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Polen: Katholische Priester verbrennen "Harry Potter"-Bücher - um Aberglaube zu bekämpfen

In Polen haben Geistliche der katholischen Kirche dazu aufgerufen, Bücher und Gegenstände zu verbrennen. Damit wollten sie Aberglaube bekämpfen.

Eine katholische Kirche in Köslin, eine Großstadt im Norden Polens. Vor dem marmorgrauen Altar liegt eine Vielzahl von Büchern auf dem Boden. Davor haben sich ein paar Mitglieder der Gemeinde verteilt. Es sieht zunächst wie auf einem Basar oder Flohmarkt aus. Doch die Fotos, die die Gruppe "Fundacja SMS Z Nieba" am Sonntag bei Facebook postete, zeigen etwas anderes: Es ist die Vorbereitung auf das Verbrennen von Büchern und Gegenständen.

Genau das haben katholische Priester am vergangenen Sonntag gemacht – darunter unter anderem "Harry Potter"-Bände, ein "Hello Kitty"-Regenschirm und eine Hindu-Figur. Wie ein Gemeindemitglied der Kirche dem Sender TVN24 berichtete, habe die Aktion nach der Messe stattgefunden. Demnach seien die Mitglieder zuvor aufgefordert worden, Gegenstände mitzubringen, die eine schlechte Energie hätten oder mit Aberglaube verknüpft seien.

Polen: Katholische Priester verbrennen Bücher

"Wir gehorchen dem Wort Gottes", erklären die Priester in jenem Facebook-Post, der auch mehrere Bilder der Bücherverbrennung zeigt. Dabei ist unter anderem zu sehen, wie Priester Gebete vor brennenden Gegenständen sprechen. Auf Anfrage der Nachrichtenagentur "Agence France-Presse" (AFP) bestätigten das polnische Bischofsamt und der örtliche Bischof den Vorfall, kommentieren wollten sie ihn aber nicht.

Derweil löste der Facebook-Eintrag eine hitzige Kontroverse aus. Viele Nutzer zogen Vergleiche mit den Nazis, die bekanntlich am 10. Mai 1933 tausende Bücher aus öffentlichen und privaten Bibliotheken zusammenkarrten und anschließend auf öffentlichen Plätzen verbrannten. "Haben wir schon wieder 1933?", fragte ein User deshalb bei Twitter. Es gab aber auch andere Reaktionen: "Werde alles los, was Gott nicht gefällt, und schau, wie dein Leben sich verändert", schrieb ein anderer.

Die katholische Kirche und "Harry Potter"

Aus fundamentalistischen Kreisen hat es immer wieder Kritik an den Büchern von Autorin J. K. Rowling gegeben. Im Jahr 2007 sagte die katholische Soziologin und Buchautorin Gabriele Kuby zum Beispiel, dass sie "von einer Welt der Gewalt und des Grauens, der ständigen Bedrohung und der Besessenheit, die Kinder an die Welt des Okkulten gewöhne" angewidert sei.

Selbst der emeritierter Papst Benedikt XVI. warnte 2003, als er noch Präfekt der Glaubenskongregation war, vor "Harry Potter". In einem vom "PUR-Magazin" veröffentlichten Brief an Kuby spricht er von "subtilen Verführungen, die unmerklich und gerade dadurch tief wirken und das Christentum in der Seele zersetzen".

*Nachtrag: Von den von Bücherverbrennungen distanziert sich Gabriele Kuby allerdings ausdrücklich, wie sie NEON per Mail mitteilte. Der öffentliche Diskurs solle mit Argumenten geführt werden, so die Publizistin. 

J.K. Rowling gegen Donald Trump


Quellen: "Guardian" / "Spiegel Online" / "FAZ"

rpw