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Bauchfrei bei Männern "Bejing Bikini“: Diesen chinesischen Männer-Fashion-Trend soll es bald nicht mehr geben

Beijing Bikini
Behörden erbost: Dieser Sommer-Trend für Männer soll abgeschafft werden
© Stephen Shaver / AFP
In Chinas heißem Sommer krempeln Männer gern ihre T-Shirts zur Belüftung hoch. Der "Beijing Bikini" soll sogar eine Grundlage in der chinesischen Medizin haben. Das ist den erbosten Behörden allerdings ziemlich egal.

Im Sommer in China kann es sehr heiß werden – so heiß, dass Männer mittleren Alters gern mal ihr T-Shirt oder ihr Unterhemd hochkrempeln, um sich ein bisschen Abkühlung zu verschaffen. Der Sommer-Trend ist so allgegenwärtig, dass er mittlerweile im Land und auch über die Ländergrenzen hinweg als "Beijing Bikini" bekannt ist. Doch nun ist dieser Teil der chinesischen Fashionkultur in Gefahr – denn die Behörden wollen dem "unzivilisierten Verhalten" ihrer Bürger an den Kragen oder vielmehr an den Bierbauch.

So versucht nun die Metropole Jinan, eine Stadt mit fast sieben Millionen Einwohnern zwischen Peking und Shanghai, gegen die "exponierten Großväter", wie es dort heißt, vorzugehen. Selbst bei gemessenen 36 Grad in der vergangenen Woche müssen die Einwohner nun ihre T-Shirts an und vor allem unten lassen. Sein Oberteil oder auch seine Schuhe zur sommerlichen Belüftung auszuziehen, gilt nun als schlimmes Vergehen und wird ebenso hart bestraft wie öffentliches Streiten, achtloses Wegwerfen von Müll oder das Vordrängeln in Warteschlangen. "Es geht nicht nur um Strafen", sagte ein Beamter aus Jinan der "Washington Post". "Wir wollen nur, dass die Menschen mehr Aufmerksamkeit auf diese Art von unsozialem Verhalten richten."

Beijing Bikini
Im Sommer den Bauch lüften? Das soll bald verboten werden.
© STR / AFP

Kultur oder "schlimmes Vergehen"?

Es ist nicht das erste Mal, dass der "Bejing Bikini" in den Blick der chinesischen Behörden gerät: Tianjin, eine Hafenstadt vor den Toren Pekings, verhängt Geldstrafen von bis zu 30 Dollar gegen Täter und auch die nordöstliche Stadt Shenyang hat ähnliche Vorschriften erlassen. In Jinan gibt es aktuell nur eine mündliche Verwarnung. Dabei hat der fragwürdige Trend in der chinesischen Medizin zumindest eine Grundlage: das Freilegen der Taille soll helfen, die warme "Chi"-Energie um die inneren Organe herum zu durchlüften. In Parks und an Straßenecken, auf Motorrädern und in offenen Restaurants, ziehen Männer also oftmals ihre Oberteile aus oder krempeln sie auf Belüftungs-Halbmast.

Die Meinung der Chinesen zum Männer-Fashion-Trend ist dabei gespalten. In der chinesischen Twitter-Version "Weibo" diskutieren User das Für und wieder des "Beijing Bikini": "Ohne Hemd draußen zu sitzen reduziert eher die CO2-Emissionen als das einschalten einer Klimaanlage", schreibt einer. Viele Chinesen unterstützen aber auch den erneuten Vorstoß der städtischen Autoritäten: "Ich kann das wirklich nicht ertragen. Die Männer machen öffentliche Plätze zu ihrem eigenen Zuhause", kommentiert eine Userin. In den letzten Jahren versucht die chinesische Regierung immer wieder gegen sogenanntes "unzivilisiertes Verhalten" vorzugehen. So sollte auch das laute Schlürfen von Suppe oder das Spucken auf den Boden, das in China weit verbreitet ist, verboten werden.

lau

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