uns ausgiebig. Ihr Körper zitterte vor Aufregung und Erregung.

Zu Beginn küssten wir uns ausgiebig. Ihr Körper zitterte vor Aufregung und Erregung.

Manche Escortjobs haben einen therapeutischen Charakter. Nicht von vornherein, meist stellt sich das Problem erst nach einigen Treffen heraus. Kunden schämen sich für ihre Impotenz oder sind unsicher darin, das eigene Begehren auszudrücken. Ich habe mit der Zeit gelernt, damit umzugehen. Manchmal komme ich aber auch an meine Grenzen. Wie bei Dilara.

Wir verabredeten uns zunächst privat über das Forum "Joyclub" direkt bei ihr zu Hause, zum Sex. Ich war also damals zunächst nicht im Dienst als Escort. Sie ist Iranerin und schon als Kind nach Deutschland gekommen. Wir sind gleich alt, sie ist wahnsinnig attraktiv: ein verschmitztes Lächeln, dunkles, lockiges Haar, und sie hat einen fetten als Rechtsanwältin.

"Lass mich erst mal eine rauchen, dann können wir ins Schlafzimmer", sagte Dilara. Aus der einen wurden drei. "Triffst du dich öfter so direkt zu Hause?", fragte sie. Ich erzählte, dass ich nebenbei als Escort arbeite, was für Frauen meist ein Turn-on ist. Auch bei Dilara schien es zu funktionieren. Jedenfalls landeten wir schnell im Bett. Inmitten der Annäherung jedoch schrie sie auf einmal: "Nein, geh weg, ich will nicht mehr!" Unmittelbar danach nahm sie es wieder zurück: "Ach, komm doch." Ein Hin und Her zwischen Wollen und Ablehnen, das sich mehrmals wiederholte. Sie fing an, mich wegzuschubsen. Ich brach ab.

Dilara wurde sexuell missbraucht

Sie erzählte mir, dass sie als Kind sexuell missbraucht worden sei und bis heute noch nie einen erlebt habe. "Ständig treffe ich neue Männer. Und es geht eigentlich nie über ein Treffen hinaus, weil ich nicht den Sex bieten kann, der normal ist." Ich nahm das so hin, war jedoch überzeugt, dass zwischen uns schon etwas entstehen würde. Doch auch der zweite Versuch scheiterte. Sie war zwar wahnsinnig erregt, aber ab einem bestimmten Zeitpunkt, den ich überhaupt nicht vorhersehen konnte, schrie sie wieder "Stopp", zitterte am ganzen Körper und zog ihre Beine zusammen. Die Situation war auch für mich verstörend. Nach einem weiteren Gespräch verabschiedete ich mich höflich.

Draußen auf der Straße überkam mich eine große Traurigkeit. Ich konnte ihr Problem nicht lösen. Das schrieb ich ihr auch, und sie verstand es. Zwei Tage später aber textete sie mir nochmals. Ob ich mir vorstellen könne, dass sie mich dafür bezahle, mich mit ihr zu beschäftigen, körperlich, um ihr einen Weg zu ihrer eigenen Sexualität zu bahnen.
Als Job erschien mir eine Begegnung wieder möglich. Bekomme ich Geld dafür, habe ich nicht das Gefühl, aus Mitleid zu handeln. Etwas unheimlich war mir, dass sie mich darum bat, sie zu fesseln. Ich stimmte aber zu. Sie ist eine Frau, die weiß, was sie tut, und vielleicht ist das für sie tatsächlich der richtige Weg, ihre Abwehrreflexe zu überwinden, dachte ich.

Ich näherte mich ihr langsam

Zu Beginn küssten wir uns ausgiebig. Ihr Körper zitterte vor Aufregung und Erregung. Ich berührte ihren Rücken, ihre Brüste, ihr Geschlecht. Dann wollte sie, dass ich vor ihr onaniere. Es gefiel ihr, mir dabei zuzugucken. War sie neidisch auf meine Fähigkeit, meine Lust zu leben? Sie streckte alle viere von sich. "Ich schäme mich für meinen Körper", sagte sie und schaute an sich herunter. Trotzdem öffnete sie die Beine. Ich fixierte Hände und Beine an den Bettenden und zog ihr eine Gesichtsmaske über. Auch darum hatte sie vorab gebeten, da sie wohl hoffte, sich so ganz auf sich selbst konzentrieren zu können.

Ich berührte sie vorsichtig, damit sie sich an die Nähe gewöhnte. Ich stimulierte ihre Klitoris. Sie stöhnte. Ich stellte mir vor, so in sie einzudringen. Der Gedanke wurde jedoch durchbrochen von einem gellenden Schrei. Ich löste sofort die Fesseln. "Alles okay, ich wollte das so. Vielleicht gehen wir beim nächsten Mal weiter", sagte sie.

Wir trafen uns in den darauffolgenden Wochen noch zwei Mal. Weiter kamen wir nicht. Intensive erotische Begegnungen fanden jedoch im Chat statt. Dort fragte Dilara mich über mein Sexleben aus. Tag für Tag, ein paar Wochen lang. "Hast du dich heute schon angefasst?" oder "Wie war das Date gestern mit der blonden Frau?". Sie schickte mir Fotos von sich in neuer Unterwäsche. Zuletzt wollte sie sich sogar ein über eine App steuerbares Vibro-Ei kaufen, das ich zu abgesprochenen Zeiten aus der Ferne in ihrer Vagina aktivieren sollte. Irgendwann versiegte ihr Begehren.

Manchmal schreiben wir uns heute noch, aber eher oberflächlich. Oft muss ich an das denken, was sie mir nach einem der Treffen beiläufig erzählte: Sie überlege, ihren Eltern das Okay für eine Heirat zu geben. Sie habe einen Deal mit ihnen, dass sie ihr einen Mann aussuchen dürften, wenn sie selbst bis zum 27. Lebensjahr nicht fündig geworden sei.


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