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Schleswig-Holstein: Polizeischüler soll mit Hakenkreuz-Armbinde posiert haben

Ein Auszubildender der Schleswig-Holsteiner Polizei soll mit einer Hakenkreuz-Armbinde und Wehrmachtsmütze auf einem Foto posiert haben. Jetzt ermittelt die Lübecker Staatsanwaltschaft.

Das Emblem der Landespolizei Schleswig-Holstein

Das Emblem der Landespolizei Schleswig-Holstein

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Ein Polizeischüler aus Schleswig-Holstein ist wegen eines Fotos mit Hakenkreuz-Armbinde und Wehrmachtsmütze ins Visier der Lübecker Staatsanwaltschaft geraten. Wie die "Kieler Nachrichten" berichten, sei der Fall den Ermittlern bereits im August 2018 bekannt geworden. Damals wurde dem Leiter des Plöner Polizeireviers demnach anonym ein Foto zugespielt. Es soll einen jungen Polizeischüler mit Hakenkreuz-Armbinde und Wehrmachts-Mütze auf dem Kopf an einem Tisch sitzend zeigen.

Ein Sprecher des Landespolizeiamts Schleswig-Holstein bestätigte NEON auf Anfrage, dass Ermittlungen wegen des Verdachts eines rechtsextremen Hintergrundes eingeleitet wurden. Nur könne man sich aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes und des Schutzes des laufenden Verfahrens nicht dazu äußern, ob es sich bei dem Verdächtigen um einen Auszubildenden der Polizeischule Eutin handelt.

Lübecker Staatsanwaltschaft ermittelt

Nach Angaben der Lübecker Oberstaatsanwältin Ulla Hingst sei gegen jenen Mann ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen geführt worden. "Dieses ist mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt worden, da dem Beschuldigten nicht nachzuweisen war, dass er inkriminierte Kennzeichen verwendet oder verbreitet hat", heißt es in einer schriftlichen Antwort der Oberstaatsanwältin, die NEON vorliegt.

Der Beschuldigte gab demnach an, die Armbinde, die Mütze und andere Kleidungsstücke aus der Zeit des Dritten Reichs zu besitzen, da er aus Interesse an der deutschen Geschichte an sogenannten Reenactment-Veranstaltungen teilnehme. Bei diesen werden konkrete geschichtliche Ereignisse in möglichst authentischer Weise vor Zuschauern neu inszeniert.

Laut "Kieler Nachrichten" sollen die Disziplinar-Ermittler diese Aussage nur bedingt für glaubwürdig gehalten haben. Stattdessen habe das Landespolizeiamt Konsequenzen gezogen – und den Auszubildenden entlassen. Grund dafür seien auch Aussagen in einem WhatsApp-Chat sowie in den sozialen Medien gewesen. "Sollten die Vorprüfungen insoweit einen Anfangsverdacht ergeben, wird ein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung eingeleitet werden", sagte Oberstaatsanwältin Hingst dazu.

Landespolizeiamt Schleswig-Holstein bedauert Vorfall

Das Landespolizeiamt Schleswig-Holstein bedauert den Vorfall. Durch ein solches Fehlverhalten werde eine ganze Organisation in der Öffentlichkeit in ein schlechtes Licht gerückt. Deshalb weise man intern immer wieder darauf hin, so ein Sprecher gegenüber NEON. Dennoch stellte dieser auch klar: "Es galt und gilt in dieser Hinsicht eine Null-Toleranz-Linie. Kernpunkt ist, dass es keine strukturellen Defizite gibt, die solche Verhaltensweisen zulassen oder fördern."

Nazi-Schmiereien offenbaren mangelnde Deutschkenntnisse

Quellen: Kieler Nachrichten / Landespolizeiamt Schleswig-Holstein / Staatsanwaltschaft Lübeck

rpw