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Klingt komisch, ist aber so! Warum wir alle ein bisschen wie Til Schweiger sein sollten

1) Schweigers Karriere begann 1990 in der Lindenstraße. Dort spielte er Jo Zenker, der später wegzog und nach Hollywood ging – so wie Schweiger.
 
2) Als leidenschaftlicher Fan von Quentin Tarantino hat Schweiger seine Produktionsfirma „Mr. Brown Entertainment“ nach einer Figur aus dessen Film „Reservoir Dogs“ benannt. In dieser Rolle hat Tarantino in dem Thriller selbst einen Auftritt.
 
3) Vor Jahren will Schweiger mit seinem Kollegen Heiner Lauterbach Heroin geschluckt haben. Allerdings: „Es war das erste und letzte Mal.“
 
4)In seinem Kinderzimmer hing ein Paul-Newman-Poster. Der Hollywood- Star ist bis heute sein Vorbild.
 
5) Til Schweiger legt sehr viel Wert auf gesunde Ernährung. Am liebsten isst er frisches Dinkel-Vollkornbrot.
 
6) Als die Aschewolke über Europa verhinderte,  dass Schweiger nach der Premiere von „Zweiohrküken“ von Moskau nach Berlin fliegen konnte, nahm er das Auto. Die Fahrt dauerte 32 Stunden.
 
7) Schweiger ist sehr tierlieb, vor Pferden hat er aber Angst. Beim Dreh zu „Barfuss“ stürzte er aus dem Sattel und verletzte sich dabei am Kopf. Seitdem lässt er
bei entsprechenden Szenen lieber ein Double reiten.
 
8) Schon vor seinem ersten Auftritt als Hamburger „Tatort“-Kommissar bekam Schweiger Ärger mit der Polizei. Sie rügte, dass er betrunken zu einer Preisverleihung erschienen war.
 
9) Til Schweiger pflegt zwar sein Macho-Image, doch bei einem Film kommen ihm immer die Tränen: Disneys König der Löwen.
 
10) Frei sein, das ist Til Schweiger sehr wichtig – auch wenn es um die Kleidung geht. Der Schauspieler trägt grundsätzlich keine Unterhose. 
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Til Schweiger nutzt Facebook nur zum Pöbeln. Ein Vorwurf, den sich der Schauspieler immer wieder von seinen Kritikern anhören muss. Zu Recht? Oder steckt hinter seinen bizarren Postings vielleicht mehr?

"Jeder Rechtsradikale bringt mir - ohne Scheiss - 600 Euro am Tag" - Til Schweiger auf Facebook.

Es hat etwas Bizarres, wenn man sich die Facebook-Seite von Til Schweiger anschaut. Mit eben solchen Beiträgen lässt der Schauspieler seinem Frust freien Lauf. 'Da pöbelt er wieder, der selbstgefällige, arrogante Schnösel', stöhnen seine vielen Kritiker, 'wahrscheinlich hat er zu viel gesoffen.' Widersprechen will man ihnen zunächst nicht.

Wie hat es "Spiegel Online" so schön schlicht formuliert: "Seine Facebook-Postings sind streitbar". Und das sind sie vor allem deshalb, weil sie gegen alle PR-Normen verstoßen. Wo bei anderen Stars vermutlich jeder Post minutiös durchgeplant wird, regiert beim vierfachen Familienvater das reine Chaos. Er legt wenig Wert auf Grammatik und Orthografie. Da wird mal ein Komma gesetzt, wo eigentlich keins hinkommt, zum Teil sind ganze Worte in Versalien geschrieben, er verwendet auffällig viele Ausrufezeichen und Smileys. Das lässt auf genau das schließen, was ihm seine Kritiker vorwerfen. Aber wütet er wirklich nur? Und schreibt nur wirres Zeug? Oder steckt dahinter vielleicht mehr?

Til Schweiger und der Mut, sich mit jedem anzulegen 

Til Schweiger ist nicht nur der erfolgreichste Filmemacher Deutschlands, sondern auch der umstrittenste – und irgendwie passt das nicht zusammen. Schweiger selbst hat dafür aber eine Erklärung – Neid: "Alle Menschen sind neidisch. Das ist keine Erfindung der Deutschen. Wenn ich aber ein Land nennen müsste, in dem der Neid erfunden sein könnte, käme ich auf Deutschland", so Schweiger im Interview mit "RP-Online". Als Beispiel nennt er: Lothar Matthäus, Boris Becker, Jan Ullrich oder Karl-Theodor zu Guttenberg. Alles prominente Persönlichkeiten, die in Deutschland zunächst von der Öffentlichkeit gefeiert wurden, um dann später zum Buhmann zu werden. Nur wäre die Öffentlichkeit in Frankreich oder den USA anders mit diesen Persönlichkeiten ins Gericht gegangen? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Es lässt sich nur vermuten.

Was auffällt, ist, dass sich der Filmemacher immer wieder zu Wort meldet, wenn er glaubt, dass Kritik an ihm oder anderen nicht fair ist. So nahm er beispielsweise einen Xavier Naidoo in Schutz, als dessen Nominierung für den "Eurovision Song Contest" aufgrund von kritischen Stimmen kurzerhand wieder gekippt wurde – vom NDR höchstpersönlich. "Was hier gerade von sogenannten Leitmedien abgezogen wird, das ist eine Form von Terrorismus!", schrieb er damals in einem Beitrag bei Facebook. Ob er damit recht hat oder ob die Kritik an der Person Naidoo berechtigt ist, das muss jeder für sich entscheiden. Das wirklich Bemerkenswerte daran ist allerdings, dass Til Schweiger Rückgrat hat.Er stellt sich schützend vor jemanden, auf den im übertragenden Sinne geschossen wird. Und das obwohl die Gefahr, selbst zum Ziel zu werden, groß ist. Natürlich lässt sich darüber streiten, ob die Art und Weise in Ordnung ist, wie er sich dagegen zur Wehr setzt. Aber er macht den Mund auf. "Ich bin eben so. Warum soll ich darüber wegsehen? Bin ja der Einzige, der darauf aufmerksam macht", rechtfertigte Til Schweiger mal seine Postings bei Facebook und Co. 

Keiner will mehr anecken

Verstell dich nicht. Sei du selbst. Immer wieder stößt man im Netz auf diese Sätze. Nur, wenn wir mal ehrlich sind, ist kaum jemand sie oder er selbst – zumindest nicht in den sozialen Netzwerken. Die Angst davor, von Presse, Freunden oder anderen Bekannten zerrissen zu werden, postet immer mit. Ein falsches Bild bei Instagram und es heißt sofort: "Guckt euch diesen Poser an". Ein falscher Facebook-Post, Jodel oder Tweet und die Meute zerreißt dich in Stücke. Alles ist nur noch schwarz-weiß.

Vielleicht fehlt auch deswegen vielen der Mut, mal anzuecken. Nicht immer im Helene-Fischer-Style jedem gefallen zu wollen, sondern zu provozieren. Eine klare Haltung zu haben. Doch ein Grenzgänger zu sein, macht vielen Angst. Dem Schauspieler scheinbar nicht. Und so komisch es vielleicht für viele klingen mag: Genau deshalb sollten wir alle ein bisschen wie Til Schweiger sein.

rpw

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