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Alles anders als bei uns: Die 8 Beauty-Geheimnisse der Koreanerinnen

Wir werfen einen Blick auf koreanische Pflegerituale und Kosmetik, wie wir sie nicht kennen. Der Aufwand, den Koreanerinnen für ihr Aussehen betreiben, ist immens - dennoch können wir uns auch im Westen ein paar Tricks von den Kolleginnen abschauen.

Zwei junge Koreanerinnen in Party-Outfits auf einer Feier in Seoul

Beauty aus Fernost: Koreanerinnen folgen einem strengen Pflege-Regime

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Überall wird derzeit über die Olympischen Spiele in Südkorea berichtet. Aber fast ebenso sportlich wie die Athleten in Pyeongchang gehen junge Südkoreanerinnen etwas ganz anderes an – die tägliche Schönheitspflege. Da können wir deutschen Pragmatiker uns durchaus noch was abgucken.

Wobei wir wohl froh sein dürfen, dass in unserer Gesellschaft nicht nur Leistung und beruflicher Erfolg, sondern auch das Aussehen nicht ganz so streng bewertet werden, wie es in Korea der Fall ist. Dort ist die Sorge um das Äußere nämlich nicht nur Spaß, sondern beinahe Pflicht. Aber es gibt dort ein paar faszinierende Techniken, die auch für uns interessant sein können.

1. Die 10-Schritte-Gesichtspflege

Wie sieht euer Morgen so aus? Waschgel ins Gesicht und fertig? An guten Tagen vielleicht noch Gesichtswasser und eine Creme? Da machen sich Koreanerinnen deutlich mehr Aufwand – aus gutem Grund. Während wir hier versuchen, unsere Haut mit aggressiven Mitteln in die "Normalität" zu zwingen (was selten funktioniert, oder?) probiert man es in Korea lieber mit guten Argumenten.

Die ersten beiden Schritte bestehen aus der Reinigung: Zuerst mit einem öligen Balm, der Make-up-Reste entfernt, danach mit einem klassischen Waschgel. Danach folgt der (optionale) dritte Schritt: Ein sanftes Peeling, vorzugsweise ein chemisches ohne Rubbelpartikel. Im Anschluss folgt das, was für uns noch zur Reinigung zählt, in Korea aber bereits als Pflege gilt: Toner bzw. Gesichtswasser.

Feuchtigkeitsspendend wirkt auch Schritt fünf: Die Essence ist eine gelige Flüssigkeit, die in der Haut die Hyaluronproduktion anregt. Auf die Essence folgt das Serum. Es ist dickflüssiger als die Essence und enthält hochkonzentrierte Wirkstoffe, die persönliche Beauty-Probleme angehen. Fältchen, Pickel, trockene Stellen.

Schritt sieben ist wieder freiwillig und hängt definitiv davon ab, wieviel Zeit man übrig hat: Sheet Masks, Tuchmasken. Einige koreanische Tuchmasken gibt es inzwischen sogar in bekannten deutschen Drogerieketten zu kaufen.

Nach der Maske folgt eine Augencreme (manche bevorzugen auch ein extra Augenserum) und danach die Feuchtigkeitscreme. Im Anschluss kommt dann jedoch noch ein wichtiger Schritt, den wir hier eher missachten: Sonnenschutz!

Das klingt aufwändig, ist es auch. Die vielen verschiedenen Produkte bauen in Konsistenz und Wirksamkeit aber so optimal aufeinander auf, dass die Haut alles perfekt aufnehmen kann.

2. Toner, Toner, Toner

Wie gerade schon erwähnt, dient koreanischer Toner nicht zum Reinigen, sondern zum Pflegen der Haut. Er enthält deshalb auch fast nie Alkohol oder andere austrocknende Stofe. Um ihren Wangen der richtigen Glow zu verpassen und die Haut gepflegt und prall aussehen zu lassen, gehen die Frauen hier wieder mal an die Grenzen. Sie benutzen nicht nur einmal Toner, sondern tragen ihn in sieben Schichten auf. Ja. Sieben.

Also: Ein wenig Toner ins Gesicht klatschen, sanft einmassieren, kurz warten, bis er eingezogen ist. Dann das ganze nochmal. Und nochmal. Und noch viermal. Beauty-Experten schwören auf dieses Ritual, das die Haut optimal mit Feuchtigkeit versorgen soll.

Wer unkomplizierte Haut hat, kann nach dieser Pflegeroutine  die Feuchtigkeitscreme weglassen. Da Toner, bzw. Gesichtswasser, in Korea mitunter auch Skin genannt wird, heißt diese Vorgehensweise die 7-Skin-Methode. Wer mehr wissen will: Dazu finden sich circa zwölf Trilliarden YouTube-Videos.

3. An der Wurzel packen

Ich schätze, wir haben jetzt alle verstanden, dass Koreanerinnen gern viele Produkte im Bad haben. Das gilt nicht nur für die Haut, sondern auch für die Haare. Hier sind sie der Meinung, dass Shampoo, Conditioner und Co. zwar schön und gut sind, aber gesunde Haare vor allem eine gesunde Kopfhaut benötigen.

Hierfür gibt es spezielle Kopfhaut-Reiniger, die einmal wöchentlich vor dem Shampoo benutzt werden – sogenannte Scalp Scaler. Sie entfernen Schüppchen und Shampoo-Reste gründlich. Das anschließende Shampoo wird nicht bloß fix aufgeschäumt, sondern mit einer ausführlichen Kopfhautmassage kombiniert.

Nach dem Conditioner gönnen sich Koreanerinnen dann regelmäßig noch eine Haarmaske - oder eine Kopfhautmaske. Auch ein extra Kopfhaut-Tonic wird gern angewandt – es beruhigt die Haut nach dem Waschen. Zum Abschluss der Pflege gibt es noch Haar-Essence oder -Serum, die meist als Leave-In-Produkte im Haar bleiben.

4. Noble Blässe

Wie in vielen asiatischen Ländern gilt helle Haut in Korea als schick. Um so blass wie möglich auszusehen, gibt es jede Menge Produkte, die mit den Worten "Whitening" oder "Brightening" vesehen sind. Häufig ist das vorrangig ein Werbeversprechen – das Aufhellen erfolgt dann lediglich durch leichtes Peeling, Milch- oder Papaya-Enzyme. Die Wirkung ist also entsprechend homöopathisch.

Einige Cremes (dann meist deutlich teurer) enthalten aber tatsächlich wirksame Stoffe wie Arbutin, Koji-Säure, Gluthation, Süßholzwurzel oder Hydroquinon. Keine Angst: Gefährliche Stoffe wie Quecksilber werden hier garantiert nirgends mehr verwendet, Kosmetikprodukte werden mindestens so gut kontrolliert wie bei uns.

Wer sich hierzulande mit Begeisterung in der Sonne räkelt und im Winter stattdessen auf Selbstbräuner und Solarium umsteigt, um bloß knackig braun zu bleiben, der sollte natürlich die Finger von solchen Produkten lassen. Wer aber ohnehin eine Blassnase ist, dem schaden solche Wirkstoffe nicht. Sie können sogar helfen, die Haut klarer und strahlender aussehen zu lassen und helfen auch gegen Pigment- und Altersflecken.

Vor Familienfeiern, Zeremonien oder großen Auftritten jeder Art haben Koreanerinnen aber auch die Möglichkeit, sich beim Beauty-Doc Gluthation per Injektion spritzen zu lassen. Sowas nennt sich dann gern mal "Beyoncé-" oder "Cinderella Injection". Das ist dann für uns aber doch zu gruselig ...

5. Noble Blässe behalten

Sonnenschutz! Sonnenschutz! Sonnenschutz! Was uns meist egal ist, weil wir glauben, dass die Sonne bei uns eh kaum scheint, ist für Koreanerinnen oberste Pflicht. Außer mehrmals täglichem Auftragen von Sonnencreme im Gesicht sind auch Hüte und Sonnenschirme ganz normale Accessoires. Man fürchtet die sonnigen UV-Strahlen so, wie es auch die Damen im viktorianischen England einst taten.

Was das rigorose Eincremen mit Sonnenschutz aber nachvollziehbarer macht: In Korea sind Sonnencremes fürs Gesicht nicht die fettige, niemals einziehende Sache wie bei uns. Es gibt Sonnenschutz für jeden Hauttyp, auch mattierenden und pflegenden. So macht die Anwendung mehr Spaß.

Generell ist Sonnenschutz, so unnötig er uns auch vorkommen mag, nie eine schlechte Idee. Nichts beschleunigt die Hautalterung mehr als UV-Strahlen! Das wird euch jeder Hautarzt bestätigen.

6. Gut's Nächtle!

Nachtcreme? Wie öde! Außerdem sorgen die schweren Cremes, die man hier in den Drogerien bekommt, bei launischer Haut gern für Pickel und verstopfte Poren. Aus Korea kommt da die Rettung: Sleeping Packs. Schlafmasken.

Sie werden abends als letzter Step der (10-schrittigen, ihr erinnert euch) Pflegeroutine statt des Sonnenschutzes verwendet. Man cremt sich also ein, kann aber zu einer leichteren Feuchtigkeitscreme greifen. Nichts Schweres, Öliges. Nachdem die Creme eingezogen ist, trägt man das Sleeping Pack darüber auf und legt sich ins Bettchen.

Es gibt hierbei verschiedene Konsistenzen und Anwendungsgebiete – manche Packs sind cremeartig, andere gelig. Manche dringen über Nacht ganz in die Haut ein, andere hinterlassen einen Film, den man morgens entfernen muss. Aber kein Sleeping Pack saut das Kopfkissen voll.

Für den nächsten Morgen versprechen die Produkte eine pralle, durchfeuchtete Haut.

7. Masken-Magie

Wir haben sie anfangs schon erwähnt: Sheet Masks. Wer in deutschen Drogerien Masken kauft, bekommt bekanntermaßen Alu-Tütchen mit einer Masse nach Wahl darin. Wer koreanische Masken kauft, bekommt nahezu immer eine Sheet Mask.

Ihr habt sie sicher schon mal gesehen: Es handelt sich um mit Serum durchtränkte Stofftücher in Gesichtsform, mit Aussparungen für Augen, Nase und Mund. Die nimmt man aus der Packung, entfaltet sie, legt sie aufs gereinigte Gesicht und lässt sie 15 bis 30 Minuten einwirken. Sehr entspannend und Luxus für die Haut.

Es gibt etwa eine Fantastilliarde verschiedener Sorten von verschiedenen Marken. Fast alle sind niedlich verpackt und enthalten tolle Wirkstoffe. Wobei man sagen muss, dass der Durchschnittsdeutsche vor Masken mit Schneckenschleim (extrem populär!), Schweinekollagen oder Pferdefett wohl eher zurückschreckt. Zur Beruhigung: Immer mehr koreanische Kosmetik ist inzwischen vegan und bio.

Wie die meisten koreanischen Kosmetika bekommt man Sheet Masks recht gut über Portale wie Ebay. Hier finden sich auch große Probiersets mit vielen verschiedenen Sorten zum kleinen Preis.

8. Make-up-Variationen

Und wenn die Haut so vorbildlich gereinigt, gepflegt und verwöhnt wurde, was dann? Auch Koreanerinnen schminken sich. Nachdem lange Zeit BB Cremes der große Trend waren, ist es inzwischen eher Cushion Foundation. Also ein schwammartiges Kissen, das mit Flüssig-Make-up durchtränkt ist. Das Ganze befindet sich in niedlichen Döschen, in die man mit einem Schwamm tupft. Die ersten Cushion Foundations haben auch europäische Konzerne bereits vereinzelt in unsere Drogerien gebracht.

Zwei Dinge machen Koreanerinnen beim Schminken übrigens anders als wir: Rouge wird nicht schräg seitlich auf die Wangen aufgetragen, um die Wangenknochen zu betonen, sondern eher mittig oben auf die Wangen getupft, um einen niedlichen, mädchenhaften Look zu erzeugen.

Und statt geheimnisvoller Katzenaugen mit gewagtem Eyelinerstrich und rauchigem Lidschatten schminken die Mädels in Korea sich Puppy Eyes. Hundewelpen-Augen. Der äußere Winkel des Eyeliner zeigt hierbei nach unten statt nach schräg oben, und der Bereich unter dem Auge wird nicht mühsam mit Concealer verdeckt, sondern mit einem hellen Lidschatten sogar extra betont. Und ja, das widerspricht ziemlich allem, was wir je übers Schminken gelernt haben.

Und warum das Ganze?

Warum ist koreanische Kosmetik so faszinierend? In unserer globalisierten Welt ist alles sehr ähnlich geworden. Kauft man in den USA, in Spanien oder Großbritannien Beauty-Utensilien, sind vielleicht einige Markennamen andere, aber das Prinzip ist immer das gleiche. In Asien allerdings läuft dagegen vieles reizvoll anders, dennoch sind in Korea Hygiene- und Produktionsstandard so hoch, dass man unbesorgt einkaufen kann.

Und, das muss man mit einem dicken Ausrufezeichen sagen, koreanische Produkte machen einfach großen Spaß. Sie sind oft absurd niedlich verpackt, die Behälter sind bunt, haben  Tiergesichter und Hasenohren. In Europa scheint zu gelten, dass etwas Nützliches nicht niedlich aussehen darf. Diese langweilige Ansicht teilt man in Korea nicht.

Es ist heute nicht mehr schwer, an original koreanische Beauty-Produkte zu kommen. Auch, ohne den nächsten Urlaub in Seoul zu verbringen. Es gibt darauf spezialisierte Online-Shops wie Love My Cosmetic oder Miss & Missy. Aber auch auf Amazon finden sich die meisten populären Produkte. Man muss nur wissen, was man sucht – da helfen YouTube oder entsprechende Beauty-Blogs.

Die wohl einfachste Variante, wenn auch etwas unsexy, ist tatsächlich Ebay. Hier bieten einige vertrauenswürdige Verkäufer (hier oder hier etwa) große Sortimente koreanischer Kosmetik an, und das ohne Versandkosten. Der Versand kann allerdings durchaus einen Monat dauern.

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