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Identitäts-Lüge Model gibt sich als Transgender aus, um "in die Gemeinschaft zu passen"


Das US-amerikanische Model Carissa Pinkston wettert bei Facebook gegen Transgender – und outet sich kurz darauf angeblich selbst. Für ihr Vorgehen erntet sie einen Shitstorm.

Stell dir vor, du posierst als Model neben Rihanna, arbeitest für Nike, Marc Jacobs und andere große Marken, und startest karrieretechnisch voll durch – bis jemand einen fragwürdigen Post von dir veröffentlicht und deine Karriere plötzlich auf der Kippe steht. Um alles zu kaschieren, gibst du dich als Teil einer Minderheit aus – und musst nachher zugeben, dass es eine Lüge war. So ging es dem amerikanischen Model Carissa Pinkston. Der Knackpunkt: Es geht um Fragen der Identität.

Anfang Juli veröffentlicht Twitter Userin "CeciliaJinks" Screenshots von einem Facebook-Post einer gewissen "Rissa Danielle". Jinks erkennt in der Userin ihre Highschool-Freundin, Model Carissa Pinkston, die mittlerweile unter anderem in der Kampagne von "Savage X Fenty", einer Lingerie-Kollektion der Sängerin Rihanna, zu sehen ist. Pinkston gibt in besagtem Posting ihre Meinung zum Thema Transgender kund. "Transgender zu sein macht dich nicht zur Frau", schreibt sie, und: "So wollen sie wahrgenommen werden. In einem biologischen Kontext gibt es Männer und Frauen. Das ist die Welt im Jahr 2019."

Schlichtungsversuch mit einer Lüge

Nach einem kleinen Shitstorm und dem Vorwurf, transphob zu sein, rudert Pinkston zurück – und zwar, indem sie sich selbst als Transgender outet. "Ich war noch nicht bereit für ein Coming-Out, aber heute wurde ich gefeuert und erhalte seitdem Hassbriefe und Morddrohungen, also bin ich gezwungen, die Wahrheit zu sagen", schreibt sie in einer Notiz auf Instagram. "Ich bin Transgender. Ich habe in sehr jungen Jahren den Übergang geschafft und lebe seitdem mein Leben als Frau. Es war sehr schwierig, dieses Geheimnis zu bewahren, aber was ich über Transfrauen gesagt habe, ist eine direkte Widerspiegelung meiner inneren Sicherheiten, und ich habe inzwischen erkannt, dass ich eine Frau bin – wie wir alle!"

Doch der Schlichtungsversuch währt nicht lange, denn andere Models aus der Community stellen ihr Coming-Out in Frage. So wie Aaron Phillip, das erste Trans- und dunkelhäutige Model mit Behinderung bei der Agentur Elite-Model. Sie schreibt bei Twitter: "Stell dir vor, du bist ein Model, dessen transphobe Kommentare entlarvt wurde und dann behauptest du, transgender zu sein, um deine Karriere zu retten. Ich kenne diese Person und sie ist so cis [als cis-Mann/Frau wird bezeichnet, wessen Geschlechtsidentität dem Geschlecht entspricht, das ihm/ihr bei der Geburt zugeordnet wurde, Anm. d. Red.]."

Nur "falsch verstanden"?

Schließlich muss Carissa Pinkston ihre Lüge zugeben und entschuldigt sich erneut via Instagram. Gegenüber "Buzzfeed News" erklärt sie ihr Verhalten so: "Es ging mir nie darum, eine Gegenreaktion zu vermeiden, aber ich habe Panik bekommen", so das Model. "Und ich weiß, wie es ist, gemobbt und angegriffen zu werden, weil man anders ist. Ich wollte in eine Gemeinschaft passen. In diesem Moment wusste ich nicht, was ich tun sollte." Sie deutet zudem an, von ihrer Agentur zu dem Schritt bewegt worden zu sein.

Sie sei nicht transphob, sondern einfach nur falsch verstanden worden und werde die volle Verantwortung für ihre Lügen übernehmen: "Ich kann mich mit Trans-Personen identifizieren, damit, marginalisiert zu werden, Afroamerikanerin zu sein und aus einer unterdrückten Gruppe zu stammen", sagt sie bei "BuzzFeed News". "Ich habe nichts gegen Trans-Personen, ich wollte meine Meinung sagen." "Savage X Fenty", für die Pinkston unter anderem wirbt, war laut "Buzzfeed News" bisher nicht für einen Kommentar zu erreichen.

lau

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