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Job: Ist das schon Sexismus oder werde ich vom Chef nur besser behandelt?

Sich als junge Frau die Führungsetage mit ausschließlich männlichen Kollegen zu teilen, ist immer noch ein gängiges Bild in deutschen Unternehmen. Wie es ist mit Chefs im besten Alter und ob man die Sonderbehandlung nicht einfach annehmen sollte – unsere Autorin berichtet. 

Von Nora Stankewitz

Ein Mann und eine Frau im Büro (Symbolbild)

Wo fängt Sexismus im Job an, fragt sich unsere Autorin (Symbolbild)

Ich bin gut ausgebildet. Habe beruflich schon einiges gemacht. Auch Führungspositionen waren schon dabei. Aber ich bin auch weiblichen Geschlechts. Und das spielt im Umgang mit mir wohl doch für Männer , die – wie sagt man so schön – im besten Alter sind, eine nicht unwesentliche Rolle. Als Abteilungsleiterin bei verschiedenen Arbeitgebern hatte ich es in Meetings mit anderen mir Gleichgestellten ausschließlich mit Männern zu tun. Nur unwesentlich älter als ich. Die Chefs gehörten natürlich in die oben beschriebe Gruppe der Männer im besten Alter.

Es herrschte meist ein wirklich gutes Klima. Dass ich die einzige Frau war, störte mich nicht, noch empfand ich es als ungerecht. Wir kamen gut miteinander aus, schätzten uns gegenseitig und die Arbeit der Kollegen. Als junge Frau war das ein Traumarbeitsumfeld. Meistens.

Unterschwelliger Sexismus im Arbeitsumfeld

Wäre da nicht dieser unterschwellige Sexismus gewesen, dessen Auswirkungen mir meist erst nach einer Weile und auch eher schleichend aufgefallen sind. War ich mal einen Tag abgeschlagen oder müde, wussten meine Chefs das mit einem mitfühlenden Tonfall zu bemerken. Gerne in Verbindung mit meinem Aussehen. Vielen Dank fürs Mitgefühl, äußerlich bewertet möchte ich deshalb aber nicht werden.

War ich aus dem Urlaub zurück und hatte vielleicht etwas Farbe bekommen, wurde auch das wohlwollend, fast als Kompliment verpackt kommentiert. Ist doch nett? Ja, das dachte ich auch. Bis mir auffiel, dass meine Chefs das nur bei mir oder höchstens noch anderen Kolleginnen machten, um dann noch eine eigentlich schlechte Nachricht hinterher zu schieben. Männliche Kollegen, so waren sie wohl der Meinung, konnten diese auch ohne ein Kompliment über ihr Aussehen verkraften.

Weiter ging es oft auch mit Bemerkungen über mein Gewicht und die Mahnungen doch bitte nicht abzunehmen – auch das gekoppelt an die Sorge, ich könnte krank sein und wohl bald ausfallen. Leider war ich davon meistens so in die Ecke gedrängt, dass mir in diesem Moment keine schlagfertige Antwort einfiel. Nichts, dass irgendwie hätte ausdrücken können, dass ich mich von solchen Bemerkungen bedrängt fühle und für mich damit eine gewaltige Grenze überschritten wurde.

Kampagne gegen Sexismus

War ich dann mal krank zuhause, wurde ich komplett in Ruhe gelassen. Ist ja eigentlich selbstverständlich und gut so, oder? Das Problem war für mich jedoch wieder einmal der Unterschied zu meinen Kollegen. Waren sie krank oder im Urlaub, wurden sie immer wieder kontaktiert, wichtige Fragen geklärt. Ein paar Tage ohne sie ging es wohl nicht. Ohne mich eben schon. Sie waren einfach zu wichtig fürs Unternehmen – zumindest ist das die Message, die bei mir ankam.

Ich gebe zu, es klingt vielleicht verlockend diese Sonderbehandlung einfach anzunehmen. Nichts drauf zu geben, dass man als Frau eben in diesen zweifelhaften Genuss kommt. Aber dann würde ich auch alles andere zulassen, was zu Sexismus gehört.

Sexismus darf man sich nicht gefallen lassen

Und ich fühlte mich eigentlich nie von Sexismus betroffen. Aber da war ich wohl gnadenlos blind. Mich heute darüber zu ärgern, mich nicht beschwert zu haben, macht keinen Sinn. Dennoch frage ich mich, warum mir die ganze Misere erst auffiel, als sich einer meiner Chefs mit einem Bein auf meinem Rollcontainer, mir breitbeinig seinen Schritt präsentierend, vor mir aufbaute. Eine Hand in seinem noch vollen Haar sah er auf mich herab und hielt mir einen Vortrag über eine Nichtigkeit. Schon da hätte ich aufstehen und deutliche Worte dafür finden sollen, dass ich keine sexistische Behandlung dulde. Weder bei der Arbeit noch sonst irgendwo.

Heute finde ich solch ein Gebaren einfach nur armselig. Es ist ein Zeichen für die Unsicherheit in meinem Gegenüber und ich muss so etwas nicht akzeptieren. Ich bin eine Frau, eine Kollegin, eine Freundin, aber bestimmt kein Mäuschen, dass sich auch nur noch einmal mit dem Schritt eines Chefs unterhält.

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