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Grüner liefern: So klappt umweltfreundliches Online-Shopping in der Zukunft

Online-Shopping ist wunderbar praktisch und super angenehm. Die stinkenden Lieferwagen in den Innenstädten sind es nicht. Zum Glück gibt es eine Lösung. 

Von Brid Johnen

Online-Shopping

Online Shopping ist bequem, leider aber auch ziemlich umweltschädlich

Ich liege in Jogginghose auf der Couch, auf den Knien steht mein Laptop. Während ich mit der einen Hand durch die neusten Angebote scrolle, halte ich in der anderen ein Glas Wein. Morgen schon wird vor der Tür ein halten und die Ergebnisse der Einkaufstour bringen.

Online Shopping ist wunderbar. Wunderbar praktisch und wunderbar bequem. Leider aber auch ziemlich umweltschädlich. Neben den Unmengen an Verpackungsmaterial schaden Transport und Lieferung der Umwelt. Die Kleidung aus dem Online-Warenkorb legt weite Wege im Flugzeug oder Lkw zurück. Das letzte Stück fährt sie in Transportern durch die Innenstadt. Die Transporter werden zum Großteil mit Diesel betrieben.
 Aaaiiiiiiihhhhh - "Schrei vor !" - so bewirbt ein bekannter Online-Shop seine Pakete. Wenn wir jährlich 3,3 Millionen Feinstaubtote beklagen, dürfen wir uns dann über den qualmenden Postwagen  vor der Haustür freuen?

Das Problem ist groß. Schon jetzt werden jährlich über drei Milliarden Päckchen und Pakete verschickt – allein in .  2021 könnten es bereits vier Milliarden sein. Klar, in Zukunft werden wir immer mehr übers Internet bestellen. Auf diesen Komfort möchte niemand verzichten. Aber noch mehr Diesel-Transporter – auf die verzichten wir gerne. 

Online-Shopping: Elektrische Power soll's richten

Die Hoffnung?  Saubere Lösungen sind schon unterwegs. Elektroautos, bisher im Straßenverkehr nur wenig zu sehen, sollen helfen. Sie könnten die Lieferwagen in den Innenstädten ersetzen. E-Transporter fahren zwar nur 100 bis 200 Kilometer weit. Dann müssen sie wieder geladen werden. Viele Lieferdienste fahren am Tag allerdings auch nicht weiter. Um Pakete in der Stadt zu verteilen, würde die elektrische Power meistens reichen. 

Die großen Lieferdienste haben das erkannt. Weil die Post keine passenden Elektrotransporter fand, hat sie kurzerhand das -Startup Streetscooter gekauft. Zusammen bauen sie jetzt ihre eigenen Elektroautos. 5000 dieser Fahrzeuge liefern heute schon Päckchen und Pakete.
Der Lieferdienst Hermes war bei der Entwicklung des E-Transporters von Mercedes dabei. Jetzt übernimmt er 5000 Modelle. Immerhin 10% seiner Lieferwagen sind dann elektrisch.
Amazon hingegen experimentiert mit anderen Lösungen. In New York soll das Unternehmen über U-Bahn-Kuriere nachgedacht haben. Außerdem wurde die Lieferung mit dem Fahrrad getestet. 
Diese kennen wir auch aus Deutschland. Hier radeln Kuriere von Essenslieferdiensten bereits in großer Zahl durch die Innenstädte. Leicht zu erkennen sind sie an der klobigen Transportbox auf dem Rücken. Es bleibt nur ein Problem: Zwei Pizzen sind mit dem Fahrrad leichter zu transportieren als der Inhalt eines Amazon-Warenlagers. 

Wo bleibt der grüne Lieferverkehr?

Die Initiativen der Lieferdienste sind ein netter Anfang. Von einem grünen Lieferverkehr sind wir aber noch weit entfernt. Warum geht das nicht schneller? 
Zum eine,  weil elektrische Transporter mehr kosten als Diesel. Außerdem fehlen an vielen Orten die Ladestationen. Zum anderen sind es nicht die Käufer, die entscheiden, wie ihr Paket zu ihnen kommt. Ein paar Cent mehr zahlen und dann guten Gewissens das Paket aus einem E-Van entgegennehmen – wäre eine tolle Sache, gibt’s aber nicht. Ein umweltbewusster Online-Shopper und sein Nachbar bekommen ihre Pakete aus demselben Lieferwagen. Einfach, weil sie nebeneinander wohnen. Den Öko-Shopper als einzigen mit einem E-Auto anzufahren, macht keinen Sinn. Es müssten schon alle für die Umstellung auf Elektro zahlen. 

Vielleicht ist die Lösung aber auch viel einfacher. Schlimmer als der einer Bestellung ist ihr Inhalt. Denn die Herstellung vieler Produkte verbraucht Ressourcen und zerstört oft die Umwelt. Gerade in der Mode-Branche sind die Produktionsbedingungen häufig schlecht, manchmal nähen Kinder die neue Kleidung. 

Ich entscheide mich, auf die regelmäßigen Einkaufstouren von der Couch aus zu verzichten. Damit tue ich Gutes und muss mir auch über die Lieferung keine Gedanken mehr machen.

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