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NEON-Online-Knigge: How to Meme: Was beim Verlinken deiner Liebsten alles schiefgehen kann

Mimi? Mimimi? Meme! Dieser Teil unseres NEON-Online-Knigge beschäftigt sich mit dem allerallergrößten "Thing" unserer Zeit: Memes. Denn beim Taggen kann es ganz schön heikel werden ...

Von Nils Ketterer

How to Meme

Wenn du diese Oma nicht kennst, hast du auch keine Ahnung von Memes

Getty Images

Memes sind life. Für mich zumindest. Sie sind Insiderwitze, Kultur, Politik, Sozialkritik, Geschichte, News, Satire, Liebe, Sex, Komik, alles in einem. Memes verbinden Menschen, die nicht die gleiche Sprache sprechen, oder unterschiedlich alt sind. Memes spalten Bekanntschaften oder testen Freundschaften. Sie können viel mehr sagen als tausend Worte und Bilder zusammen. Memes waren auch immer schon da, weil sie eigentlich nur "Mems" sind, also Erinnerungen mit Bedeutung.

Per dieser Definition wäre der Stinkefinger auch ein Meme, oder das Ritual, jemandem "Happy Birthday" zu singen. Memes können in Videoform auftauchen, Fotos sein oder Text oder ein Mix von allem. Und trotzdem kennt man den Begriff hierzulande nicht. Maximal "Nachdenkliche Sprüche mit Bilder" – schon mal gehört, sagt man dann. Nicht mal einen richtigen Wikipedia-Artikel haben wir dafür. Aber macht nichts, in diesem Knigge geht es um ein paar Situationen rund um die viralen Gedankenfetzen. 

Was sich liebt, das tagged sich

Über Memes kann man schreiben, was man will. Unter ihnen aber auch. Meistens sind das dann Namen von Menschen, die einem lieb und teuer sind. Aber heikle Situationen gibt es schon ein paar in diesem abstrusen Universum. Es vertaggen sich unter Memes Freunde, Kollegen, Lebenspartner, oder Familienmitglieder. 

Man munkelt leise, Freundschaften gehen zur Neige, wenn man sich nicht mehr unter viralen Memes verlinkt oder unter den falschen. 

Ähnlich ist es mit Beziehungen und Liebesgeständnissen. Trotzdem ist jemanden verlinken heikel, weil man sich komplett aus dem Fenster lehnt: Kennt die Person das Meme etwa schon? Wird es ihr gefallen?

Es ist riskant, liebe Freunde. Es ist wie lieben. Man muss sich auf den Rücken legen, sein Herz aufmachen und hoffen, dass keiner zusticht. Oder noch schlimmer: das Meme nicht liked.

Kenn ich schon!

Das ist der Satz, der am meisten wehtut. Denn er ist nicht nur Ablehnung von Zuneigung und höchste Verletzung des Egos; er bedeutet auch, dass hier ein kleines Machtgefälle besteht: Meme Kenner ist definitiv versierter im Internet, informierter, schneller und infolgedessen ein wesentlich besserer Mensch. Es gibt verschiedene Ligen, in denen man spielen kann. Und auch bei Memes gilt: Wer zuletzt kommt …

Nicht lustig?

Schwierig, sehr schwierig. Jemand schickt euch ein Meme oder verlinkt euch – aber ihr findet es auf Teufel-komm-raus nicht lustig? Dieses schleichende Gefühl macht sich in euch breit. Dieses fiese Gefühl der Abscheu und des Nichtantwortens und der Awkwardness.

Nun habt ihr nur zwei Möglichkeiten. Höflich antworten, dass das sehr nett war und hoffen, dass sich diese Person entweder von selbst aus dem Staub macht, oder ihr euch an einem anderen Zeitpunkt im Universum vielleicht einmal gut genug kennen lernen dürft, dass so etwas nicht mehr passiert. Oder einfach die Freundschaft komplett beenden, beziehungsweise den Kontakt zu dieser Person abzubrechen und ihre Telefonnummer auf eine Insel im Pazifik verbannen, wo sie langsam aber sicher dem Klimawandel zum Opfer fallen wird. Ich weiß, es klingt radikal, aber es ist nur zu eurem Besten.

Memes muss man fühlen

Ich komme immer wieder in die Situation, Memes erklären zu müssen. Manchmal ist es meine Oma, die überhaupt nicht versteht, warum ein grüner Frosch auf dem Fahrrad irgendetwas mit unserem Leben zu tun haben kann. Wenn mich jemand fragt, sage ich einfach, sie sollen memezar auf Instagram folgen, weil die gerade Menschheitsgeschichte schreiben.

Die Wahrheit ist, dass man es am Ende des Tages nicht erklären kann. Es gibt tausende Meta-Memes, also Memes über Memes, oder Erklärvideos auf Youtube – und alle Ansätze sind sich einig, dass es super schwierig ist, zu erklären, was Memes sind. Am besten zeigt man eins her, das einen gerade berührt – und überlässt sie ihrer Magie. Weil eines darf man wirklich nicht mit ihnen tun: sie erklären. So gehen sie nämlich kaputt. Memes muss man einfach fühlen.

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