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Meinung

Absurde Regeln: Jogginghosen in deutschen Schulen verbieten? Absurd! Eine Ode an das beste Kleidungsstück der Welt

Mehrere Schulen verbieten ihren Schülern, mit Jogginghose in den Unterricht zu kommen. Und das mit wechselnden, ähnlich dämlichen Begründungen. Warum das grober Unfug ist.

Mit Nichten ist die Jogginghose nur etwas für die Couch. Ich habe trotzdem kein besseres Bild gefunden.

Mit Nichten ist die Jogginghose nur etwas für die Couch. Ich habe trotzdem kein besseres Bild gefunden.

DPA

Zunächst eines vorweg: Ich werde diesen ganzen Text schreiben, ohne über Karl Lagerfelds berühmtes Joggingshosen-Zitat zu sprechen. Also ab jetzt.

Immer wieder landen Schulen in den Schlagzeilen, weil sie ihren Schülern verboten haben, mit Jogginghosen zum Unterricht zu erscheinen. Zuletzt zwei Real-Schulen in NRW und Baden-Württemberg. Ich halte das für falsch, würde gar soweit gehen, es als groben Unfug zu bezeichnen. Und zwar aus gleich mehreren Gründen.

Zunächst einmal ist die Jogginghose an sich völlig zu Unrecht verpönt. Sie ist super bequem, ergo sinnvoll. Punkt. Dagegen kann eigentlich nicht überzeugend argumentiert werden. Bequemlichkeit ist, nüchtern betrachtet, das einzig logische Kriterium bei der Kleiderwahl. 

Aber – und das musste auch ich nach jahrelanger Feldstudie einsehen – der Schlabberlook ist eben nun mal verpönt. Die Blicke, die du damit erntest, sind überall die gleichen, egal ob beim Arzt, in der Autowerkstatt oder in der Bank. Und nicht selten korreliert auch die Behandlung durch die Mitarbeiter dort mit den Blicken. Siehst halt aus wie ein Obdachloser, wirste behandelt wie einer.

Besonders abstrus ist das, weil sich der durchschnittliche Jogginghosenträger ansonsten überhaupt nicht von seinen Mitmenschen unterscheidet. Ober- und unterhalb der Jogginghose kann man sich kleiden, wie man will. Hüllt man seine Beine nicht in Jeans, erntet man eben jene Blicke. 

Wo wenn nicht in der Schule soll ich Jogginghose tragen?

Deswegen trage ich mittlerweile keine Jogginghosen mehr bei der Arbeit, weil ist ja Arbeit. Aber dafür werden konsequent auch Familienfeiern und 30. Geburtstage von Freunden mit eben jenem von mir heißgebliebten Beinkleid besucht. Auf der Uni habe ich drei Jahre lang durchgehend Jogginghose getragen, natürlich nicht die selbe. Ähnlich zuvor am Ende meiner Schulzeit. Wo, wenn nicht hier, dachte ich mir.

Und genau das ist mein zweiter Punkt: Müssen wir wirklich schon in der Schule damit anfangen, Kindern zu erzählen, wie sie sich anzuziehen haben und wie nicht? Ein letztlich völlig unwichtiger Nebenaspekt des Lebens. Der "Erziehungsauftrag" decke diese Regeln, argumentieren die Schulen. Die Schüler sollten sich "angemessen" kleiden. "Wir bereiten sie ja auf das Arbeitsleben vor." Selten so einen Quatsch gelesen. Als wäre Jeans anziehen etwas, was man vorher ausgiebig üben muss. Das werden die Kids schon merken, spätestens wenn sie die intoleranten Blicke ihrer Mitmenschen ernten.

Schulen sollten geschützte Bereiche sein

Gerade Schulen und Universitäten, die Bildungswege, die junge Menschen durchlaufen, sollten besonders geschützte Bereiche sein. Hier sollte man für das bewertet werden, was man sagt und leistet, und nicht dafür, wie man "rumläuft". Nur weil viele Erwachsene das immer noch nicht verstanden haben und es auch später im Leben noch so ist, müssen wir nicht schon in der Schule damit anfangen, Kinder präventiv dämlich zu behandeln, damit sie schon mal merken, wie das ist.

Eine Jogginghose zu tragen sollte jedem freistehen. Sie ist schließlich bequem. Rational betrachtet spricht auch kein Grund dagegen. Kids, die sich dafür entscheiden, erscheinen mir clever und eben nicht als hätten sie "die Kontrolle über ihr Leben" verloren. Ach verdammt, jetzt habe ich es doch geschrieben. 

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