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Cross-Race-Effekt: "Sie sollten sich meinen Namen merken": ZDF verwechselt Youtuberin "Poket Hazel" mit Mai Thi Nguyen-Kim

In der ZDF-Sendung "Volle Kanne" sprach Youtuberin Hazel über ihren Job – doch auf der Homepage kündigte sie der Sender mit dem Foto einer anderen Youtuberin an. In einem Video nahm die 25-Jährige nun Stellung zu dem Vorfall.

"Das ist mein Gesicht. Das Aussehen von meiner Mutter, die Stärke von meinem Vater", so der aktuelle Instagram-Post von Youtuberin Hazel. Die studierte Betriebswirtin gibt auf ihrem Kanal "Poket Hazel" Finanztipps für ihre jungen Zuschauer. Darüber sprach die 25-Jährige auch Anfang der Woche in der ZDF-Sendung "Volle Kanne". Doch scheinbar war man beim ZDF nicht ganz sicher, wen man dort eingeladen hatte.

Denn wie sich später herausstellte, zeigte der Sender auf der Internetseite von "Volle Kanne" kein Bild von Hazel, sondern von Mai Thi Nguyen-Kim, die ebenfalls Youtuberin ist und wie Hazel vietnamesische Wurzeln hat. Neben ihrem Youtube-Kanal "maiLab" moderiert sie zudem seit 2018 die Sendung "Quarks" im WDR.

Hazel fiel die Verwechslung erst auf, als nach der Sendung ein Mann vor dem Fernsehstudio auf sie zukam und fragte, wo denn die Moderatorin von "Quarks" sei, die er gern treffen wolle. So berichtet es die Youtuberin in einem Video, das sie drei Tage nach der Ausstrahlung der Sendung auf ihrem Kanal veröffentlichte. In dem zweiminütigen Beitrag, der mittlerweile fast 450.000 Mal aufgerufen wurde, schildert die 25-Jährige auch ihre bisherigen TV-Erfahrungen. Obwohl sie dem Fernsehen gegenüber kritisch sei, weil sie sich bisher in anderen Beiträgen über ihre Person oft falsch dargestellt gefühlt habe, sei sie mit dem Auftritt bei "Volle Kanne" an sich sehr zufrieden gewesen. Bis ihr die Verwechslung bewusst wurde.

In ihrem Video vergleicht Hazel die fehlerhafte Bebilderung mit einem anderen aktuellen Vorfall: Die Zeitschrift "Elle" hatte in der deutschen Novemberausgabe mit dem Themenschwerpunkt "Schwarz" sechs erfolgreiche Models mit dunkler Hautfarbe vorgestellt. Doch bei Model Janaye Furman zeigte die Redaktion ein Bild ihrer Kollegin Naomi Chin Wing und erweckte den Eindruck, als hätte man einfach ein beliebiges dunkelhäutiges Model gezeigt. Auch Hazel vermutet, dass beim ZDF jemand einfach "asiatische Frau" gegoogelt habe und dann auf Mai gestoßen sei, die bei den Öffentlich-Rechtlichen arbeitet.

So reagiert das Netz

In ihrem Video äußert die Youtuberin allerdings die Sorge, dass ihre Zuschauer die Kritik am ZDF möglicherweise als übertrieben empfinden könnten. Doch das Feedback ihrer Follower ist durchweg positiv: in den mehr als 2.600 Kommentaren bei Youtube und über 100 Kommentaren zu ihrem letzten Instagram-Post, bestärken sie die meisten in ihrem Schritt. "Sie sollten sich dein Gesicht definitiv merken" oder "Ganz schön traurig, dass das Öffentlich-Rechtliche seine eigenen Mitarbeiter nicht auseinanderhalten kann", heißt es dort.

Dem ZDF war der Fehler nach kurzer Zeit selbst aufgefallen und sie hatten die Bilder ausgetauscht – eine Entschuldigung bekam Hazel nach eigener Aussage allerdings erst, nachdem sie ihr Video veröffentlicht hatte.

Cross-Race-Effect

Aber warum fällt es uns offensichtlich schwer, Gesichter von Menschen zu unterscheiden, die aus anderen Ethnien stammen. Aus wissenschaftlicher Sicht ist dafür wohl der sogenannte "Other-Race-" oder "Cross-Race-Effect" verantwortlich. Forscher haben herausgefunden, dass wir beim Betrachten von Gesichtern, die nicht unserer Ethnie angehören, dazu neigen, Menschen viel oberflächlicher einordnen.

Das ändert allerdings nichts daran, dass beim ZDF wie auch bei der "Elle" offensichtlich nicht gut gearbeitet und recherchiert wurde. Wie man solche Vorfälle in Zukunft vermeiden kann? Wohl nur, indem Arbeitsumfelder diverser werden und man sich bewusst wird, dass es solche Vorurteile und Effekte gibt.

lau
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