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Meinung

Witz über Intersexualität: Kramp-Karrenbauers Büttenrede: Wer lästert, sollte vorher seine Hausaufgaben machen

Mal abgesehen davon, dass Annegret Kramp-Karrenbauers Witz über Intersexualität nicht witzig und ziemlich unangebracht war, scheint sie auch irgendwie nicht zu wissen, wen sie da jetzt eigentlich beleidigen wollte.

Das Netz ist über Kramp-Karrenbauers Büttenrede empört

Karneval ist die Zeit der Narren – das weiß selbst ich als Nordlicht. Zwischen Weiberfastnacht und Rosenmontag ist vieles erlaubt, was an jedem anderen Tag im Jahr für Ärger oder im Zweifelsfall sogar eine saftige Ohrfeige sorgen würde. Und doch – und jetzt nenne man mich gerne Spießer oder kleinlich oder Karnevals-Grinch – finde ich, dass zumindest eine Annegret Kramp-Karrenbauer ein bisschen vorsichtig sein sollte, was sie da in Spaßesmanier verbreitet. Denn auch, wenn sie eine rote Baskenmütze trägt, ist sie immer noch ziemlich leicht als Bundesvorsitzende der CDU und realistisch gesehen eine der wahrscheinlichsten Merkel-Nachfolgerinnen erkennbar.

Kurz zusammengefasst für alle, die am Wochenende keine Nachrichten gelesen haben: AKK sprach bereits am Donnerstag vor dem sogenannten "Stockacher Narrengericht" und machte dabei folgenden Witz: "Guckt euch doch mal die Männer von heute an. Wer war denn von euch vor Kurzem mal in Berlin? Da seht ihr doch die Latte-Macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen." Das sei für die Männer, die "noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen. Dafür – dazwischen – ist diese Toilette."

Seriously?

Hat Frau Kramp-Karrenbauer ihre Hausaufgaben nicht ordentlich gemacht?

Zuerst einmal das Offensichtliche: Was die gute Frau Kramp-Karrenbauer hier macht, mag guter alter Karnevalshumor unter der Gürtellinie sein. Das ist halt so, das war schon immer so, werden alteingesessene Karnevalsfans jetzt sagen. Aber genau wie ganz langsam auch dem letzten Hinterwäldler klar wird, dass sein Blackfacing-Kostüm in die Tonne gehört, kann man, finde ich, schon erwarten, dass auch andere wirklich und ernsthaft diskriminierende Witze gegen Minderheiten einfach mal in die närrischen Archive verschifft werden und insbesondere nicht von hochgestellten Politikerinnen verbreitet werden.

Annegret Kramp-Karrenbauer bei ihrer Büttenrede in Stockach

Annegret Kramp-Karrenbauer bei ihrer Büttenrede in Stockach

Picture Alliance

Und mal ganz abgesehen davon, scheint Frau Kramp-Karrenbauer zusätzlich auch noch ihre Hausaufgaben nicht gemacht zu haben: Sie spricht von der "Latte-Macchiato-Fraktion" und meint damit, was BILD-Kommentator Ralf Schuler spezifischer "links-grün-feministische Echauffierer*innen" nennt. Dabei wissen wir doch alle, dass die nur Hafer-Cappuccinos und Matcha-Tee trinken. Also wenn Sie schon in peinlichen Kneipen-Stammtisch-Facebook-Feed-Intellektuellen-Stereotypen sprechen wollen, Frau Kramp-Karrenbauer, dann recherchieren Sie doch bitte vorher ordentlich, wen Sie da beleidigen wollen. Die Latte-Macchiato-Fraktion, das weiß ja wohl jeder, sind die Schicki-Micki-Neureichen-Instagram-Mamas mit den großen Sonnenbrillen, nicht die linksliberalen Hippies. Die würden niemals Kuhmilch trinken.

Bei den Herrengedeck-Fans haben Sie ohnehin einen Stein im Brett

Was doch eigentlich vor allem beweist, dass Sie in ihrer Büttenrede nur jede Menge stereotypisch konservative Sätze aneinandergereiht haben, um sich damit besonders erfolgreich bei jener Fraktion einzuschleimen, die Sie wahrscheinlich eh schon feiert, seit Sie letztes Jahr zur "Miss Homophobia 2018" gewählt wurden. Wir erinnern uns: Sie hatten die Ehe für homosexuelle Paare mit Inzest gleichgesetzt und sich gegen ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare ausgesprochen. Da haben Sie ja bei vielen anderen Kaffeesahne-Trinkern und Herrengedeck-Fans ohnehin schon einen Stein im Brett.

Sehen Sie, was ich da gemacht habe? Ich habe mir genau Gedanken darüber gemacht, was den stereotypischen Stammtischgänger und Schrebergartenbesitzer ausmacht und meine rhetorische Spitze darauf ausgelegt. Nicht willkürlich mit irgendwelchen Getränken um mich geworfen. Metaphorisch gesprochen.