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Nachhaltigkeit Studenten entwickeln "Bio-Ziegelsteine" aus ... nun ja, aus Pipi

Ein Becher Urin. In Südafrika haben Studenten aus Pipi Ziegelsteine hergestellt
Ein Becher Urin. In Südafrika haben Studenten aus Pipi Ziegelsteine hergestellt.
© Ulrich Niehoff / Picture Alliance
"Bio-Ziegelsteine" nennen die Studenten aus Südafrika ihre Erfindung: Bausteine, hergestellt aus Urin und Sand, sollen die Umwelt schonen. Allerdings gibt es auch Nachteile - für die Studenten.

Studenten aus Südafrika haben aus menschlichem Urin umweltfreundliche Ziegelsteine entwickelt. Das berichtet unter anderem die britische BBC. Demnach kombinierten die Studenten den Urin mit Sand und bestimmten Bakterien, so dass die Steine bei Raumtemperatur aushärten. "Es ist im Grunde der selbe Prozess, wie bei der Entstehung von Korallen im Meer", wird Dyllon Randall, der Projektleiter an der Universität Kapstadt zitiert. Mit den neu entwickelten Steinen soll die Umwelt geschont werden. Herkömmliche Ziegelsteine werden normalerweise in Hochtemperatur-Brennöfen hergestellt, wobei viel Kohlenstoffdioxid ausgestoßen wird.

Die nötigen Mengen menschlichen Urins haben die Studenten dem Bericht zufolge auf öffentlichen Männertoiletten abgefangen und gesammelt. Damit würden dann mithilfe eines biologischen Aushärteprozesses die "Bio-Ziegelsteine gezüchtet" werden. Der Vorgang nenne sich mikrobische Kohlenstoff-Ausfällung (engl. microbial carbonate precipitation). Die Bakterien würden den Harnstoff aus dem Urin heraustrennen und sich zu Kalziumkarbonat bilden. Dieses wiederum binde dann den Sand zu steinharten, grauen Ziegeln.

Rund 100 Mal Pipi für einen Stein

Das Projekt liefert der BBC zufolge auch eine grobe Rechnung, wie viel Urin man pro Stein benötigt. Rund 25 bis 30 Liter brauche ein Ziegel demnach, um auszuhärten. Allerdings würde daraus nebenbei auch eine Art Dünger gewonnen werden, der für weitere Steine verwendet werden könne. Daher könne man die rund 200 bis 300 Milliliter Urin pro Toilettengang nicht eins-zu-eins umrechnen. Den Schätzungen des Projektes zufolge müsste ein Mensch rund 100-mal auf die Toilette gehen für einen Ziegelstein. 

Wie hart und widerstandsfähig die Steine letztlich werden, hänge vom genauen Prozess ab, sagt der Projektleiter der BBC. "Als wir im vergangenen Jahr damit anfingen, erreichten die Steine rund 40 Prozent der Stärke eines Kalksteinziegels", sagt Randall. Mittlerweile habe man diesen Wert bereits verdoppeln können, indem man die Komponenten etwas verändert und den einzelnen Steinen mehr Zeit zum Aushärten gegeben habe. Normalerweise bräuchten sie zwischen vier und sechs Tagen. Sollen sie härter werden, entsprechend länger.

Wenngleich die Herstellung umweltfreundlicher als die herkömmliche Ziegelproduktion sei, gesteht Projektleiter Randall ein, dass der Prozess deutlich stinkender ist. Zwar verfliege der Geruch auf den Steinen nach rund 48 Stunden, bis dahin würden sie allerdings ungefähr so riechen, wie "wenn euer Haustier in die Ecke gepinkelt hat". 

fin

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