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Flynn McGarry: Dieser Star-Koch ist erst 19 Jahre alt - und hat schon sein eigenes Restaurant in New York

Flynn McGarry kocht seit er zehn Jahre alt ist. Und zwar keine Tiefkühlpizza, sondern komplizierte Menus. Jetzt eröffnet das Wunderkind der Foodszene in New York sein erstes eigenes Restaurant. Mit 19. NEON hat ihn getroffen.

Chef Flynn McGarry

Flynn McGarry steht seit seinem zehnten Lebensjahr täglich stundenlang in der Küche.

Das Bett lässt sich zur Wand klappen, dann ist mehr Platz im Kinderzimmer. Für die Mikrowelle zum Beispiel, den riesigen Kühlschrank oder das zweite Set an Herdplatten. Und für die Messersammlung, mit der Flynn McGarry blitzschnell schnippeln kann. Der Kalifornier mit der rotblonden Haartolle ist elf Jahre alt, als er stolz vor der Kamera zeigt, wie er in seiner Mini-Küche schläft und arbeitet. Die Szene ist im Dokumentarfilm "Chef Flynn" zu sehen, der gerade auf der Berlinale lief. Im November ist Flynn 19 geworden - und eröffnet in der kommenden Woche sein erstes eigenes in New York. Auf der Speisekarte: ein gehobenes 12-Gänge-Menü, ausgetüftelt vom Teenie-Koch höchstpersönlich.

Flynn McGarry gilt als Justin Bieber des Kochens

Seeigel mit Karotten-Kaffee-Mus, geräucherte Datteln, Kartoffeln in Muschel-Sud - Flynn liebt gediegenes Essen. Ein Leben ohne Kochen kennt er schon lange nicht mehr. "Zehn Jahre Kindheit waren genug", scherzt Flynn in Berlin. Angefangen hat alles mit Dinner-Partys für Freunde im Haus seiner Eltern in Los Angeles. Die Gäste waren begeistert. Und weil Flynn so hartnäckig war und sich stundenlang mit neuen Rezepten beschäftigte, installierten ihm seine Eltern irgendwann die Küche ins Kinderzimmer. Mit 13 machte er ein Praktikum bei Sternekoch Daniel Humm, mit 15 war er auf dem Cover des " Magazine" zu sehen, mit 16 zog er nach New York, mietete sich kurzzeitig in sogenannten Pop-Up-Restaurants ein und kochte dort seine Menus. Die "Vogue" taufte ihn den "Justin Bieber of Food", Flynn saß schon bei Jimmy Fallon oder David Letterman in der Show. Trotz des Hypes wirkt er bei seinem Besuch in Berlin ziemlich bodenständig, was vielleicht auch an seinem harten Arbeitsalltag liegt.

Me in the kitchen needing a haircut @gem.nyc

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Von sieben Uhr morgens bis weit nach Mitternacht schuftet Flynn in seinem Restaurant, das gerade testweise schon für Freunde und Bekannte geöffnet ist. "Vorgestern stand ich bis vier Uhr morgens in der Küche zum Spülen. Das sagt dir vorher keiner, aber wenn der Tellerwäscher nicht auftaucht, bleibt es an dir hängen", erzählt er NEON. So viel Schlaf wie auf dem Flug von New York nach habe er seit Wochen nicht mehr bekommen. Flynn ist Perfektionist. "Ich bin verrückt nach Details. Ich kann 18 Stunden am Tag damit verbringen, sicherzustellen, dass alles in die gleiche Größe geschnitten wurde. Und ich liebe es! Aber ich weiß, dass es ein wenig verrückt ist, niemand Normales macht das."

The course with lots of squash on our current menu @gem.nyc photo by @lizclayman

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Auch sein Restaurant ist etwas anders als die der Konkurrenz: Wer ins "Gem" nach Chinatown kommt, soll sich ein bisschen so fühlen wie die Gäste damals auf den Dinner-Partys bei seinen Eltern. Gegessen wird an drei verschiedenen Stationen, erst geht's ins Wohnzimmer, dann in die Küche, dann ins Esszimmer. Für 155 Dollar bekommt man mindestens 12 Gänge serviert, darunter Erdnuss-Cracker mit Stopfleber oder rote Beete im Stil von "Pulled Pork". Zum Schluss kommt ein Topf Nudeln auf den Tisch, etwa zum geschmorten Lamm. Alkohol gibt’s auch, kostet aber extra – und für die Lizenz musste seine ältere Schwester unterschreiben, schließlich gilt Flynn in den USA noch als minderjährig. Trotzdem trägt er jetzt die Verantwortung für zehn Angestellte und die rund 36 Gäste pro Abend.

Ziemlich viel Druck, könnte man meinen. "Ich hab mich schon immer mit den Besten gemessen. Ich bin an hohe Ansprüche gewöhnt", meint Flynn schulterzuckend. Nach seinem größten Traum für die nächsten Jahre gefragt sagt er dann aber: "Mal ein bisschen Freizeit zu haben." Vielleicht waren die 10 Jahre Kindheit eben doch nicht genug. "Am liebsten mache ich in Italien Urlaub. Wer weiß, vielleicht ziehe ich irgendwann dort hin", plant Flynn schon weiter. Eine Auszeit mit ein bisschen Dolce Vita hätte er sich jedenfalls verdient.

Flynn McGarry

Flynn McGarry beim Kulinarischen Kino der Berlinale. Er gab den Köchen in Berlin per Video-Chat Anweisungen, bevor er selbst in die Küche kam.