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Fußball als Lebensretter: Großbritanniens erste Transgender-Schiedsrichterin erzählt ihre Geschichte

Seit der Saison 2018/19 pfeift Lucy Clark als erste Transgender-Schiedsrichterin in der britischen Kreisliga. Doch fast hätte sie ihre Leidenschaft aufgegeben.

Lucy Clark Transgender

Lucy Clark ist Großbritanniens erste Transgender-Schiedsrichterin. Bis zur Saison 2018/19 war die 46-Jährige den meisten als Nick bekannt.

"Fußball war immer mein Ausweg im Leben – als Kind, als Teenager, ob als Spieler, als Manager oder als Schiedsrichter", berichtet Lucy, die der Fußballwelt bis vor kurzem als Nick bekannt war. Über dreißig Jahre kämpfte die heute 46-Jährige mit ihrem Geheimnis, sich eigentlich als Frau und nicht als Mann zu fühlen. Sie glaubte, in der Macho-Welt des Fußballs keinen Platz zu haben. Doch weil sie auf dem Spielfeld nie sie selbst sein konnte, plante Lucy, ihren Job als Schiedsrichter aufzugeben. "Nur weil meine Familie und Freunde mich überzeugten, dass es ohne Fußball nichts in meine Leben gäbe, machte ich weiter", berichtet sie auf der Internetseite des Britischen Fußballverbandes

"Ich wünschte, ich hätte es der Fußballwelt schon vor Jahren erzählt"

Mit sieben Jahren stellte Lucy fest, dass sie sich anders fühlte als die meisten ihrer männlichen Freunde. Sie wollte lieber auf die Mädchenschule ihrer Schwester wechseln. Also stürzte sie sich ins Fußballspielen – einem typisch männlichen Sport, wie sie in einem Interview erzählt. Mit 15 Jahren versuchte sie sich sogar das Leben zu nehmen, doch ihre Liebe zum Sport half ihr durch die schwierige Zeit. Sie spielte bei zahlreichen Fußballteams und versuchte sich als professioneller Spieler, jedoch reichte es nie für die ganz großen Erfolge: "Ich habe immer gern als Schiedsrichter mitgewirkt und mich dann in diesem Bereich weiter verbessert."

Doch bis vor kurzem wussten nur ihre Freunde und ihre Frau Avril, mit der sie seit 18 Jahren liiert ist, von ihrer wahren Identität. Um auch auf dem Spielfeld endlich sie selbst sein zu können, nahm Lucy mit dem Fußballverband Kontakt auf und outete sich als Transgender. Seit der Saison 2018/19 pfeift sie nun als erste Transgender-Schiedsrichterin in der britischen Geschichte. "Ich wünschte, ich hätte es der Fußballwelt schon vor Jahren erzählt", sagt die 46-Jährige heute. In einem Statement stellt sich der Verband hinter seine Schiedsrichterin: "Der Britische Fußballverband unterstützt Lucys Entscheidung und jeden, der sich im Bereich Fußball engagieren möchte, ganz unabhängig von seinem oder ihrem Geschlecht." Bisher hat die Britin Damen-Spiele in der Kreisliga betreut; sie hofft aber in Zukunft, auch bei den Männer Entscheidungen zu fällen und vielleicht auch in höheren Ligen als Schiedsrichterin tätig zu sein.

Männlich, weiblich – ist doch egal

"Es ist meine erste Saison als Lucy – und es läuft sehr gut und positiv", berichtet Lucy. Im letzten Sommer fällte die Britin Entscheidungen in 50 Liga-Spielen. Ihre anfängliche Angst, dass besonders die Fans sie beschimpfen könnten, bewahrheitete sich dabei nicht. "Es gab Momente vor dem Spiel, da haben einige Leute geschaut und über mich getuschelt", sagt sie. Aber wenn das Spiel erst einmal laufe, würden sich weder Fans noch Spieler oder Offizielle anders verhalten als früher.

Doch an einen Moment erinnert sich Lucy besonders. In einer Unterhaltung mit ihr rief ein Spieler dem Kapitän seiner Mannschaft zu: "Hey, ich spreche mit ihm". Der Kapitän antwortete: "Es ist kein Er, es ist eine Sie". Und abgesehen von der Tatsache, dass die Richtigstellung Lucy freute, war der folgende Satz für sie entscheidend: "Er? Sie? Egal, es geht doch hier um die Entscheidung", sagte der Spieler zu seinem Mitspieler. "Das traf den Nagel auf den Kopf", sagt Lucy heute.

Hilfe für andere Betroffene

Nachdem im letzten August bekannt wurde, dass Lucy transsexuell ist, meldeten sich auch andere Betroffene bei ihr. "Ich freue mich über jeden Aspekt, den ich dazu beitragen kann, Transgender zu vertreten, besonders im Fußball", sagt sie heute. So sprach die 46-Jährige zum Beispiel auf der "Just A Ball Game #Stronger Together Conference" in Wembley im Zuge des britischen "LGBT-History Month" im Februar 2019. Ihre Spiele pfeift sie mittlerweile mit ihrer pinken Pfeife, die sie früher nie benutzen wollte. Seit drei Jahren nimmt die 46-Jährige zudem Hormone und plant im kommenden Jahr eine Geschlechtsumwandlung. Zudem hat sie im letzten Jahr "Trans Radio UK" gelauncht, einen Radiosender für Transgender.

Quellen: thefa.com, mirror.co

lau