Am Freitag hatte Venezuelas Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez von 626 Freilassungen seit Dezember gesprochen. Der Prozess sei bereits von ihrem Vorgänger, dem von den USA gewaltsam abgesetzten Staatschef Nicolás Maduro, angestoßen worden.
Die Nichtregierungsorganisation Foro Penal, die sich für Häftlinge in Venezuela einsetzt, äußerte jedoch Zweifel an der hohen Anzahl der Freilassungen. Seit Dezember hätten 383 Freilassungen verifiziert werden können, erklärte die Organisation. Seit dem 8. Januar, als verstärkte Freilassungen angekündigt worden waren, seien 266 Menschen freigekommen.
Die Angaben der Regierung "stimmen mit keinen der Zahlen überein", welche Foro Penal erhoben habe, sagte der stellvertretende Leiter der Organisation, Gonzalo Himiob, der Nachrichtenagentur AFP.
Innenminister Cabello sagte jedoch, Foro Penal "hat die Liste nicht". Die Regierung in Caracas müsse sich nicht mit Nichtregierungsorganisationen beraten, betonte er.
Die venezolanische Führung hat nach der gewaltsamen Absetzung Maduros bei einem US-Militäreinsatz Anfang Januar wiederholt politische Gefangene freigelassen. Übergangspräsidentin Rodríguez - Maduros frühere Stellvertreterin - setzt auf eine Annäherung mit Washington und hat versprochen, eine "bedeutende Zahl" politischer Gefangener freizulassen.
Die venezolanische Opposition und Menschenrechtsorganisationen beklagen, die Freilassungen gingen zu langsam voran. Vor zahlreichen Gefängnissen in dem südamerikanischen Land haben sich Angehörige von politischen Gefangenen in der Hoffnung auf weitere Freilassungen versammelt. Am Wochenende waren Foro Penal zufolge mehr als 100 politische Gefangene freigelassen worden.