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"Not Alone": Warum sich diese Netflix-Doku über Suizid bei Teenagern lohnt

Netflix-Tipp für das Wochenende gesucht? Die Dokumentation "Not Alone" greift das Thema Depression und Suizid bei Schülern brutal ehrlich und ohne Berührungsängste auf.

Not Alone

Filmemacherin Jacqueline Monetta liegt das Thema Depression und Suizid aus persönlichen Gründen am Herzen: Ihre beste Freundin nahm sich das Leben.

Richtig heftig war die Kritik, die Netflix im vergangenen Jahr einstecken musste. Die Serie "Tote Mädchen lügen nicht" sorgte bei Psychologenverbänden für Aufruhr. Sogar verbieten lassen wollte man die Geschichte über eine Schülerin, die sich das Leben nimmt. Der Vorwurf: Zu fahrlässig werde mit dem schwierigen Thema umgegangen, der Suizid der Protagonistin Hannah Baker werde romantisiert und verklärt.

Netflix reagierte zwar und baute mehr Warnhinweise ein - trotzdem blieb die Serie problematisch. Aber durch den Erfolg der Show wurde mehr als deutlich, dass das Thema Depressionen und Bullying an Schulen einen Nerv trifft. Man muss sich einmal vorstellen: Nach Verkehrsunfällen sind Suizide die zweithäufigste Todesursache unter den 15- bis 20-Jährigen. Trotzdem ist Suizid von Teenagern immer noch ein Tabu - und genau das hat die Amerikanerin Jacqueline Monetta geärgert.

Sechs Schüler waren tot - und die Filmemacherin wollte nicht länger untätig bleiben

Die 18-Jährige kannte an ihrer High School sechs Menschen, die sich das Leben genommen haben, darunter auch ihre beste Freundin. "Ich fühlte mich schuldig, weil ich die Warnzeichen damals nicht kannte", erzählt sie. Um aufzuklären, besser zu verstehen und vor allem, um Hilfestellung zu bieten, hat sie 2016 die Dokumentation "Not Alone" gedreht. Und die lohnt sich. 


"Not Alone" läuft bei und macht vieles richtig, was "Tote Mädchen lügen nicht" falsch gemacht hat: Sie lässt die Betroffenen selbst zu Wort kommen und verklärt dadurch Depressionen nicht. Sie guckt ohne Urteil in dunkle Abgründe, aber sie zeigt auch einen Weg raus. Teilweise sind die Protagonisten Freunde von Monetta, andere hat sie über einen Facebook-Aufruf kennengelernt. Sie alle haben ganz unterschiedliche Geschichten. Wer "Not Alone" gesehen hat, weiß hinterher, wie es sich anfühlt, anders zu sein. Wie man mit Menschen mit Depressionen umgehen kann. Und was man tun kann, um die Krankheit zu überleben.

Es ist eine Doku von Teenagern für Teenager - und allein diese Augenhöhe macht sie sehenswert. 

Du hast suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

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