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Harvard-Studie: Was denkst du wirklich? Dieser Test kennt deine versteckten Vorurteile

Bloß keine Vorurteile: Die meisten Menschen versuchen, möglichst objektiv zu handeln. Aber was, wenn man eigentlich ganz anders denkt - und das nicht weiß? Über einen Test, der fast ein bisschen unheimlich ist.

Vorurteile

Wir wissen oft nicht, welche unbewussten Vorurteile wir mitbringen

Es ist nichts, was man gerne zugibt, aber Tatsache ist: Jeder Mensch hat . Meistens bevorzugen wir das, was wir gut kennen. Oft wissen wir das, sagen es aber vielleicht nicht. Aber was, wenn wir gar nicht wissen, was wir wirklich denken?

In einer Langzeit-Studie will die amerikanische Elite-Uni messen, inwiefern wir bestimmte Gruppen unbewusst bevorzugen. Ob wir etwa Schwarze oder Weiße eher mit Positivem oder mit Negativem verbinden oder ob wir dicke oder dünne Menschen lieber mögen. Für Deutschland hat die Uni zum Beispiel eine Aufgabe zu Ossis und Wessis parat. Das Ganze nennt sich Impliziter Assoziationstest und verspricht, dir zu zeigen, was du wirklich denkst. Hört sich fast ein bisschen unheimlich an - und gerade deshalb bin ich neugierig.

Der Test geht schnell und macht Spaß

Ich will mit etwas starten, das einfach klingt, also suche ich mir das Thema Geschlecht/Karriere aus. Zum einen weil ich mir darüber schon viele Gedanken gemacht habe. Und ehrlicherweise auch, weil ich denke, dass ich diesen Test am ehesten austricksen kann. Schließlich weiß ich ganz genau, was das gängige Vorurteil ist: Frauen stehen für Familie, für Karriere.

Pff, daran glaub ich nicht - weder bewusst noch unbewusst. Kann also nicht so schwer sein, denke ich mir. Ich sollte mich irren.

Dann geht's los: Mithilfe der Tastatur soll ich Frauen- und Männernamen in männlich oder weiblich einteilen und zwar möglichst schnell. Die These ist: Je schneller man reagiert, umso unvoreingenommener ist man. Brav klicke ich mich also durch Lena, Paul und Sophie. Es macht sogar ein bisschen Spaß, fast wie früher beim Computerspiele zocken. Danach sortiere ich Begriffe wie "Gehalt" oder "Tante" in "Familie" oder "Karriere". Dann wird's tricky: Jetzt soll ich die aufploppenden Begriffe entweder rechts in "Weiblich" und "Karriere" oder links in " " und "Familie" einordnen. Es schleichen sich erste Fehler ein, weil ich zu schnell klicke. In der nächsten Runde ist "Weiblich" mit "Familie" gepaart und "Männlich" mit "Karriere". Mist! Irgendwie geht das doch schneller von der Hand. Ich ahne Böses. 

Frauen an den Herd, Männer ins Büro?

Zum Schluss will der Test Persönliches von mir wissen: Ich soll zum Beispiel angeben, wer in der Kindheit mein Haupt-Erziehungsberechtigter war, ob die Person gearbeitet hat und wenn ja, was, ob ich Kinder habe oder plane, wie viel ich verdiene, mein Alter, meinen Wohnort und ob ich Karriere mag. Dann kommt das Ergebnis: Ich habe eine "starke automatische Assoziation von männlich mit Karriere und weiblich mit Familie". Ach du Scheiße. Und ich bin nicht allein: 26 Prozent aller Teilnehmer haben diese Bevorzugung, 18 Prozent sind neutral und bei nur einem Prozent ist es andersrum. Finde ich etwa heimlich, dass Frauen an den Herd und Männer ins Büro gehören? Bestimmt nicht. Trotzdem ist es beunruhigend zu sehen, wie sehr ich offenbar doch von gängigen Stereotypen geprägt bin.

Ein bisschen erleichtert bin ich deshalb, als ich auf wissenschaftliche Einwände gegen den Impliziten Assoziationstest stoße. Kritiker gehen davon aus, dass man den Test doch beeinflussen kann, außerdem sage er nichts darüber aus, ob man auch nach den Vorurteilen handle. Also ob man etwa wirklich Frauen benachteiligt oder dünne Menschen bevorzugt, auch wenn man schneller oder langsamer negative Eigenschaften zugeordnet hat. Denn im echten Leben kann man eben Vorurteile haben und sie ganz bewusst ignorieren. Und das ist immerhin ein kleiner Trost.

Wer es jetzt selbst ausprobieren will: Hier geht's zu den Tests von Harvard.