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Gesund ist das nicht!: Das sind die 5 dümmsten Ideen, die wir in Sachen Kosmetik je hatten

Wer schön sein will, muss leiden? Daran hat sich offenbar über die Jahrhunderte wenig geändert. Noch immer nehmen wir für ein hübsches Äußeres so einiges in Kauf. Aber die fiesesten Beauty-Gimmicks haben wir zum Glück hinter uns gelassen!

Ein altes Foto: Es zeigt eine Frau, die sich auf der Straße von einer Friseurin die Haare schneiden lässt

Eine motorisierte Friseurin? Im Vergleich zu den hier aufgezählten Beauty-Trends klingt das extrem vernünftig.

Wir lassen uns potenziell tödliches Nervengift in die Gesichtsmuskeln spritzen, Plastikbeutel in die Brüste operieren, braten in Solarien und hungern uns auf bisweilen ungesunde Modelmaße herunter. Nein, man kann nicht behaupten, dass wir keine fragwürdigen Dinge im Namen der Schönheit tun würden.

Aber wir sind, darf man sagen, zumindest ein bisschen vorsichtiger geworden als unsere Vorfahren ...  Die haben nämlich zu Mittelchen gegriffen, die uns heute einen Schauer über den Rücken jagen.

Cate Blanchett in ihrer Rolle als Königin Elizabeth die Erste

Mochte es blass um die Nase: Queen Elizabeth I. (Cate Blanchett in "The Golden Age")

1.  Blei im Puder

Noble Blässe: Da denkt man direkt an die Porzellanhaut der britischen Königin Elizabeth I. oder an die zarten Schönheiten des Rokoko mit ihrer weißen Haut und den gepuderten Perücken. Ist auch beides richtig, aber dieser Look war bereits im antiken Griechenland schick. Und hier stießen die Menschen auch auf das wirksamste Hilfsmittel für den hellen Teint: Bleiweiß.

Bleihydroxidkarbonat, auch als Cerusa bekannt, wurde zu Cremes und Pudern verarbeitet – es deckte sehr gut, hielt lange und hatte einen schönen Glanz. Aber dass es nicht gut sein konnte, tagtäglich mit einem bleihaltigen Präparat zu hantieren, wurde auch den damaligen Benutzern schnell klar. Schon die alten Griechen wussten, dass sie die Mixtur nicht essen durften. Das war nämlich tödlich. Und auch, dass diejenigen, die das Bleiweiß herstellten, oft Lähmungen oder andere schwere Krankenheiten bekamen, fiel schnell auf.

Aber gesundheitliche Folgen haben uns ja in Sachen Schönheit noch nie interessiert. Wen stört's, wenn Zähne und Zahnfleisch faulen, sich Geschwüre auf der Haut bilden oder Anzeichen einer Bleivergiftung auftreten – solange das Gesicht hübsch weiß ist? Wobei dazugesagt werden muss, dass es lange keine wirkliche Alternative zu Bleiweiß gab – es war seinerzeit das einzige weiße Pigment, das etwas taugte. Erst viel später wurden Talkum und Zink zu einer brauchbaren Alternative. Und erst in den 1950er Jahren kam Bleiweiß gänzlich außer Gebrauch.

Die Folgen ihrer täglichen Beauty-Routine bekam übrigens auch Eilzabeth I. zu spüren: In fortgeschrittenem Alter war ihre Porzellanhaut durch das Blei völlig vernarbt und von Geschwüren übersät. Sie soll alle Spiegel in ihrem Palast abdecken lassen haben.

Das Gemälde "Geburt Mariä" von 1435 zeigt zwei Frauen mit hoher Stirn.

Hohe Stirn war schick: ein Ausschnitt aus dem Bild "Geburt Mariä" von Paolo Ucello, 1435

2. Störender Haaransatz

In der Antike galten kleine Penisse als Zeichen von Klugheit (ja, deshalb die Anatomie der alten Statuen), einige Jahrhunderte später hatte eine hohe Stirn bei Frauen denselben Ruf. Nachdem die jungen Mädels im Mittelalter noch, wie zu besten Hippie-Zeiten, ihre langen Mähnen im Wind flattern ließen, wurde die Mode im 15. Jahrhundert strenger. Die Frauen trugen kunstvolle Frisuren und aufwendige Kappen und Hauben. Und da war der Blick auf die Stirn frei.

Und bald auch die Stirn. Denn schon in der Pubertät wurde der Haaransatz großzügig freigezupft. Ja, gezupft. Man mag sich das gar nicht vorstellen. Ein Spaß war das sicher nicht. Und dabei blieb es nicht: Auch die Augenbrauen sollten möglichst schmal und hell sein. Sie wurden deshalb ebenfalls rigoros gezupft und mit diversen Mittelchen gebleicht.

Und nein, auch damit hörte es noch nicht auf. Während wir uns heute die Wimpern dick schwarz anpinseln, damit sie möglichst dicht und lang aussehen, hätte es die Renaissance-Damen bei dieser Vorstellung geschüttelt. Für sie waren Haare im Gesicht das, was für uns heute Körperbehaarung ist – sie mussten weg. Und so zupfte man sich oft auch die Wimpern(!) aus.

In einem Reagenzglas befindet sich pulverförmiges Arsen

Ob man gegen Arsen (hier in Pulverform) wirklich resistent werden kann, ist wissenschaftlich nicht bewiesen

3. Arsen für den Teint

Menschen scheinen ein seltsames Bedürfnis danach zu haben, giftige Stoffe zu "zähmen". Und es funktioniert – eigentlich nie. Selbst das Arsen, beliebtes Mordmittel in zahlreichen Agatha-Christie-Romanen, hatte seine große Zeit.

1851 erschien in einer medizinischen Fachzeitschrift ein Artikel über eine steirische Gemeinde, in der die Menschen für einen rosigen Teint mehrmals wöchentlich erbsengroße Portionen Arsen aßen. Und aus unerklärlichen Gründen nicht daran starben. Mit der Zeit vertrugen die Arsenesser sogar immer größere Mengen des Gifts.

Durch die Publicity, die Arsen durch das Phänomen der resistenten Steirer bekam, fand es auch seinen Weg in die Schönheitsindustrie. Besonders in zwei Formen: Arsen-Seife war sehr beliebt und sollte für den kränklichen Look sorgen, der zu viktorianischen Zeiten extrem angesagt war.

Ähnlich wie beim "Heroin Chic" der 90er Jahre setze man damals darauf, den Look von dahinsiechenden Tuberkulose-Patientinnen nachzuahmen. Diesen Effekt erhofften die Damen sich auch, wenn sie regelmäßig kleine Waffeln – ähnlich heutigen Oblaten aus Esspapier – knabberten, die mit Arsen versetzt waren.

Was die viktorianischen Ladys später erst feststellten: Arsen erzeugt nach einiger Zeit unschöne dunkle Flecken auf der Haut, schädigt die Nieren, lässt die Haare ausfallen und kann außerdem zu Nervenentzündungen und Krebs führen. Auch ein Kropf kann entstehen – denn Arsen blockiert die Aufnahme von Jod in der Schilddrüse.

Auf zynische Weise sind diese mitunter tödlichen Nebenwirkungen passend zur Faszination für den morbiden Look, dem man damals frönte.

Eine Werbeanzeige für die Ramey-Creme, die Radium enthielt

Für einen strahlenden Teint im wörtlichen Sinn ... Eine Creme der französischen Marke Ramey

4. Radium in der Feuchtigkeitscreme

Nachdem die Curies 1898 das Radium entdeckt hatten, wollten in den folgenden Jahrzehnten alle am neuen "Trend" der Radioaktivität teilhaben. Von den Gefahren wusste man in den 1920er und 30er Jahren noch nicht viel. Stattdessen wurde die Strahlung als gesund angesehen.

In Deutschland wurde Zahnpasta (Doramad) mit Thorium hergestellt, außerdem war Radium-Zwieback ein beliebter Snack und Radium-Wasser sollte für ein frisches Aussehen sorgen. In den USA gab es sogar – weghören, Männer – ein Radium-Kondom von der Firma Nutex, das die Potenz steigern sollte.

Für die Damen lieferten – meist französische – Firmen wie Tho-Radia oder Ramey Beauty-Accessoires mit den trendigen Zusatzstoffen. 0,223 Mikrogramm Radiumbromid und 0,5 Gramm Thoriumchlorid befanden sich in 100 Gramm Tho-Radia-Creme. Und die verteilten sich zahlreiche Frauen täglich(!) im Gesicht. Schließlich sollte das Signature-Produkt der französischen Firma die Durchblutung verbessern, die Haut straffen, die Talgproduktion regulieren, Poren verkleinern und Falten beseitigen. Also alles, was auch heute noch auf der Rückseite von Cremetiegeln steht.

Doch gegen Ende der 30er Jahre wurde man langsam vorsichtig, was die Verwendung radioaktiver Produkte betraf. Die Menge solcher Substanzen, die von nun an verwendet werden durfte, wurde stark reguliert. Spätestens nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki sank dann auch die Nachfrage nach derartigen Mitteln rasant.

Die koreanische Sängerin Sunmi: Junge Frau mit sehr heller Haut

Schneewittchen-Look dank Whitening-Produkten: Die koreanische Sängerin Sunmi

5. Quecksilber in Aufhellungsprodukten

Wenn uns ein altes Thermometer oder eine Energiesparlampe herunterfällt und das enthaltene Quecksilber ausläuft, dann ist die Reaktion bestenfalls Hysterie – und dann schnellstens den Raum verlassen. Die unsichtbaren Dämpfe des flüssigen Metalls sind hochgiftig. Aber Quecksilber hat auch eine Eigenschaft, die manche Menschen das Gesundheitsrisiko vergessen lässt: Es hellt die Haut auf.

Wie wir schon bei Punkt 1 gelernt haben, war weiße Haut lange das wohl wichtigste Beauty-Accessoire. Quecksilber wurde deshalb häufig auch dem oben genannten Bleiweiß beigemischt. Eine noch deutlich wichtigere Position als im frühneuzeitlichen Europa hatte es aber in Asien – von Indien bis Korea –, wo noch heute der Wunsch nach einem schneeweißen Teint besteht. Und auch in Afrika greifen Menschen, insbesondere Frauen, seit Jahrzehnten zu Aufhellungscremes, die oft Quecksilber enthalten. Selbst in Osteuropa gibt es entsprechende Produkte.

Das Problem: Nach längerem Gebrauch verursacht ausgerechnet die Aufhellungscreme dunkle Pigmentflecken und Narben auf der Haut. Ganz abgesehen von den schweren gesundheitlichen Folgen wie wackeligen Zähnen, Leber- und Nierenproblemen, Parkinson und schließlich irreversibler Verwirrtheit und Gedächtnisverlust.

Viele Benutzer solcher Produkte wissen allerdings gar nicht, was sie da anwenden – weil das Quecksilber nicht oder falsch deklariert ist und es sich oft um Cremes aus zwielichtiger Herstellung handelt.

Die Aufhellungscremes, die man heute in allen asiatischen Drogerien und Supermärkten bekommt – oft von renommierten Herstellern wie Nivea, Lancôme oder Shiseido – sind längst quecksilberfrei und setzen stattdessen auf Vitamin C, Gluthation, Peelingwirkstoffe oder Süßholzwurzelextrakte.

Ob man den Wunsch nach weißer Haut nun schwer nachvollziehbar oder kulturell fragwürdig findet, sei dahingestellt – nun greifen wir in der Drogerie eher zum Selbstbräuner.

Schönheitsideale der letzten 100 Jahre
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