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Interview

Digitale Währung: Dickes B im freien Fall: Warum Bitcoin nach dem Hype abstürzt

Die Kryptowährung Bitcoin galt als Zukunft des Geldes und löste 2017 einen regelrechten Hype aus. Warum die Kurse jetzt fallen und ob du trotzdem Coins kaufen solltest – NEON hat nachgefragt.

Frau hält Münzen vor ihre Augen

Vom Hype geblendet? Die Kurse der Kryptowährung Bitcoin stürzen gerade rasant ab.

Im Room 77 treffen sich beim Bitcoin-Stammtisch einmal im Monat Menschen, die an die Zukunft des Geldes glauben. Die Kneipe in Berlin-Kreuzberg war der erste Ort weltweit, an dem man mit Kryptowährung bezahlen konnte. Jeff Gallas ist 34 Jahre alt und einer der Organisatoren des Bitcoin-Stammtisches. Er verdient sein Geld mit Bitcoin – mit dem Unternehmen Fulmo, das auf der Grundlage der Kryptowährung neue Technologien wie das Lightning Network entwickelt.

Kryptowährungen, von denen Bitcoin nur eine ist, sind das erste rein digitale Geld. Genau wie klassische Währungen sind sie eine Art Tauschmittel. Doch das Neue an Bitcoin und Co. ist nicht, dass sie digital sind. Bei Bezahldiensten wie Paypal kann man auch schon online bezahlen. Das Besondere an Kryptowährungen ist ihr System: Sie benötigen keinen Staat und keine Banken, die das Geld kontrollieren. Die neuen Währungen funktionieren dezentral – alle Teilnehmer kontrollieren sich selbst und das System, und zwar mit Hilfe von Rechnern.

Bitcoin: Woher kam der Hype?

Jeff, seit 2017 hat fast jeder schon einmal den Namen Bitcoin gehört. Damals stieg der Kurs der Währung rasant an. Woher kam dieser Hype?

Es gibt keinen spezifischen Grund, der den Kursanstieg von Bitcoin im letzten Jahr beeinflusst hat. Sehr viele Aspekte spielen dabei eine Rolle. Das Ganze ist eine Art selbsterfüllende Prophezeiung: Bitcoin gewinnt an Wert, mehr Leute kaufen, die Medien schreiben darüber, mehr Leute werden aufmerksam und kaufen und so weiter. Dabei einen speziellen Faktor zu benennen, der für den Hype verantwortlich ist, ist eigentlich nicht möglich.

In den letzten Monat ist der Kurs aber rasant gefallen: War ein Bitcoin Anfang des Jahres noch 15.500 Euro wert, waren es vor ein paar Wochen gerade mal knapp 4000 Euro. Das ist ein Verlust von 70 Prozent. Woher kommt diese Entwicklung?

Auch hier gibt es nicht die eine Begründung für die Entwicklung – aber natürlich unterschiedliche Erklärungsversuche: Ein Faktor ist, dass einige Leute viele Bitcoin besitzen und diese nicht verkaufen, sondern halten – das heißt, weniger Menschen können handeln und die Kurse steigen. Ein anderer ist die klassische Abwärtsspirale: Leute sehen, dass die Kurse fallen und verkaufen ihre Bitcoin. Andere schließen sich diesem Hype an, um möglichst wenig Verluste zu machen; die Kurse fallen. Generell lässt sich vermuten, dass der Markt einfach "überhitzt" war und sich nun erst einmal wieder beruhigen muss.

Oft wird auch die verstärkte Regulierung des Handels mit Bitcoin als Grund genannt. In Deutschland sind die Regularien der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) sehr streng. Es gab zum Beispiel den Versuch, Automaten aufzustellen, in denen man Bitcoin gegen klassisches Geld kaufen kann. Das hat langfristig aufgrund der strengen Regeln nicht funktioniert. Solche Entwicklungen wirken sich auf den Kurs der Währung eher negativ aus. Zudem darf man nicht vergessen, dass es Bitcoin gerade einmal seit zehn Jahren gibt. Noch steht gar nicht langfristig fest, wie viel ein Coin wert ist.

Als Grund für den Kursverfall wird auch viel über den Machtkampf von zwei Größen im Bitcoin-Business diskutiert. Craig White und Roger Ver haben einen Ableger von Bitcoin gegründet und kämpfen dort nun medienwirksam um die Vorherrschaft.

Ja, dieser Aspekt spielt gerade in der Berichterstattung über Bitcoin eine große Rolle. Man muss hier jedoch bedenken, dass es gar nicht konkret um Bitcoin geht, sondern um eine Version davon. Craig White und Roger Ver, die Gründer dieses sogenannten Bitcoin-Cash, waren sich über die Zukunft ihres Projektes uneinig. Ihr Zerwürfnis hat zu einem massiven Abfall des Bitcoin-Cash-Kurses geführt. Diese Entwicklung passt gerade zeitlich zu den Kursverfällen bei Bitcoin und nimmt damit auch Einfluss auf den gesamten Markt. Wenn man aber sagt, dieser Streit hätte den Markt gecrasht, räumt man der Situation meiner Meinung nach zu viel Raum ein.

Die Kurse von Bitcoin fallen, damit wird die Währung günstiger. Sollte ich also jetzt Bitcoin kaufen?

Ob du dich für Bitcoin als Investition entscheidest, sollte erst einmal nichts mit dem Kurs zu tun haben. Zu jedem Zeitpunkt und bei jedem Produkt muss man sich als Anleger informieren und überlegen, ob diese Art zu investieren langfristig Bestand haben kann. Das Auf und Ab bei Bitcoin, die sogenannte Volatilität des Kurses, gab es in den letzten Jahren oft. Man sollte sich daher nicht vom Moment mitnehmen lassen. Wenn man an das Produkt glaubt, bietet es sich natürlich an, so einen vergleichsweise niedrigen Kurs mitzunehmen. Nur als Wette oder Versuch, schnell reich zu werden, nutzt es wenig.

Was sollte ich beachten?

Hier kannst du nach drei Schritten vorgehen. Erstens gilt: informieren. Im Internet gibt es viel gutes Material, zum Beispiel bitcoin.org oder coinspondent.de. Zweitens solltest du, wie bei jeder Investition, nur Geld nutzen, auf das du nicht zum Leben angewiesen bist. Und zum Dritten macht es Sinn, Bitcoin als einen Aspekt in ein weiter gestreutes Portfolio von Investitionen aufzunehmen. Aber generell denke ich, dass das Risiko der verpassten Chance bei Bitcoin größer ist, als das von finanziellen Verlusten.

Über die Zukunft von Bitcoin

Die USA plant, börsengehandelte Fonds mit Bitcoin zu schaffen. Die sogenannten ETFs sind gerade im Investmentbereich sehr gefragt, weil quasi jeder damit ohne allzu großen Aufwand handeln kann. Was bedeutet diese Entwicklung?

(ETFs (Exchange Traded Funds) oder auch Indexfonds bilden Aktienlisten nach, sogenannte Indizes. Zum Beispiel den Börsenindex DAX. Der DAX zeigt an, wie viel die 30 größten Unternehmen in Deutschland wert sind. Ein ETF, der den Dax abbildet, würde dann genau diese 30 Aktien nachkaufen und sich so entwickeln wie der DAX. Jeder Anleger kann ETFs kaufen, indem er bei einer Direktbank oder einem Wertpapierhändler, dem sogenannten Online-Broker, ein kostenloses Online-Depot eröffnet. Anm. d.R.)

Im Endeffekt sind die ETFs ein Finanzinstrument, das an Bitcoin gekoppelt wird. Damit wäre die Kryptowährung einem größeren Publikum zugänglich, da man nicht direkt Bitcoin kaufen müsste, um zu investieren. Kursmäßig wirkt sich das meist sehr positiv aus: Wenn mehr Leute Anteile an Bitcoin haben können, wollen auch mehr Leute handeln. Bis diese Idee aber konkret umgesetzt ist, müssen noch einige Hürden aus dem Weg geräumt werden. Für die Entwicklung von Bitcoin als Währung kann dieser Prozess aber durchaus zuträglich sein. Denn wenn mehr Leute in Bitcoin investieren, steigt nicht nur der Kurs – sondern es fließt auch mehr Geld in die Entwicklung neuer Technologien.

Wie schätzt du die Zukunft von Bitcoin ein?

Es gab in den letzten Jahren immer große Kursschwankungen und ich glaube nicht, dass es dieses Mal etwas anderes ist. Dieser Kursverfall bietet die Möglichkeit einer Erneuerung – nach dem Winter kommt auch immer wieder der Frühling. Es passiert im Hintergrund viel Entwicklungsarbeit, um Bitcoin weiter zu optimieren, zum Beispiel mit der Entwicklung des Lightning Netzwerks. In Zukunft wird Bitcoin noch mehr in der Mitte der Gesellschaft ankommen und dort genutzt werden.

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