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Unterwäsche und Rassismus: User-Verhalten auf Instagram: Dessous-Firma postet eindringlichen Appell

Eine Unterwäsche-Firma hat öffentlich gemacht, wie rassistisch in den sozialen Netzwerken Likes verteilt werden: Schwarze Models bekommen von ihren Followern viel weniger Beachtung. Das hat Folgen.

Rassismus und Likes

Es ist nicht egal, was wir auf Instagram und Co. liken

Wir scrollen, liken, kommentieren, sharen täglich Bilder in den sozialen Netzwerken - meist ganz nebenbei. Das hat Folgen: Eine britische Unterwäsche-Firma hat nun öffentlich gemacht, wie rassistisch ihre Follower unterwegs sind.

"Achtet darauf, dass ihr beim Scrollen auf genau so viele Fotos von Menschen mit anderer Hautfarbe wie von Weißen liket", twitterte der britische Unterwäsche-Hersteller "Playful Promises" vergangene Woche. Es sei absolut wahr, dass Menschen mit anderen Hautfarben weniger Interaktion hervorrufen. "Und das gibt Firmen eine (schlechte) Entschuldigung, nicht auf Vielfalt zu achten."

Der Rassismus hinter den Likes

Die Dessous-Firma wurde sogar überraschend konkret: "Wir haben sehr ähnliche Bilder zu ähnlichen Zeiten gepostet mit dem einzigen Unterschied, dass das eine Model weiß, das andere schwarz war. Es gab bis zu 60 Prozent weniger Likes. Das ist nicht okay."

Autsch! So ehrlich hat noch kaum eine Firma den hinter den Zahlen deutlich gemacht. Dabei dürften die Follower von "Playful Promises" - auf Instagram sind es immerhin über 113.000 - offen für Diversität sein. Die Marke setzt sich bewusst von Unterwäsche-Klischees ab, arbeitet zum Beispiel mit Plus-Size-Models und zeigt Frauen mit Narben und Tattoos. Wer hier durchscrollt, sucht kein klassisches Bild von einer sportlichen Blondine - eigentlich. Dass diese Bilder trotzdem am besten ankommen, sagt viel über unbewusste Vorurteile aus.

Die Likes fehlen - gekauft wird trotzdem

"Es ist sehr unwahrscheinlich, dass unsere User Rassisten sind. Aber Vorurteile, was Schönheitsideale angeht, werden innerhalb von Sekunden deutlich, wenn man beim Scrollen auf Instagram auf Bilder reagiert", sagte Anna Samspon, eine Sprecherin der Marke, im Interview mit dem britischen Portal "Indy100.com".

Besonders bitter: Dadurch bleiben viele Marken lieber ihrer bewährten, weißen Linie treu, was wiederum den Wert von schwarzen Körpern in der Gesellschaft schwächt. Dabei bedeuten die Likes nicht, dass die Produkte darauf weniger gekauft werden, wie Sampson betont. "Wir sehen das als Ansporn, noch diverser zu werden. Wenn Vielfalt zur Norm wird, können wir hoffentlich eines Tages Schönheit jenseits von Rasse sehen." Mit unseren Likes und Kommentaren haben wir das selbst in der Hand.

Seht hier im Video: "Warum gibt es so einen rassistischen Stand auf einem Jahrmarkt?" 

sst
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