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Interview

Gründen: Sei dein eigener Chef: Was es bei der Selbstständigkeit zu beachten gibt

Für viele klingt es wie ein Traum: selbstständig sein. Kein nörgelnder Chef, nur Projekte, die Spaß machen und ein Gehalt nach Leistung. Doch ist es wirklich so traumhaft und innovativ? Gründerin Katharina Marisa Katz hat ein Buch darüber geschrieben.

Gründerin Katahrina Marisa Katz arbeitet viel im Home Office

Gründerin Katahrina Marisa Katz arbeitet viel im Home Office

Sein eigener Chef sein, aus der Hängematte arbeiten und sich selbst das Gehalt auszahlen – selbstständig sein ist für viele Arbeitnehmer ein Traum. Aber eben auch eine große Hürde, denn wer blickt bei Steuererklärung, Gründerzuschuss und Markendesign schon durch?!

Katharina Marisa Katz hat das geschafft, wovon viele träumen: Die 34-Jährige hat sich mit ihrem Blog selbstständig gemacht, heute berät sie Unternehmen im Bereich Food. Als Creative Consultant bereitet sie das Thema "Essen" modern auf, zum Beispiel mit Food-Videos. Nach mehr als fünf Jahren als Gründerin und Selbstständige hat sie ein Buch geschrieben. In "Einfach machen" fasst sie wichtige Tipps und Informationsquellen zum Gründen zusammen. NEON hat mit ihr gesprochen.

Katharina, was macht Selbständigkeit für dich attraktiv?
Für mich ist es die totale Freiheit zur Selbstbestimmung. Ich arbeite zum Beispiel wahnsinnig gern morgens. Wenn man einen Büroalltag hat, ist das oft schwierig. Selbst wenn man um halb acht kommt und dann nach acht Stunden gehen möchte, sieht es für die Kollegen gern so aus, als ob man immer früh Schluss macht; obwohl man eigentlich viel gearbeitet hat. Heute kann ich mir meine Arbeitszeit frei einteilen und das gibt mir ein echtes Freiheitsgefühl. So kann ich mal ein Wochenende durcharbeiten und eben Montag und Dienstag frei machen. Und ich kann mir natürlich auch meine Kunden aussuchen.

Heute bist du selbständig – wie bist du dazu gekommen?
Ich hatte immer schon die Idee, mal selbstständig zu sein, aber nie eine konkrete Vorstellung mit was genau. Nach dem Studium habe ich im journalistischen Bereich und später für Start-Ups gearbeitet. Aber irgendwann war ich an dem Punkt, wo ich ganz viel gemanaged habe, aber gar nicht mehr richtig kreativ arbeiten konnte. Dann habe ich nebenbei mit einer Freundin ein Online-Magazin im Bereich Food gegründet, eine Leidenschaft von mir. Das war vor fünf Jahren. Mit der Zeit haben wir immer mehr Aufträge bekommen und schließlich habe ich meinen eigentlichen Job auf drei Tage reduziert – obwohl man mir dort eine Beförderung angeboten hat. Aber ich wollte einfach mehr für mich arbeiten und mein eigenes Ding machen. Und schließlich habe ich dann ganz gekündigt.

In ihrem Buch "Einfach machen" gibt Katharina Marisa Katz Tipps für potentielle GründerInnen

In ihrem Buch "Einfach machen" gibt Katharina Marisa Katz Tipps für potentielle GründerInnen

Wie ist dein Start als Selbstständige verlaufen?
Mein Start in die Selbstständigkeit verlief recht reibungslos. Ich hatte erst einmal keine großen Kosten: Ich habe bei mir zu Hause gearbeitet und musste nur meinen Laptop und den Strom bezahlen. Zudem habe ich mir vorher ein Netzwerk aufgebaut, bin auf Veranstaltungen gegangen, habe mich gezeigt – gar nicht, um unbedingt einen Job zu bekommen, sondern um mit der Branche in Kontakt zu bleiben. So bin ich schließlich auch an Aufträge gekommen, ohne dass ich viel akquirieren musste. Also nicht am Schreibtisch sitzen, wenn es nicht läuft, sondern rausgehen und Kontakte knüpfen! Als erstes habe ich mir das Polster für eine eventuelle Steuerrückzahlung zurückgelegt, denn die ist oft deutlich höher als man denkt. Den Rest des Geldes konnte ich mir dann schon als Gehalt auszahlen.

Wann konntest du davon leben?
Ich konnte schon nach einem Jahr davon leben. Nach der Kündigung bei meinem alten Arbeitgeber war ich eine kurze Zeit bewusst arbeitslos gemeldet und konnte so beim Arbeitsamt den sogenannten Gründungszuschuss beantragen. Dabei bekommt man über einen Zeitraum von einem halben Jahr einen Betrag in der Höhe des Arbeitslosengeldes, plus 300 Euro, um die Krankenkassenbeiträge zu bezahlen. So konnte ich mir schon direkt ein Gehalt auszahlen, das nicht so viel geringer war, als zu meinen Zeiten als Festangestellte.

Was waren die größten Hürden?
Es ist wichtig, sich selbst gut zu organisieren: Es sagt dir zwar niemand, dass du länger bleiben musst, aber du hast eben auch keinen Feierabend oder eine Vertretung, wenn du krank bist. Man muss daher auch gut auf sich aufpassen und Freizeit konkret einplanen.

Jetzt bin ich Anfang zwanzig und habe vielleicht noch gar nicht so viele Jobs in meinem Leben gemacht. Kann ich mich auch dann selbstständig machen?
Diese Alter ist eigentlich ein guter Zeitpunkt, um sich selbstständig zu machen. Man kommt in der Regel noch mit wenig Geld aus, wenn man keine Familie versorgen muss. Sagen wir, ich brauche 500 Euro für die Miete, ich rechne 300 Euro für Essen und 200 Euro für den Rest – dann brauche ich effektiv 1000 Euro im Monat. Hinzu kommt natürlich die Krankenversicherung. Auch Zuschüsse wie der Gründungszuschuss fallen eventuell weg, weil man dafür Arbeitslosengeld beantragen muss – das bekommt man aber nur, wenn man schon gearbeitet hat. Wenn ich mir mit diesen Voraussetzungen einen Puffer schaffen will, könnte ich mir zum Beispiel einen Nebenjob suchen und Geld ansparen. Mit 3000 Euro würde ich dann drei Monate ohne Einnahmen aus meinem Unternehmen überleben können, wenn ich nichts verdiene.

Du hast ein Buch für GründerInnen veröffentlicht unter dem Titel "Einfach machen". Was würdest du Leuten raten, die sich selbstständig machen wollen?
Genau das "Machen" ist der Punkt, an dem viele scheitern. Wenn man nicht loslegt, wird man sich ein Leben lang fragen, ob es nicht vielleicht doch geklappt hätte. Allerdings sollte man sich erst einmal genau überlegen, was man machen möchte – und wie die Selbstständigkeit aussehen soll. Wie sieht der Markt gerade aus? Kann man von dieser Tätigkeit heute noch leben? Und kann man sein Repertoire vielleicht um ein Standbein erweitern? Wie und wo kann ich arbeiten? Dabei ist es auch völlig egal, in welche Richtung man sich selbstständig machen möchte. Zudem sollte man sich ein Sicherheitsnetz aufbauen, bevor man in die Selbstständigkeit geht. Eine Möglichkeit ist, Rücklagen zu bilden, Förderung zu beantragen, oder erst einmal noch Teilzeit im alten Job zu bleiben. Oft dauert es einfach eine gewisse Zeit, bis man mit seiner Selbstständigkeit Geld verdient und diese Zeit sollte man überbrücken können. Und zum Schluss sollte man einfach mutig sein – es wird immer Aspekte geben, die dagegen sprechen.

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