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NEON-Online-Knigge: Die richtige Messaging-Etikette: Bitte, kommt einfach zum Punkt!

Der NEON-Online-Knigge lehrt Moral und Anstand im Internet und führt durch Themen wie Messaging, Posten, Taggen, Hashtags und Liken. Teil 1: Lesen und lesen lassen.

Von Nils Ketterer

Mädchen am Smartphone

Smartphone schön und gut, findet unser Autor, aber nur, wenn wir uns an ein paar wichtige Regeln halten!

Getty Images

Liebe Bewohner von Neuland,

wie ja alle (außer unserer Bundeskanzlerin) wissen, leben wir seit ein paar Jahren in Neuland. Das Problem ist folgendes: Ihr denkt, ihr kennt euch dort aus. Aber in Wahrheit liegt ihr da nur am Strand herum und habt keine Ahnung von Sprache und Gepflogenheiten, ihr esst Neuland-Suppe mit der Gabel und führt euch auf wie Polt in . Gesetze gibt es hier nur wenige, zum Beispiel das des Lauteren.

Es ist an der Zeit, das zu ändern. Also haben wir für euch den großen NEON-Online-Knigge geschrieben. Er beschäftigt sich mit Moral und Anstand im Internet, führt durch Themen wie Messaging, Posten, Taggen, Hashtags und Liken. Er bringt Antworten auf die großen Fragen: Was mache ich, wenn der "Gelesen-Haken" Stress macht? Was posten, ohne die Follower zu nerven? Muss Ghandi wirklich auf meinem Spiegelselfie sein? Wie viel Grammatik ist okay? Oops, betrunken Profilbild geliked? Und was zur Hölle ist zu tun, wenn man unter einem Meme verlinkt wurde, das man absolut nicht lustig findet?


Teil 1: Lesen und lesen lassen

Der erste Teil des Online- beschäftigt sich mit Messaging, unserer meistgenutzten Kommunikationsform. Wir schreiben mehr, als wir sprechen, also macht es doch bitte richtig.

Komm, aber zum Punkt!

Digitale Kommunikation soll uns das Leben einfacher machen. Also schreib doch bitte nicht "Wie geht's?", wenn wir beide wissen, dass du dich eigentlich einen Scheißdreck dafür interessierst und ich es dir gestern erst ausführlich geschildert habe. Schreib lieber gleich, dass du mein Auto brauchst. Du brauchst doch was, oder? Ist schon okay. Aber bitte verschone mich mit dem Intro.


Gelesen? Macht nichts!

Früher, als wir noch auf dicken Nokias herumratterten, war niemand böse, wenn man nicht sofort zurückgeschrieben hat. Das ist spätestens seit dem blauen "Gelesen-Haken" vorbei. Ich sehe, dass du gelesen hast. Du weißt, dass du gelesen hast. Und plötzlich gibt es Stress. Ich plädiere für mehr Freiheit beim blauen Haken. Ja, man hat gelesen. Na und? Das ist doch das Schöne am Schreiben: Wir können uns aussuchen, wann wir antworten. Also erst einmal entspannen und dann antworten, wenn es passt. Seid halt keine Arschlöcher und schreibt innerhalb eines angemessenen Zeitraums zurück.

 

Hilfe, da typed jemand!

Jeder kennt diese fiese Situation, wenn jemand typed, aber nichts kommt. Dieser Typ schreibt mir. Die drei Punkte in der Blase poppen auf, dann verschwinden sie wieder, dann poppen sie wieder auf. Es ist ein Drama, ein Kampf, viele kleine virtuelle Tode. Was macht er da?! Unerträglich. Am schlimmsten ist es, wenn die Blase ewig lang dort schwebt – und dann kommt "Hm." Bringt doch zu Ende, was ihr angefangen habt! Sobald angefangen, ist alles besser als nichts. In der Schule meldet man sich doch auch nicht und sagt "Ah ne, doch nicht". Klaut mir bitte keine Zeit. Das gleiche gilt auch für Gesprächsstarter wie "Hey", gefolgt von Nichts. Kommt doch mal zum Punkt. Nur so kann das Gegenüber die Dringlichkeit einschätzen. Mir hat neulich jemand geschrieben "Hey!" "Okay, vergiss es." Unverschämt, oder? 

Viel zu sagen? EINE NACHRICHT!

Es ist ja nicht schlimm, viel zu sagen zu haben. Wenn dir telefonieren gerade zu blöd ist, auch kein Problem. Aber BITTE

schreib nicht
so
weißt du
das sind einfach
zu viele
Nachrichten
hintereinander
da wird man ja
verrückt
außerdem weiß dann jeder
dass du betrunken
bier
*bist
!

Pack doch bitte alles in eine Nachricht oder nimm eine Sprachnachricht auf. Die sind zwar auch ein bisschen bescheuert, weil sie meistens nur aus, also, ehm, sozusagen, warte … Füllwörtern oder so halt, bestehen, so, aber gut. Ich lieb euch trotzdem.

So viel zum Thema Lesen und Schreiben. Ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl bitte. Eure Gesprächspartner werden es euch danken.

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