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Bundestag beschließt Drittes Geschlecht: Männlich, weiblich, divers: Was bedeutet eigentlich Intersexualität?

Nach der Geburt gibt es nun die Option, auch ein drittes Geschlecht eintragen zu lassen. Neben "männlich", "weiblich" und "ohne Angabe" gibt es nun auch "divers". Aber wer nutzt diese Option?

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Transgender, transsexuell, intersexuell, Drittes Geschlecht – was hat es mit diesen Begriffen auf sich?

Getty Images

Es erscheint im Personalausweis, auf unserem Abschlusszeugnis und auf der Abrechnung vom Handyvertrag: unser Geschlecht. Frau Müller, Herr Meyer – schon bei der Geburt ordnen Ärzte und Eltern uns ein Geschlecht zu, das dann im Geburtenregister eingetragen wird. Der Deutsche Bundestag hat in dieser Woche beschlossen, dass künftig neben "männlich", "weiblich" und "ohne Angaben" auch "divers" als drittes Geschlecht angegeben werden kann. Doch warum brauchen wir diese Möglichkeit?

Was ist Intersexualität?

Das Parlament reagiert mit dem Gesetz auf einen Beschluss des Bundesverfassungsgerichts aus dem letzten Jahr: Die Richter hatten entschieden, dass die bisherigen Optionen gegen das allgemeine Persönlichkeitsrecht verstoßen. Denn anders als die gesellschaftliche Vorstellung, ist nicht jeder automatisch männlich oder weiblich. Wer, medizinisch betrachtet, männliche und weibliche Geschlechtsmerkmale besitzt, ist intersexuell. Dabei geht es aber nicht nur um Geschlechtsorgane; Intersexualität kann ganz unterschiedliche Formen haben. Eben sichtbare anatomische, aber auch genetische oder hormonelle. So kann ein Betroffener aussehen wie ein Mann, aber weibliche Chromosomen oder deutlich mehr weibliche Hormone haben.

Ob ein Mensch mit männlichen oder weiblichen Geschlechtsmerkmalen geboren wird, entscheidet sich in der Schwangerschaft. Bis zur sechsten Woche trägt der Fotus Anlagen für beide Geschlechter in sich – wir sind quasi bis dahin alle Zwitter. Die Paarung der Chromosomen entscheidet dann, welche Geschlechtsmerkmale sich ausbilden: Bei XY-Chromosomen entstehen Penis und Hoden, bei XX Eierstöcke und Klitoris. Aber nicht immer funktioniert dieses Zusammenspiel, Hormone oder Enzyme können ihren Dienst versagen.

Was sind Transsexualität und Transgender?

Intersexualität unterscheidet sich daher auch medizinisch von Transsexualität und Transgender. Transsexuelle Menschen sind biologisch eindeutig männlich oder weiblich, aber fühlen sich nicht dem Geschlecht zugehörig, mit dem sie geboren wurden.

Als transgender wiederum bezeichnen sich Menschen, die sich mit den alltäglichen Zuschreibungen männlich oder weiblich nicht ausreichend beschrieben fühlen oder solche Kategorien grundsätzlich ablehnen. Transgender kann also jeder sein – auch intersexuelle Menschen.

Wie ist die rechtliche Lage in Deutschland?

Die Idee von mehr als zwei Geschlechtern ist gesellschaftlich nicht neu. Im "Preußischen Allgemeinen Landrecht" von 1794 gab es sogar einen Zwitterparagraphen, der die Rechte von Menschen ohne eindeutige Geschlechtszuordnung regelte. In der Bundesrepublik Deutschland existierten im Geburtenregister bis zum 1. November 2013 offiziell nur zwei Geschlechter; bei der Gesetzesänderung vor fünf Jahren wurde dann die Option "ohne Angabe" hinzugenommen. Die neue Gesetzänderung sieht nun vor, dass die Zuordnung zu einer der Möglichkeiten auch im Nachinein geändert werde kann, ebenso wie der Vorname des oder der Betroffenen. Für beides ist aber ein Nachweis von Arzt notwendig.

Ein Mann und eine Frau liegen unter einer weißen Bettdecke und küssen sich innig
lau